EHEC in Deutschland

10. Juni 2011 09:27; Akt: 10.06.2011 18:35 Print

Es waren die Sprossen

Endlich ist der Grund für die EHEC-Darminfektion klar. Es waren die Sprossen, wie die deutschen Behörden mitteilten. Tomaten, Gurken und Blattsalat könnten ohne Bedenken konsumiert werden.

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Deutschland hat den Verzehr von Tomaten, Gurken und Blattsalat am Freitag als unbedenklich bezeichnet. (Bild: AFP)

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Auslöser der EHEC- Epidemie sind mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit die bereits verdächtigten Sprossen. Wissenschaftler entdeckten an diesem Gemüse erstmals Bakterien des Erregers, an dem bislang über 30 Menschen gestorben sind.

Die Sprossen stammten nach den bisherigen Erkenntnissen aus dem unter Verdacht stehenden Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel, erklärte das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium am Freitag.

Untersucht wurde eine geöffnete Packung aus der Mülltonne einer Familie in der Nähe von Bonn. Zwei der drei Familienmitglieder hätten Sprossen gegessen und seien Mitte Mai an EHEC erkrankt.

Damit sei erstmals eine ununterbrochene Kette zwischen infizierten Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen nachgewiesen, teilte das Ministerium mit.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, hatte zuvor in Berlin jüngste Ermittlungsergebnisse vorgestellt: «Es sind die Sprossen», sagte er.

Laut Burger war die Eingrenzung anhand ausführlicher Befragungen der Patienten und der Auswertung von Lieferdokumenten möglich. Voraussetzung dafür war die Verfügbarkeit einer ausreichenden Zahl von Restaurantkunden, um eine ausreichende statistische Belastbarkeit der Analyse zu gewährleisten. Dabei konnten bei 26 von 55 Erkrankungsherden die Spuren zum Betrieb in Bienenbüttel zurückverfolgt werden.

Freispruch für Gurken und Tomaten

Gurken, Tomaten und Blattsalate können nach Ansicht der Behörden somit wieder ohne Bedenken gegessen werden. Die entsprechende Empfehlung müsse nicht mehr aufrechterhalten werden, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel.

Nach Ausbruch der EHEC-Epidemie hatten die Behörden aufgrund von Befragungen von EHEC-Erkrankten zunächst diese Warnung ausgesprochen. Die Warnung vor rohen Sprossen bleibt dagegen bestehen.

«Wir sind ein Stück weit erleichtert», sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner. Gesundheitsminister Daniel Bahr betonte nach der Beschränkung auf Sprossen, für die Bürger sei jetzt klarer, wie sie sich schützen könnten. Ähnlich äusserte sich der Sprecher von EU-Verbraucherkommissar John Dalli in Brüssel.

Neuerkrankungen weiter rückgängig

EHEC-Entwarnung könne noch nicht gegeben werden, erklärte Bahr. Die Zahl der Neuerkrankungen sei aber deutlich rückläufig. Mehr als 700 Menschen leiden laut RKI unter der schweren Komplikation HUS; insgesamt haben sich mehr als 2000 Menschen mit EHEC infiziert.

Der Hof in Bienenbüttel im Kreis Uelzen, der seit vergangenem Sonntag im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist inzwischen komplett gesperrt und darf kein Gemüse mehr in den Handel liefern. Bisher galt das Verkaufsverbot nur für Sprossen.

Gemüse verschenkt

Die Entwarnung für Gurken und Co. platzte mitten in eine Aktion von Gemüsebauern und Händlern in Hamburg. Sie verschenkten in der Innenstadt tonnenweise Gemüse, um auf ihre drastischen Einbussen wegen der EHEC-Epidemie aufmerksam zu machen. Mitorganisator Jens Elvers berichtete anschliessend: «Das hat sich so doll verbreitet, dass die Leute uns das Gemüse dann tütenweise aus der Hand gerissen haben.»

Laut Bauernpräsident Gerd Sonnleitner belaufen sich die Verluste für Gemüsebauern bei den drei Produkten Gurken, Tomaten und Salat deutschlandweit auf rund 65 Millionen Euro. Auf europäischer Ebene seien es bis zu 600 Millionen Euro.

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gelöscht am 10.06.2011 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    gelöscht

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  • sepptony am 10.06.2011 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder eine Falschmeldung?

    Wie können die Sprossen sein, wenn es nicht nachgewiesen werden konnte? Wollen die uns für Dumm verkaufen, oder wollen die Zeit gewinnen bis wieder keine Epidemie gibt.

  • Eric Wyss am 10.06.2011 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Sprossen brauchen nur Wasser...

    Sprossen brauchen nur Wasser zum wachsen und keine Erde, darum glaube ich es auch nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vegi88 am 11.06.2011 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Von wo??

    Von wo das Bakterium herkommt wäre interessant zu erfahren!? Darmbakterien entwickeln sich nur schwer auf Gemüse.

