Mikrodosiertes LSD

02. Dezember 2016 18:21; Akt: 02.12.2016 18:21 Print

«Ich glaube nicht, dass das etwas bringt»

Nicht nur in den USA, auch hierzulande nehmen Leute Mikrodosen LSD, um besser arbeiten zu können. Ein Schweizer LSD-Forscher ist mehr als skeptisch.

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LSD wurde vom Chemiker Albert Hofmann geschaffen. Der 1906 in Baden AG geborene Hofmann war von 1929 bis 1971 in pharmazeutischen Labors der damaligen Sandoz in Basel tätig. Er untersuchte Wirkstoffe von Arzneipflanzen, woraus dann Medikamente hervorgegangen sind. Hofmann hatte den Wirkstoff Lysergsäurediäthylamid (LSD) im Jahr 1938 bei medizinischen Forschungen im Dienste des damaligen Chemiekonzerns Sandoz entdeckt. Die halluzinogene Wirkung der Droge erfuhr Hofmann (1906-2008) zufälligerweise fünf Jahre später am eigenen Leib. Beim Hantieren im Labor fiel ein Tropfen auf seine Hand. Die Aufnahme durch die Haut reichte, um unerwartete Empfindungen auszulösen: Angst, Schwindel, Visionen, Glücksgefühle. (Im Bild: Hofmann im April 1993) Dass die Entdeckung später von Millionen Menschen glorifiziert würde, konnte er nicht ahnen. Die Hippies machten LSD zum Politikum: Anfangs der 60er-Jahre gab es in San Francisco die legendären «Acid Test»-Abende. Der US-Psychologe Timothy Leary, eine Art Guru der Hippie-Bewegung, machte in den 1960er-Jahren LSD zur In-Droge. 1966 wurde die Droge in den USA verboten und weltweit geächtet. Doch vor einigen Jahren hat sich diese Wahrnehmung geändert. Mittlerweile wird LSD sogar zu therapeutischen Zwecken, beispielsweise bei schweren Angststörungen, verabreicht - auch in der Schweiz. Und auch die Soft- und Hardware-Entwickler im Silicon Valley stehen der Droge recht positiv gegenüber. So setzen viele bei ihrer Arbeit auf LSD. Allerdings werfen sie das Derivat in Mikrodosen von 10 statt 100 Mikrogramm ein. Genauso wie neuerdings auch Menschen in der Schweiz. Dies jedoch nicht um high, sondern um kreativer zu werden. Matthias Liechti, Leitender Arzt am Universitätsspital Basel und LSD-Forscher bezweifelt allerdings, dass das wirklich etwas bringt.

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Den Anfang machten 2015 die Soft- und Hardware-Entwickler in den USA. Ein Jahr später greifen auch in der Schweiz Menschen zu mikrodosiertem LSD (Lysergsäurediethylamid). Dies nicht um high, sondern um kreativer zu werden.

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Dass dieser Plan aufgeht, bezweifelt Matthias Liechti, leitender Arzt am Universitätsspital Basel. Gemeinsam mit seinem Team erforscht der Klinische Pharmakologe die Wirkung von LSD auf gesunde Menschen.

Herr Liechti, können Sie nachvollziehen, dass Menschen zu Minidosen LSD greifen, um fitter für die Arbeit zu sein?
Nein, das kann ich nicht. In unseren Studien untersuchen wir die Wirkungen von 100 oder 200 Mikrogramm LSD auf den Menschen. Das sind Dosierungen, die einen Trip auslösen können und therapeutisch eingesetzt werden. Bei den Mikrodosen wird – je nachdem – nur ein Zehntel beziehungsweise ein Zwanzigstel davon konsumiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass damit eine Steigerung der Leistung und Kreativität bewirkt wird.

Gibt es keine Studien zu solchen Minidosen?
Zu der Mikrodosierung gibt es nur sehr wenige Studien. Letztlich kann ich nicht sagen, ob die reduzierten Dosen wirken oder nicht und was die genaue Wirkung wäre.

