Zeitgeschichte

11. August 2011 11:33; Akt: 16.08.2011 10:27 Print

Vor 50 Jahren begann der Bau der Mauer

An einem Sonntag mitten im Sommer 1961 schlugen die DDR-Grenzer zu: Sie riegelten alle Übergänge nach West-Berlin ab und begannen mit dem Bau von Absperrungen.

Bildstrecke im Grossformat »
Böse Überraschung für die Einwohner von Berlin: Am 13. August 1961 um 00:00 Uhr werden die Übergänge nach West-Berlin gesperrt. Dann marschieren von Grenztruppen bewachte Bauarbeiter auf: Der Bau der Berliner Mauer beginnt. Oft wurde in den ersten Tagen allerdings nur ein Zaun errichtet. Mit dem Bau der Sperranlage reagierte das DDR-Regime auf den stetig steigenden Strom von Flüchtlingen nach West-Berlin. Ein älteres ostdeutsches Ehepaar wird von DDR-Grenzsoldaten am Grenzübertritt gehindert. Bauarbeiter sperren eine Strasse an der französischen Sektorengrenze mit Betonelementen ab. Grosse Teilstücke der Mauer bestanden zunächst aus provisorischen Absperrungen. Hier installieren ostdeutsche Soldaten Stacheldrahtverhaue. Auch am Potsdamer Platz, vor dem Krieg eines der Zentren der Hauptstadt, riegelten Sicherheitskräfte die Grenze mit Stacheldrahtbarrikaden ab. Bei Häusern direkt an der Sektorengrenze wurden vielfach zunächst nur die Hauseingänge und die Fenster der unteren Stockwerke zugemauert. So wurden auch lange nach Beginn des Mauerbaus noch zahlreiche Fluchtversuche unternommen, wie hier im September 1961 in der Bernauer Strasse. Arbeiter drücken Glasscherben auf die Mauerkrone. Auch die Bauarbeiter wurden streng überwacht, wie hier an der Sektorengrenze in Berlin-Neukölln. West-Berliner Kinder versuchen an der Liesenstrasse in Wedding einen Blick über die Mauer in den Osten zu werfen. West-Berliner Polizisten schauen in der Bernauer Strasse zu, wie ostdeutsche Arbeiter an der Mauer bauen. Schilder warnen die Fussgänger in der Wiener Strasse in Kreuzberg, dass sie den amerikanischen Sektor verlassen. West-Berliner schauen Mitte September an der Wilhelmstrasse zu, wie im Osten vorgefertigte Betonelemente abgeladen werden. Kontinuierlich wurde die Mauer ausgebaut und erhöht: DDR-Volkspolizisten in Arbeitskleidung entfernen im September an der Bernauer Strasse den Stacheldraht von der Mauerkrone, während ihre Kollegen die Mauer erhöhen. Ein Ostberliner Volkspolizist arbeitet im Oktober 1961 an der Erhöhung der Mauer auf fünf Meter. Ostdeutsche Volkspolizisten erhöhen die Mauer in der Bernauer Strasse. Im Vordergrund ein West-Berliner Polizist. 1964 arbeiten DDR-Soldaten an der Mauer beim Checkpoint Charlie in der Nähe der Friedrichstrasse. Soldaten brechen im Mai 1964 ein altes Stück Mauer in Berlin-Neukölln ab, um danach eine neue Mauer zu errichten. Volkspolizisten bewachen sie dabei. Es gab auch Attacken auf die Mauer: Am 26. Mai 1962 riss eine Explosion ein zwei Meter breites Loch in die Mauer in der Bernauer Strasse/Ecke Schwedter Strasse. Bauarbeiter bessern darauf die Schäden unter strenger Bewachung aus. Politisch verantwortet wurde der Mauerbau vom damaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht. Noch im Juni 1961 hatte er an einer Pressekonferenz erklärt, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten. Bild: Ulbricht 1971. Der eigentliche Organisator des Mauerbaus war aber Erich Honecker, der damals Sicherheitssekretär des ZK der Einheitspartei SED war. 1971 verdrängte er Ulbricht von der Macht und führte die DDR bis zu seinem erzwungenen Rücktritt im Oktober 1989. Bild: Honecker 1973 in Budapest. Die Mauer trennte Ost- und West-Berlin bis zum 9. November 1989. Ihre Öffnung beschleunigte und markierte den Untergang des SED-Regimes, der DDR und letztendlich des Ostblocks. Bild: DDR-Grenzsoldaten schauen am 11. November 1989 durch ein Loch, das Jugendliche in die Berliner Mauer gestemmt haben.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am 13. August 1961 um 00.00 Uhr sperren die Sicherheitskräfte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), die Grenze zwischen West- und Ost-Berlin und beginnen, provisorische Absperrungen zu errichten.

