Strippende Therapeutin

07. März 2011 11:36; Akt: 07.03.2011 11:58 Print

«Heilen» mit nackten Tatsachen?

Um ihren Klienten den Seelenstrip zu erleichtern, lässt eine New Yorker Therapeutin selbst die Hosen herunter – und dabei bleibt es nicht.

Mit nackten Tatsachen zur Problemlösung: zumindest die Therapeutin selbst zeigt sich von ihren Behandlungsmethoden überzeugt. (Quelle: youtube.com/New York Daily News)
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Nicht jedem fällt es leicht, sich gegenüber einem wildfremden Menschen zu öffnen. Das ist auch während einer Therapiestunde beim Psychologen nicht anders. Umso einfacher ist es, wenn sich der Therapeut selbst frei macht. Davon ist jedenfalls Sarah White überzeugt. Die 24-Jährige entledigt sich während der etwas anderen Behandlung ihrer gesamten Kleidung. Das tut die ehemalige Psychologie-Studentin ohne Abschluss fast beiläufig, während sie mit ihrem Klienten Lösungen für dessen seelische Not erörtert.

Dass die selbsternannte Therapeutin mehrheitlich von Männern gebucht wird, verwundert nicht. «Für Männer, die eher seltener einen Psychologen aufsuchen als Frauen, ist diese Form der Therapie verlockender, aufregender», erzählt White im Gespräch mit den «New York Daily News».

140 Franken für ein befreiendes Gespräch

Verlockend ist die unkonventionelle Lebensberatung nicht nur für den Hilfesuchenden: Für eine Stunde Gespräch verlang die nicht-lizensierte Seelenklempnerin, die ihre Therapie – zumindest zu Beginn – via Video-Chat durchführt, umgerechnet rund 140 Schweizer Franken.
Kennt man sich schon ein wenig besser, sind auch persönliche Gespräche in ihrer Praxis möglich.

Zu ihren rund 30 Klienten zählt Sarah White Interessenten jeglicher Couleur, darunter College-Studenten auf der Suche nach sexueller Identität, Männer mittleren Alters mit Beziehungsproblemen oder Frauen, die das Gespräch mit einem nackten Gegenüber als befreiend empfinden. Um ihre Therapie zu rechtfertigen, bedient sie sich eines Vergleichs mit dem grossen Begründer der Psychoanalyse: «Freud nutzte die Methode der freien Assoziation – ich nutze die Nacktheit.»

Ihre professionellen Berufsgenossen zeigen sich von Whites Methoden wenig begeistert: «Sie bedient sich zwar des Begriffs 'Therapie'. Ich würde das aber sicher nicht als Therapie bezeichnen», sagt Diana Kirschner, Expertin für klinische Psychologie aus New York und findet deutliche Worte für die Geschäftsidee der 24-Jährigen: «Das ist wohl eher eine Art interaktiver Soft-Core-Porno.»

(rre)