Seltene Krankheiten

10. September 2009 13:52; Akt: 10.09.2009 14:16 Print

Gefangen im eigenen Körper

Die Modelkarriere war für Rachel Todd zum Greifen nahe. Doch ihren grossen Traum musste die 18-Jährige begraben: Heute kann sie sich nicht mehr bewegen und ist rund um die Uhr auf fremde Hilfe angewiesen.

Fehler gesehen?

Früher plapperte sie einfach drauf los: Wenn Rachel Todd aus Essex in England heute mit ihren Eltern kommuniziert, benötigt sie viel Zeit: Nur langsam reiht sich Buchstabe um Buchstabe zu einem Wort. Es ist die einzige Möglichkeit für die 18-Jährige, sich ihrer Umwelt mitzuteilen. Rachel kann weder sprechen noch ihre Hände, Füsse oder ihren Kopf bewegen. Essen, das heisst für das komplett gelähmte Mädchen mit einer Sonde im Magen mit Nahrung versorgt zu werden, denn schlucken kann sie nicht.

Plötzlich war ihr bisheriges Leben vorbei

Noch bis Ende letzten Jahres arbeitete der hübsche Teenager für seinen Lebenstraum: Rachel wollte Model werden, posierte bereits für Fotografen in London. Doch dieser Traum war an einem Tag im Dezember ganz plötzlich ausgeträumt: Das Mädchen bekam starke Schmerzen im Unterkiefer, es folgten Sehstörungen - dann brach Rachel zusammen.

Als sie aus ihrer Bewusstlosigkeit erwachte, begann ein neuer, trauriger Abschnitt in ihrem jungen Leben. Mit dem Öffnen der Augen waren ihre Bewegungsmöglichkeiten bereits voll ausgeschöpft. Ein Schock für das ambitionierte Mädchen, seine Familie und Freunde: «Rachel kann sich überhaupt nicht bewegen, nicht sprechen», erzählte ihr Vater Gordon Todd einem Interview mit der britischen Zeitung «The Sun».

Die schockierende Diagnose

Traurige Gewissheit brachte ein Scan des Schädels. Die Ärzte des Royal London Hospitals in Whitechapel entdeckten den Grund für Rachels plötzliche Lähmung: Es ist das Locked-In-Syndrom, ein Leiden, das einer Schädigung des Hirnstamms zugrunde liegt - möglicherweise ausgelöst durch eine Art Schlaganfall.

Als Gefangene ihres eigenen Körpers ist Rachels Geist hellwach, ihre kognitiven Fähigkeiten und ihr Gedächtnis sind nicht beeinträchtigt. Obwohl vom Locked-In-Syndrom Betroffene kein hohes Lebensalter zu erwarten haben, gibt Gordon Todd die Hoffnung nicht auf. «Menschen mit Locked-In-Syndrom sind besonders anfällig für Infektionen - die meisten leben nicht lange. Trotzdem bete ich dafür, dass es ihr bald ein bisschen besser geht - wir geben die Hoffnung nicht auf.»

(rre)