Geistiges Handgepäck

16. März 2011 16:34; Akt: 29.03.2011 10:26 Print

Mutterfreuden einer Galápagos-Schildkröte

Nigrita ist 75 und lebt im Zürcher Zoo. In ganz Europa ist sie die einzige in Gefangenschaft gehaltene Schildkröte ihrer Art, die Babys bekommt. Wie viele waren es bisher?

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Nigrita mit einem ihrer Babys. Davon gibt es noch 59 mehr. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Nigrita ist mit ihren 75 Jahren das älteste Tier des Zürcher Zoos. Ausser ihr gibt es kein anderes Tier ihrer Art, das sich fortplanzt. Und das hat sie bereits 60-mal erfolgreich getan. In allen anderen Zoos sind Zuchtversuche mit Galápagos-Riesenschildkröten bisher gescheitert.

Auch jetzt, in ihrem Jubiläumsjahr, teilt sich Nigrita den Futternapf in ihrer Anlage mit zahlreichen Jungtieren - und natürlich mit Jumbo, dem über 200 Kilogramm schweren und gut 30 Jahre jüngeren Männchen.

Nigrita schlüpfte im Jahr 1936 und kam im Alter von zehn Jahren nach Zürich, wie Zoodirektor Alex Rübel am Mittwoch erklärte. Die ersten rund 30 Jahre verbrachte sie als Single in einer Einzelanlage. In den 80er-Jahren kam dann Jumbo als ihr Gefährte in den Zoo.

Reges Liebesleben hinterliess Spuren

In den Jahren 1989 und 1990 legte Nigrita zwar die ersten befruchteten Eier - doch die daraus geschlüpften Jungtiere starben nach etwa einem Jahr an Organversagen. Der Zoo Zürich erkannte daraufhin, dass das Geheimnis einer erfolgreichen Zucht darin liegt, die Jungtiere auf Diät zu setzen.

Fressen die kleinen Schildkröten zu viel, kann nämlich die Entwicklung von Knochen und Panzer nicht mithalten. Der Zoo reduzierte nach diesen Todesfällen das Futterangebot für die Jungtiere und ist damit seit 1992 erfolgreich. Mittlerweile schlüpften bereits 60 Jungtiere aus Nigritas Eiern.

Das rege Liebesleben hinterliess bei der Schildkrötendame jedoch auch seine Spuren: Vor etwa 15 Jahren war Nigritas Panzer von den vielen Liebesakten derart durchgescheuert, dass der Zoo ihr eine Metallplatte auf den Rücken montieren musste.

Etwa zehn Jahre lebte Nigrita mit dieser Platte, damit die aufgescheuerte Stelle darunter abheilen konnte. Seit etwa fünf Jahren lebt und liebt Nigrita nun wieder ohne Metallschutz auf dem Rücken. Die Verletzung ist aber nach wie vor gut sichtbar.


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(sda)