Medizinchecks im Sport

29. August 2012 09:26; Akt: 29.08.2012 10:04 Print

«Bei Fussballern ist das Infarkt-Risiko grösser»

von Jessica Pfister - Sportkardiologe Matthias Wilhelm registriert und erforscht plötzliche Todesfälle von Sportlern. Er begrüsst es, dass Swiss Olympic Gesundheits-Checks für Jungtalente ins Auge fasst.

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Sie haben 2011 zusammen mit einer Arbeitsgruppe ein Register für Todesfälle von Sportlern ins Leben gerufen. Weshalb?
Matthias Wilhelm: Das Risiko plötzlicher Todesfälle ist für Sportler im Allgemeinen eher niedrig. Allerdings gibt es Athleten mit angeborenen oder erworbenen Herzerkrankungen. Beim Leistungssport können diese Personen Herzrhythmusstörungen entwickeln und plötzlich versterben. Mit unserem nationalen Register wollen wir diese Fälle in der Schweiz dokumentieren und deren Ursachen erfassen. Ziel ist, dadurch geeignete Untersuchungen und Präventionsmassnahmen zu entwickeln, um einen Teil der Todesfälle zu verhindern. Ausserdem können wir so die Angehörigen besser informieren und schützen.

Inwiefern können Sie Angehörige schützen?
Herzerkrankungen können vererbbar sein. Wenn bisher ein Athlet plötzlich verstorben ist, gab es keine etablierten Kommunikationswege zwischen der Rechtsmedizin und anderen Ärzten. So ist die Weitergabe der Information an die Familie erschwert. Ich erinnere mich an den Fall eines Langstreckenläufers. Dieser verstarb bei einem Lauf an Herzversagen. Seine Schwester war als Langläuferin ebenfalls im Leistungssport tätig - wurde aber nicht über die Notwendigkeit einer Herzuntersuchung informiert. Dank unserer Arbeitsgruppe sollte das in Zukunft besser werden.

Wie oft kommt es denn in der Schweiz zum plötzlichen Tod von Sportlern?
Unser Register existiert erst seit 2011, wir haben aber retrospektiv die Fälle seit 1999 ausgewertet. In den letzten elf Jahren haben wir in der Deutschschweiz 43 Todesfälle von Athleten erfasst. Die absolute Zahl wird aber höher sein, weil sicherlich nicht alle betroffenen Personen in den Instituten für Rechtsmedizin obduziert wurden. Der Anteil an Kaderathleten war mit drei Fällen gering.

Dennoch will Swiss Olympic als Dachverband der Schweizerischen Sportverbände prüfen, ob künftig nicht nur Spitzenathleten, sondern auch Jungtalente einmal pro Jahr medizinisch untersucht werden. Ist das denn überhaupt nötig?
Absolut. Junge Athleten sind Aushängeschilder der Gesellschaft und man sollte alles tun, um sie zu schützen. Mit einem ausgeweiteten Screening setzt die Schweiz ein Zeichen, dass ihr die Gesundheit von Athleten von Anfang an am Herzen liegt. Wichtig ist jedoch, dass die ärztlichen Untersuchungen risikobasiert sind.

Was heisst das?
Erfahrungen aus unserem Register und internationale Daten zeigen, dass bei Sportlerinnen das Risiko, an einem plötzlichen Herztod zu sterben, sehr niedrig ist. Andererseits haben beispielsweise Fussballer und Basketballer, und hier insbesondere schwarze Athleten, ein wesentlich höheres Risiko, beim Sport plötzlich zu versterben. Auch im Hinblick auf knappe Ressourcen erscheint ein Screening unter Berücksichtigung von Geschlecht, Sportart und Ethnizität sinnvoll. Grundsätzlich kann man sagen, dass Hochrisiko-Athleten öfter, Niedrigrisiko-Athleten seltener untersucht werden sollen.

Wer sollte die Untersuchung durchführen?
Die Swiss Medical Center der Swiss Olympic sind von logistischer Seite sicher der richtige Ort für die Kontrollen. Wichtig ist, dass Sportmediziner mit entsprechender Weiterbildung diese Checks durchführen. Denn Herztests wie ein EKG können schnell einmal falsch beurteilt werden, was nicht nur zu unnützen Folgekosten führen kann. Die Auswirkungen einer Disqualifikation für den Athleten oder die rechtlichen Konsequenzen für den beurteilenden Arzt müssen bedacht werden. Die Sportkardiologie kann hier bei unklaren Fällen beratend tätig sein.