Was erhoffen sich die Konsumenten vom Konsum?
Dabei geht es ums Neuro-Enhancement: Gesunde Leute nehmen eine Substanz ein, um zu profitieren. In der Regel, um besser arbeiten zu können. Normalerweise zielt es darauf ab, die Leistung und die Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Deshalb greifen manche Menschen auch zu Ritalin. Andere genehmigen sich abends Alkohol – um besser abschalten zu können und sich in einen sozialen Modus zu bringen. Auch das kann karrierefördernd sein, wie schon der Ausdruck «Karrierebier» zeigt.

Mit dem Konsum von LSD kommt nun ein weiteres Element dazu: Dabei geht es weniger um Leistungssteigerung oder Entspannung. Vielmehr dürften die Konsumenten das als Möglichkeit sehen, kreativer zu werden.

Was denken Sie, bekommen die Konsumenten wirklich?
Möglicherweise kann man damit ganz leichte Effekte auf die Psyche auslösen. Vor allem bei Leuten, die sehr empfänglich dafür sind. Bei ihnen könnten Denkfluss und -geschwindigkeit angeregt werden. Auch die Emotionen dürften sich verändern.

Wie das?
Aus unseren Studien wissen wir, dass LSD – in 100 Mikrogramm Dosen – eine Veränderung der Gefühle bewirkt: Man nimmt negative Gefühle weniger negativ wahr. Allerdings hängt das auch immer vom Umfeld ab: Ein angenehmes Umfeld wird möglicherweise angenehmer. Ein aggressives Umfeld könnte aber als bedrohlicher wahrgenommen werden.

Der Schuss könnte also auch nach hinten losgehen?
Grundsätzlich schon. Allerdings ist bei den Mikrodosierungen nicht davon auszugehen, weil nur eine sehr kleine Menge konsumiert wird.

Welche Risiken birgt die Einnahme von geringen Dosen LSD?
LSD bewirkt keinerlei körperliche Schäden. Man müsste eher sagen: Man könnte nicht arbeiten gehen, wenn man 100 oder 200 Mikrogramm zu sich nehmen würde. Das wäre ein voller Trip. Aber bei einer Dosis von 10 Mikrogramm LSD dürfte das ausbleiben.

Man weiss: In den USA haben etwa 15 Prozent der Bevölkerung Erfahrung mit halluzinogenen Drogen. Und die sind in keiner Weise kränker als andere – weder körperlich noch psychisch. Im Gegenteil: Die Hospitalisierungsrate in Psychiatrien ist bei diesen Leuten sogar geringer. Es gibt keine wissenschaftlich soliden Daten, die eine schädigende Wirkung des LSD zeigen. Es ist einfach im Rahmen der Bekämpfung der Hippie-Bewegung verteufelt worden.

Wie sieht es mit psychischen Problemen aus?
Psychologisch ist das natürlich gefährlich: Man kann andere und sich selbst gefährden. Man kann auch eine akute Geisteskrankheit bekommen, die am Ende des Trips aber wieder verschwindet. So ist es zumindest bei normal dosiertem LSD. Unklar ist aber, was passiert, wenn man seine Psyche ständig leicht verändert.

Wer sollte auf jeden Fall die Finger von mikrodosiertem LSD lassen?
Personen, die ein Schizophrenie-Risiko haben, sollten von halluzinogenen Substanzen Abstand halten. Das sind etwa 1 Prozent der Schweizer Bevölkerung und damit recht viele.

Können Sie sich vorstellen, dass sich das hier durchsetzt?
Nein. Was ich mir sehr gut vorstellen kann, ist, dass Leute vor einer Prüfung nicht nur Wachmacher wie Kaffee einnehmen, sondern auch Amphetamin oder Ritalin. Das praktizieren derzeit weniger als ein Prozent der Studenten in der Schweiz. Halluzinogene hingegen sind eher Sache von Künstlern oder Kreativen – wenn überhaupt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der eine rein kognitive Leistung erbringen muss, dazu greift.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lieselotte Meier am 02.12.2016 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwissen überall