  • Fleischesser am 11.06.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Fleisch ist gesund und absolut EHEC frei

    Das Vegetarier sehr ungesund leben ist einmal mehr bewiesen worden. Fleisch ist halt doch eines der gesündesten Nahrungsmittel. Die Vegetarier sind ausserdem Tierquäler, denn sie fressen unserem Essen das Futter weg. Und das am liebsten noch vom Biobauern, der alles schön mit Gülle und Mist düngt, wo die EHEC-Bakterien ein Schlaraffenland haben.

  • Laredo am 10.06.2011 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Quo vadis

    Ich habe die Vogelgrippe überlebt, die Schweinepest, den Rinderwahn, die Schweinegrippe, die Hühnerpest, die Colibakterien, den EHEC und sonst noch alle Keime, Viren, Würmer, etc.! In unseren BReitengraden sterben weitaus mehr Menschen an Krankheiten, Drogen, Suchtmittel, Verkehr, als an diesen medialen Schlagzeilen. Was will man aus uns machen? Sterile Menschen oder erst recht anfällige Kranke? Lebt gesund, das ist alles, aber mit Lust u Laune!

  • wie auch immer am 10.06.2011 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Keinem kann mans Recht machen

    Warnt man nicht, regen sich alle auf. Warnt man, ist es Panikmache und die allwissenden, aber bildungsfernen Verschwörungstheoretiker präsentieren die üblichen Verdächtigen (Pharmafirmen, CIA, Freimaurer oder wen auch immer). Ist ja auch sooo schön einfach.(neue Vorschläge?:Metzger,Gott,konkurrierende Gemüsearten, Aliens...) Bin mal gespannt, was abgeht, wenn der erste Fall in CH auftritt, bei der Menge Gülle, die die Bauern hier versprühen...über das Krisenmanagement kann man sicher streiten, nicht so toll.

  • Mannomann aus Winterthur am 10.06.2011 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Schuldiger muss her.

    Es ist ein Darmbakterium. Es ist somit tierischen oder menschlichen Ursprungs. Es ist antibiotikaresistent. Somit doch aus der "medikamentenfreien?" Tiermästerei. Ein verseuchter Gemüsebetrieb wurde nicht gefunden. Somit doch während des Transportes irgendwie eingeschleppt. Hat da jemand neben dem Transportweg Gülle ausgeführt? Egal. Es muss nun ein Schuldiger gefunden werden. Am besten ein Kleinbetrieb. Der ist dann ruiniert. Und die Spanier wollen nun sicher Schadenersatz aus unseren Steuergeldern. Hätten wir doch von Anfang an unser Gemüse immer gewaschen.

    • ein belächlender am 10.06.2011 18:15 Report Diesen Beitrag melden

      da die schweiz nicht in der EU ist

      ist es einfach nur dumm hier davon zu reden das die schweizer den spaniern in irgendeiner form schadenersatz zahlen würden. wie so oft dürfen das hauptsächlich die deutschen auslöffeln da deutschland ja die meisten gelder nach brüssel überweisst. und bio-gemüse wird immer mit gülle gedüngt - wem das nicht klar ist sollte mal weniger körner futtern sondern sich besser informieren. und sprossen sind bekannte keim-überträger. aber das jetzt soviel leute sterben hat mit nierenversagen zu tun (HUS).

    • over lord am 10.06.2011 19:59 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      so sehe ich das leider auch

    • hallo am 10.06.2011 20:46 Report Diesen Beitrag melden

      @mannomann

      Es ist nicht resistent auf Antibiotika. Das Bakterium Enthält ein Gift, dass den eigentlichen Schaden verursacht und wenn man es mit Antibiotika tötet, richtet man viel mehr Schaden an, als wenn das Gift sich im Innern des Bakteriums befindet. Wenn Spanien Schadenersatz verlangt, dann nicht von Schweizer Steuergeldern, sondern von Deutschen Behörden, die vor Spanischen Gurken gewarnt haben.

    • Ricardo Granda am 11.06.2011 01:48 Report Diesen Beitrag melden

      Gedankenlos

      Ich möchte wissen wie laut Sie schreien würden,wäre die Schweiz betroffen und nicht Spanien!Das ist wieder typisch!Was das Bakterium betrifft,lassen Sie bitte die Experten ihre Arbeit machen.Sie fangen an zu mutmassen,wie man es auch mit den spanischen Gurken gemacht hat.

    • uncharted lands am 11.06.2011 09:19 Report Diesen Beitrag melden

      Toxine, nicht Resistenz!

      Wer hat ihnen erzählt dass es antibiotikaresistent sei? Eine Behandlung mit Antibiotika ist ausgeschlossen, weil dies den Austoss der durch den EHEC-Keim erzeugten Toxine erhöht - nicht weil der Keim resistent ist. Im Endeffekt sind es nämlich die vom Keim produzierten Toxine, die die schlimmsten Folgen einer Erkrankung herbeiführen.

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