Fassungslos sehen die Bürger, wie der westliche Stadtteil bald darauf förmlich eingemauert wird: Die «Berliner Mauer» ist errichtet, die bis 1989 massgeblich das Stadtbild bestimmt und die heutige deutsche Hauptstadt in zwei Teile zerschneiden wird.

Die Berlin-Frage schwelte damals bereits seit Jahren zwischen der Sowjetunion und den Westmächten, die zu dieser Zeit einander gerade im Kalten Krieg gegenüberstehen. Eine Enklave der Westmächte mitten in einem Warschauer-Pakt-Staat ist Moskau schon lange ein Dorn im Auge.

Die Sowjetunion bemüht sich daher darum, West-Berlin zu einer entmilitarisierten «freien Stadt» umzuwandeln, deren Versorgung ganz von der DDR abhängig ist - doch die Westmächte weigern sich abzuziehen.

Massenabwanderung stoppen

Im Jahr 1961 drängt der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht den sowjetischen Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow allerdings wegen ganz konkreter Probleme zu baldigen Massnahmen: Die Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland ist auf Erfolgskurs - es ist die Zeit des «Wirtschaftswunders» -, die DDR kann da in keiner Weise mithalten.

Das hat immer stärkere Auswirkungen auf die Bevölkerungsströme: Allein 1960 verlassen 200 000 Menschen Ostdeutschland Richtung Westen - zumeist junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte; zwischen 1949 und 1961 sind es insgesamt gar 2,7 Millionen Menschen. Manche Historiker sprechen gar von einer Situation, in der der unmittelbare wirtschaftliche und gesellschaftliche «Zusammenbruch» Ostdeutschlands drohte.

So entschliesst sich die ostdeutsche Führung mit Erlaubnis Moskaus zu einem Befreiungsschlag: Am 12. August beschliesst der Ministerrat der DDR «zur Unterbindung der feindlichen Tätigkeit der revanchistischen und militaristischen Kräfte Westdeutschlands und Westberlins» die Einführung von Grenzsperren rund um Westberlin.

Den DDR-Bürgern ist es ab sofort nur mit einer «besonderen Bescheinigung» gestattet, den Westteil Berlins zu betreten. Ironischerweise hatte Ulbricht erst zwei Monate zuvor, in einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin, auf die Frage einer westdeutschen Journalistin hin noch betont: «Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.»

Obwohl die Mauer nach Darstellung der DDR-Propaganda als «antifaschistischer Schutzwall» dienen soll, stellt bereits ihre Konstruktion klar, dass sie in Wahrheit die eigene Bevölkerung am Verlassen des Landes hindern sollte. Hinter dem Begriff «Berliner Mauer» versteckte sich in Wahrheit eine komplexe Sicherheitsanlage, die im Laufe der Jahre zunehmend erweitert und ausgebaut wurde.

Der Fall der Mauer

Das Ende der Berliner Mauer kam dann genauso schnell wie ihre Errichtung: Ende 1989 beschloss die DDR-Führung unter dem Eindruck der Massenflucht ausreisewilliger Ostdeutscher über Ungarn und die westdeutsche Botschaft in Prag in den Westen sowie der zunehmenden regierungskritischen Grossdemonstrationen im Land eine Ausreisemöglichkeit für DDR-Bürger ohne besondere Formalitäten.

Als das Politbüromitglied Günter Schabowski die Regelung am 9. November 1989 in einer internationalen Pressekonferenz vorstellte, sagte der über eine eigentlich geplante Sperrfrist uninformierte Funktionär, diese trete «sofort, unverzüglich» in Kraft.

In der darauffolgenden Nacht begannen DDR-Bürger massenweise die Grenzübergänge nach West-Berlin zu belagern, was schliesslich zur Öffnung der Grenze durch die verunsicherten und von der geltenden Regelung noch nicht ausreichend informierten Grenztruppen führte. Die Bilder der auf der Mauer feiernden und jubelnden Menschen gingen um die Welt. Nur wenig später war die Berliner Mauer Geschichte.

(sda)