Erster Weltkrieg

01. August 2014 12:02; Akt: 01.08.2014 12:02 Print

Das Versagen der Politiker führte zum Krieg

Mit der deutschen Kriegserklärung an Russland begann vor 100 Jahren der Krieg in Europa. Keiner der Beteiligten tat genug, um ihn zu vermeiden.

Leichen liegen auf einem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers durch einen serbischen Nationalisten löste den Ersten Weltkrieg nicht unmittelbar aus. Frankreich führte 1894 keinen Krieg gegen Italien, obwohl ein italienischer Anarchist Präsident Carnot getötet hatte.

Doch die Regierung in Wien um Kaiser Franz Joseph und Aussenminister Berchtold war entschlossen, militärisch gegen Serbien vorzugehen, weil sie die Hintermänner des Attentats zu Recht in Belgrad vermutete.

Der Blankoscheck

Dafür musste man sich allerdings der Unterstützung des Deutschen Reiches versichern, das Serbiens Schutzmacht Russland in Schach halten sollte. Genau darum ersuchte der österreichische Botschafter in Berlin am 5. Juli Kaiser Wilhelm II. Nach kurzem Zögern erklärte der Monarch, Deutschland werde «in gewohnter Bundestreue» fest an der Seite Österreich-Ungarns stehen. Diese Zusage wurde später als «Blankoscheck» bezeichnet.

Am 23. Juli stellte Wien Belgrad ein Ultimatum, das unter anderem die Beteiligung österreichischer Beamter an den Ermittlungen zum Attentat von Sarajevo forderte. Nachdem die Serben dies wie erwartet abgelehnt hatten, erklärte Wien Serbien am 28. Juli den Krieg.

Frankreich ermutigt Russland

Nun hing alles von der Reaktion Russlands und seiner Verbündeten Frankreich und Grossbritannien ab. Am 20. Juli traf der französische Präsident Poincaré zu Gesprächen in St. Petersburg ein. Der nationalistische Politiker wartete auf eine Gelegenheit, die 1871 an Deutschland verlorenen Gebiete Elsass und Lothringen zurückzuerobern. Er ermunterte Zar Nikolaus II. und Aussenminister Sasonow, Serbien weiterhin zu unterstützen – Frankreich werde im Kriegsfall an Russlands Seite stehen.

Ab dem 24. Juli leitete Russland als erste Macht die Mobilisierung seiner Armee ein, was in Deutschland und Österreich natürlich nicht unbemerkt blieb. Berlin verlangte, die russischen Kriegsvorbereitungen müssten sofort gestoppt werden. Als dies nicht geschah, erklärte Deutschland am 1. August Russland, am 3. August Frankreich den Krieg.

Grossbritannien zögert

Noch immer war nicht klar, wie sich Grossbritannien verhalten würde. Aussenminister Grey war für eine Intervention, doch die meisten Minister des Kabinetts und grosse Teile der Öffentlichkeit wollten nicht für Serbien und Russland Krieg führen, die sie für barbarische Länder hielten. Die Stimmung schlug erst um, als der deutsche Angriff auf Frankreich im Rahmen des Schlieffen-Plans über Belgien erfolgte, dessen Neutralität die Briten 1839 garantiert hatten. Am 4. August erklärte London Deutschland den Krieg.

Lauter Bösewichte

Wer ist nun der Schurke in diesem Drama? Lange Zeit wurde Deutschland wegen des Blankoschecks und seines angeblich aggressiven Verhaltens in der Vorkriegszeit als solcher gesehen. Doch auch Russland gab Serbien und Frankreich Russland freie Hand, und Grossbritannien kann man zumindest vorwerfen, dass es die Lage zu lange unterschätzte und keine eindeutige Position bezog.

In neueren Deutungen (siehe Box) wird die Last der Verantwortung auf alle Schultern verteilt. Niemand wollte 1914 den Krieg, doch alle unterstellten ihren Kontrahenten finstere Absichten und waren überzeugt, dass es früher oder später sowieso zum Krieg kommen werde. In den Worten von Christopher Clark: «Sie können alle diese Staaten als Bösewichte sehen. Sie sind allesamt aggressiv, sie zeigen Stärke, weil sie sich schwach und angreifbar fühlen.»

Das Jahr 1914 auf «1914Tweets»:

(rm)