Gestatten ...

11. Mai 2012 15:56; Akt: 21.06.2012 15:48 Print

Mein Name ist Tapir

von Susanne Lüthi - Immer dem weichen Rüssel nach schnüffele ich durchs Unterholz – ganz alleine. Wohne ich im Zoo, muss ich mir allerhand Schlötterlig anhängen lassen. Das macht mich ganz verruckt.

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Hallo! Ich bin ein Tapir. Ganz egal, ob Bergtapir, Mittelamerikanischer Tapir, Flachlandtapir oder Schabrackentapir - so hübsch gestreift bin ich immer, wenn ich klein bin. Bin ich dann gross, sehe ich so aus. Haha, reingefallen! Das ist - neben dem Pferd - mein engster Verwandter und Mitunpaarhufer, das Nashorn. Vor rund 47 Millionen Jahren haben sich unsere Entwicklungslinien getrennt. Das bin ich in meinem zweitliebsten Element, dem Wasser. Stehe oder schwimme ich nicht darin herum, streife ich, immer dem weichen Greifrüssel nach, durch die Wälder. Früher hab es viele Unterarten von mir, heute nur noch vier. Die grösste davon bin ich, der Schabrackentapir. Dafür habe ich aber den kürzesten Rüssel. Lebe ich in Freiheit, finden Sie mich in Südostasien, meine drei Artgenossen in Süd- und Mittelamerika. Dass dieses Foto quasi gestellt ist, also im Zoo aufgenommen, ist einerseits unschwer am hingelegten Lunch zu erkennen. Und - für Insider - daran, dass wir hier zu zweit sind. Denn im richtigen, wilden Leben, sind wir, nach dem uns unsere Mutter vor die Tür gesetzt hat, Einzelgänger. Auf diesem Bild können Sie meine Schabracke erkennen. Reiter wissen es, es ist das weisse Teil um meine Taille. Vom lieben Tiergott haben wir aber nicht nur dieses schöne Mäntelchen übergeworfen bekommen, sondern schauen Sie mal unsere Ohrrändchen an! Très chic! Wenn Sie mich das nächste Mal im Zoo erblicken, wäre ich sehr dankbar, Sie würden mich nicht verwechseln mit Erdferkel, (Ameisen)bär, Gürteltier und gar simpel Schwein. Merci!

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Was bei freilebenden Tapiren bestimmt ein Vorteil ist, könnte bei Zoo-Tieren zu Frust bis Schizophrenie führen. Denn das Säugetier hat ein feines Gehör und bekommt dadurch mit, wie es von unkundigen und desinteressierten, ignoranten und oberflächlichen Zoobesuchern genannt wird. Das geht vom Schwein über das Gürteltier, vom gemeinen über den Ameisenbären bis hin gar zum Erdferkel.

Das hört der Tapir nicht gerne, denn schliesslich lebt er lang genug, als dass der Mensch wissen könnte, wen er vor sich hat. Bereits vor 47 Millionen Jahren trennte sich die Entwicklungslinie des Tapirs von der seines nächsten Verwandten. Und dies nicht etwa das ihm durchaus ähnlich sehende Schwein und auch nicht der Vogel, der wie er pfeift, sondern das Nashorn.

Tiergott, was für eine plakative Färbung?!

Seit ihrem Auseinanderleben ist genügend Zeit ins Land gegangen, um diverse Unterarten hervorzubringen. Von diesen leben heute leider nur noch vier: Der Bergtapir, der Mittelamerikanische Tapir und der Flachlandtapir, die in Mittel- und Südamerika beheimatet sind, sowie der nur in Südostasien lebende Schabrackentapir, der grösste von ihnen. Alle Arten gelten laut der IUCN, einer Organisation für Natur- und Artenschutz, als gefährdet. Wie das Pferd und das bereits erwähnte Rhinozeros gehört der Tapir zur Familie der Unpaarhufer.

Von den noch lebenden Sorten hat der Schabrackentapir eindeutig den allerschönsten und weit auffälligsten Mantel bekommen (siehe Bildstrecke oben). Während sein Kopf, die Schultern, Vorder- und Hinterbeine schwarz sind, wird sein gedrungener Rumpf von einem weissen, breiten Streifen umklammert, der an eine Schabracke, bekannt als Satteldecke aus dem Reitsport, erinnert. Man könnte dem lieben Tiergott nun vorwerfen, mit der plakativen Färbung dem Tapir einen Strich durch die Tarnrechnung gemacht zu haben. Doch früher, als die Welt noch schwarzweiss war, ist er offenbar damit durch- und dem Jäger davongekommen. Heute verhält sich das schlaue Tier tagsüber einfach ganz ruhig und verlegt seine Aktivitäten auf die Nächte, die es perfekt kaschieren.