    Letztlich kann ich nicht sagen, wie Mikrodosen wirken und ob überhaupt eine Wirkung spürbar ist. Dann sagen Sie doch einfach nichts, wenn Sie es nicht wissen. ;)

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  • Sven am 02.12.2016 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte korrekte Berichte

    Wenn Ihr schon über Albert Hoffmann berichtet dann bitte korrekt... völlig übertrieben diese Angstmacherei und ausschließlich politisch motiviert!!! Schade, aber leider nichts neues

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  • Sushi am 02.12.2016 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Man müsste es mal ausprobieren können

    sonst kann man nicht beurteilen, ob es was bringt. Aber Vater Staat möchte das nicht. In dieser Beziehung ist er gar nicht liberal. Beim Waffenhandel und Wirtschaftsbetrug schon, da lässt er relativ viel durchgehen ;

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.Rissi am 07.12.2016 01:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten

    Von mir aus kann jeder Erwachsene mit seinem Leben machen was Er will. Was mich stört ist das Krankenkassen die Kosten der behandlungen bezahlen und dass soziale einrichtungen den Lebensunterhalt übernehmen wenn alles nicht mehr hilft.

  • Albert hoffman am 04.12.2016 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsum oder nicht muss jeder selber wisse

    als erfahre er Konsumenten kann ich sagen das meine bisherigen Trips immer ein rt Ferien wahren. Ich habe mich inert 12 h mehr erholt als sonst in einer ganzen Woche Ferien. Allerdings soltet man eine gewisse Verantwortung damit an den Tag legen. bei mir wahren zwischen den Trips jeweils immer 6 Monate Pause und ich konsumierte nur in geschütztem Umfeld und mit Tripsiter. wodurch ich erst mein burnout korrigieren konnte und Dan meine Angst vor anderen menschen. es half mir auch gelassener zu werden und üble Sachen zu durchstehen. Allerdings konsumiere ich diese psichoaktive Substanz(ich schreibe bewußt nicht Droge da nach einem Trip der Wunsch nach einer neuen Dosis eher klein ist und man meist keine enzugserscheinungen hat) nun nicht mehr da ich mich auch mitels Meditation und hipnose in diesen Zustand bringen kann(dies setzt aber voraus schon einmal diese Substanz konsumiert zu haben). lsd selbst hat nämlich keine Wirkung auf den Körper, es setzt lediglich eine Kettenreaktion in Kraft welche eben auch nur durch das wissen lsd konsumiert zu haben eintreten kann. so gesehen hätte eine Dosis gereicht und ich häte die Kettenreaktion in Gang gebracht.

  • Linda Flare am 03.12.2016 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bei mir funktionierts..

    Ich denke dass ist für jeden Mensch unterschiedlich. Ich zum Beispiel habe Krebs und muss gegen die starken Schmerzen täglich Morfium nehmen. Mittlerweile nehme ich es aber auch um meine Leistung zu steigern wenn ich lang und fokussiert arbeiten muss. MDMA hilft mir auch mich besser zu konzentrieren es ist halt wirklich von mensch zu mensch unterschiedlich und mann mus die richtige dosierung finden und die muess wirklich passen

  • misfrite am 03.12.2016 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    ich habe in den 80ern

    unmassen von lsd gespickt, leider war nur das erste flash, bei mir, schwarzer micro, richtig geil abgehoben, weg von allem,gewesen. alles darauf kommende war einfach nur noch geil,aber das gewisse etwas... und mit der zeit, steuert man die flashs und sie werden immer schwächer, also schiebt man 2-5 an einem abend und das die ganze woche hindurch, mit der zeit ist man abgestumpft und hört auf freiwillig auf,da das 'drab kommen' doch sehr heftig depressiv ausfällt unf für den körper doch eine massive belastung ist, pro trip 10-20 std 'fit' zu sein!

  • Kuni Mathovski am 03.12.2016 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ja oder Nein?

    Glauben hat mit Wissen nix zu tun.

    • Al Bundy am 04.12.2016 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      Doch irgendwie schon!

      Wer nichts weiss, muss alles Glauben!

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