Würden die Ärzte haften, wenn Sie einem Athleten nach der Untersuchung das O.k. geben und dieser danach verstirbt?
Das ist eine schwere Frage und hängt sicherlich von den genauen Umständen ab. In Italien sind beispielsweise medizinische Checks für alle Athleten, die an Wettkämpfen teilnehmen, gesetzlich vorgeschrieben. Sagt dort ein Arzt einem Fussballspieler, dass er wegen einer diagnostizierten Herzerkrankung nicht spielen darf, ist das für die Verbände bindend. Ärzte müssen auch die rechtlichen Konsequenzen tragen, wenn sie jemanden spielen lassen und es zu einem plötzlichen Todesfall kommt.

Wie hat sich die italienische Praxis auf die Zahl der Todesfälle ausgewirkt?
Nach Einführung des Screeningsystems reduzierte sich in Italien die jährliche Rate des plötzlichen Herztodes beim Sport von 3,6 auf 0,4 Todesfälle pro 100 000 Personen pro Jahr. Allerdings gibt es auch Daten aus Israel, wo ein ähnliches Screeningprogramm nicht zu einer Reduktion sportassoziierter Todesfälle geführt hat.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kriti am 30.08.2012 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    herztot

    könnte da nicht doping im spiel sein??

  • Noname am 30.08.2012 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh mir bricht das herz

    Er tut mir ja so leid der 16- jährige basketballspieler. Nach einem siegesgoal freute er sich und dann kurze Zeit später tot. Oh der war doch noch so jung.

  • Für was am 29.08.2012 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlose

    Sinnlose Geldverschwendung! Wer will dies Bezahlen? Die Ärzte haben wohl zu wenig arbeit oder ist ihr Einkommen am schrumpfen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Noname am 30.08.2012 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh mir bricht das herz

    Er tut mir ja so leid der 16- jährige basketballspieler. Nach einem siegesgoal freute er sich und dann kurze Zeit später tot. Oh der war doch noch so jung.

  • kriti am 30.08.2012 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    herztot

    könnte da nicht doping im spiel sein??

  • ver nünftig am 29.08.2012 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    sinnlos?

    Wenn nur ein Leben gerettet werden kann, war es nicht sinnlos!! Ich selbst habe probleme mit dem Herzen und bin auf dem Fussballplatz bewusstlos zusammengebrochen! Hatte jedoch glück und lebe jetzt mit einem Defi! Fragen Sie mal die Familien dessen angehörige beim Sport tot umgefallen sind, ob es sinnlos ist!!

    • Patrick Schwarzer am 29.08.2012 13:29 Report Diesen Beitrag melden

      Leben retten?

      Leben kann nicht gerettet werden, sondern nur verlängert!

    • ver nünftig am 29.08.2012 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      ach so

      In der Umgangssprache sagt man, sie haben mir das Leben gerettet und nicht verlängert! Aber um das geht es doch eigentlich gar nich!

    • egal am 30.08.2012 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Aber!!

      Umgangs sprache ist nicht immer richtig. Er hat recht gefählt mir

    • S. Lutz am 31.08.2012 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Aber!!!

      Umganssprache ist die normale Sprache welche normale Menschen, mit normalen Menschen sprechen. Solche spitzfindigen pseudo Deutschprofessoren brauchen wir wirklich nicht. Und wenn man sojemandem noch recht geben muss, sollte man auf die Rechtschreibung achten.

    einklappen einklappen
  • Andy F. am 29.08.2012 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Solange

    Solange die Sportler das selber bezahlen, ist mir das egal. Oder ist das Leben eines Sportler wichtiger als das Leben eines Normalbürgers?

    • Hoi Du am 30.08.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      HAst keine Ahnung vom Leben

      es geht nicht immer ums Geld... Was bist den du für einer??? Spitzensportler haben auch Spitzenärzte und das ganze bezahlst du mit deinem Besuch beim Spiel od Fan Artikel...

    einklappen einklappen
  • Geteilte Meinung am 29.08.2012 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    nein!

    Wenn daraus ein Verbot zum Spielen besteht, dann wäre ich ganz klar dagegen. Menschen haben Träume und jeder darf und muss für sich selber bestimmem ob er so ein Risiko eingewill will um seine Träume zu verwirklichen!