Weicher Rüssel, weiche Nahrung

In dieser sicheren Dunkelheit durchschnüffeln freilebende Tapire die Wälder auf der Suche nach Nahrung. Lebt das Tier in einem Zoo, nimmt es dankbar alles Vegetarische aus Wärters Hand, am liebsten weiche Pflanzen. Diese passen zu seinem weichen Greifrüssel, der sich stummelig aus Oberlippe und Nase bildet. Ausgerechnet der grosse Schabrackentapir hat dabei den kleinsten erwischt. Immer lebt das Tier in Wassernähe, schwimmen kann es ausgezeichnet.

Was es hingegen nicht kann, ist durch sein elegantes Auftreten bestechen. Auf den Füssen, die hinten je drei und vorne je vier Zehen haben, stecken relativ kurze, dünne Beine. Auf diesen sitzt ein Körper, der vorne eher spitz zuläuft und hinten abgerundet ist. So hat der Tapir eine Figur wie ein quergelegter Wassertropfen, die ihm ein geschmeidiges Durchpfeilen von auch engstem Geäst erlaubt.

Der einsame Tod

Eingehüllt ist der Körper von einem dichten Fell und dicker Haut, damit auch nichts pieksen kann im Unterholz. Der Tapir ist kein Kuscheltier. Er lebt alleine, ausser wenn er sich paart. Dies tut er ab 2,5 bis vier Jahren zu jeder Jahreszeit. Die Tapir-Mama wirft meist nur ein Baby, das nach einer langen Tragzeit von über einem Jahr zur Welt kommt. Anfänglich sind die Kinder aller vier Arten braun, verziert mit helleren Streifen. Das hat die Natur sehr gut gemacht, denn im Licht- und Schattenspiel der Wälder ist der Nachwuchs quasi unsichtbar für Fressfeinde wie Puma, Jaguar, Bär, Krokodil und Anakonda.

Rund um seinen ersten Geburtstag sieht das Kleine dann aus wie seine alleinerziehende Mutter, die ihn just dann vor die Türe setzt. Nun beginnt sein Leben ganz allein. Das klingt traurig, ist aber besser für seine Gesundheit. Denn begegnet ein Tapir dem anderen, reagiert er äusserst aggressiv. Dem Eigenbrötlerdasein setzt schliesslich ein einsamer Tod nach 25 bis 30 Jahren ein Ende.

Quellen:
Tierporträt.ch
Tierdoku.de
Kindernetz.de
Wikipedia

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt Aegeri am 13.05.2012 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemachter Beitrag!

    Gut gemachter Beitrag über ein interessantes "Urviech" für Kinder! Na ja, m.E. etwas gar "lieblich", aber dennoch informativ und das ist mir das wichtigste.

  • E. Madridista am 14.05.2012 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtiges Merkmal vergessen

    Denn soweit mir bekannt ist, finden sich Tapirmännchen an der Spitzenposition wieder, wenn man das Geschlechtsteil in Relation mit der Körpergrösse setzt.

  • Andrea S. am 14.05.2012 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Härzig!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea S. am 14.05.2012 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Härzig!

  • E. Madridista am 14.05.2012 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtiges Merkmal vergessen

    Denn soweit mir bekannt ist, finden sich Tapirmännchen an der Spitzenposition wieder, wenn man das Geschlechtsteil in Relation mit der Körpergrösse setzt.

  • Klick am 13.05.2012 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Gut geschrieben

    Dieser Artikel ist wirklich gut geschrieben. Kompliment an die Verfasserin.

  • Kurt Aegeri am 13.05.2012 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemachter Beitrag!

    Gut gemachter Beitrag über ein interessantes "Urviech" für Kinder! Na ja, m.E. etwas gar "lieblich", aber dennoch informativ und das ist mir das wichtigste.

  • d. Felber am 13.05.2012 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Lieblingstier seit 47 Millionen Jahren

    Ein richtig schöner und informativer Beitrag, liebevoll geschrieben, Danke! Mehr davon! Ausserdem mag ich Tapiere schon seit 47 Millionen Jahren... sie sind einfach ....ja eben: Tapire!

    • d. Felber am 13.05.2012 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      Tapirfalle

      bin ich doch glatt in die TapIER- Falle getappt..;-) in ein paar Millionen Jahren wird mir das nicht mehr passieren...;-)

    • Ricardo Granda am 13.05.2012 18:06 Report Diesen Beitrag melden

      @ d. Felber

      Ich wollte schon schreiben: Du altes Ungeheuer! Aber nicht wegen "Tapiere", sondern wegen den 47 Mio. Jahren. :-)

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