Blutstammzellen

01. Dezember 2011 12:46; Akt: 01.12.2011 12:49 Print

«Jeder Dritte findet keinen Spender»

von Runa Reinecke - Grazia Nicoloso, ärztliche Leiterin der Stiftung Blut-Stammzellen, erklärt, wie man mit einer simplen Blutspende ein Menschenleben retten kann.

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In der Schweiz werden jedes Jahr für etwa 200 Patienten Blut-Stammzellen-Spender gesucht. (Bild: Colourbox)

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Die Diagnose Krebs kann jeden treffen. Bei einigen Krebsarten ist eine Blutstammzellen-Transplantation die einzige Chance auf Heilung. Im Gespräch mit 20 Minuten Online erklärt die Ärztin Grazia Nicoloso von der Stiftung Blut-Stammzellen (SBSC), wie man sich als potentieller Spender registrieren kann und wie eine Blutstammzellen-Spende abläuft.

Frau Nicoloso, bei welchen Krebsarten ist eine Blutstammzellen-Spende möglich, wann bedarf es einer Knochenmark-Spende?
Grazia Nicoloso: Bei beiden Verfahren geht es um Blutstammzellen. Diese können im Rahmen einer Apheresespende, bei der das Blut zu einem Zellseparator geführt wird, wo die Blutstammzellen vom übrigen Blut getrennt werden, oder bei einer Knochenmarkspende entnommen werden. Welches der beiden Verfahren dann tatsächlich zum Einsatz kommt, hängt von der Krankheit des Betroffenen ab.

Um welche Erkrankungen handelt es sich im Speziellen?
Für eine Leukämie kommt eher eine periphere Blutspende infrage, bei Immunkrankheiten wird meistens eine Knochenmarkspende benötigt. Aber auch hier gibt es Ausnahmen.

Für wie viele Patienten finden Sie einen passenden Spender?
Jedes Jahr suchen wir in der Schweiz für etwa 200 Patienten Blutstammzellen-Spenden. Für rund 50 bis 60 Prozent dieser Patienten finden wir einen passenden Spender. Seit Anfang Jahr wurden rund 100 Schweizer Patienten mit Blutstammzellen von nicht-verwandten Spendern transplantiert.

Warum ist es so schwierig, einen passenden Spender zu finden?
Ob Spender und Empfänger zusammenpassen, ist abhängig vom HLA. Beim HLA handelt es sich um Zell-Antigene, Merkmale also, mit deren Hilfe das Immunsystem eigene von fremden Zellen unterscheidet. Um eine Abstossungsreaktion beim Empfänger zu vermeiden, müssen viele Merkmale übereinstimmen.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass sich möglichst viele Menschen registrieren lassen ...
Absolut, nicht zuletzt, weil es Menschen gibt, die über sehr seltene HLA-Merkmale verfügen.
Zurzeit sind weltweit 18 Millionen Profile registriert. Je mehr potentielle Spender in unserer Datenbank verfügbar sind, desto wahrscheinlicher ist es, auch für Patienten mit seltenem HLA-Profil einen passenden Spender zu finden.

Wie läuft die Registrierung bei der Stiftung Blut-Stammzellen ab?
Zuerst fragen wir den Spender, ob es Auschlusskritierein gibt. Dabei füllt der Interessierte einen Online-Fragebogen auf der Website sbsc.ch aus. Hier wird abgeklärt, ob man aufgrund des Gesundheitszustands überhaupt als potentieller Spender infrage kommt.

Wie geht es weiter?
Bei hoher Übereinstimmung erfolgt ein kompletter Medical-Check-up, um sicherzugehen, dass der Spender gesund ist. Dazu gehören ein Bluttest, eine Röntgenuntersuchung, EKG etc.

Hier geht es zum Artikel über die verzweifelte Suche einer Krebspatientin nach einem passenden Blutstammzellen-Spender.

Wie kann ich Blut-Stammzellen spenden?

Wenn Sie Patienten wie Laurence Klenk helfen wollen, können Sie sich als Spender bei der Stiftung Blut-Stammzellen Schweiz registrieren lassen. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie hier.


(Video: Blutspende SRK Schweiz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • stefan eich am 01.12.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    komplizierter gehts nicht mehr...

    ich wollte im spital liestal spenden. ging auch zwei mal vorbei. die taten aber sowas von kompliziert und die bürokratie war da eine spur stärker so dass ich den ablöscher kriegte ich lieber wieder nach hause ging. am abend kriegte ich dann ein telefon wegen meiner seltenen blutgruppe aber nach dem hin und her im spital liestal verzichte ich lieber auf die blutspende.

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  • G.ulli am 03.12.2011 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spende

    Ich würde gerne spenden! Sehr gerne aber leider ist mein körpergewicht unter 50kg !!!

  • derHELD am 01.12.2011 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schwule? - Nein, danke!

    Auch ich würde mich gerne registrieren lassen und einen kleinen Beitrag dazu leisten Leben, wie das von Frau Klenk, zu retten, jedoch ist dies weiterhin uns Homosexuellen untersagt. Klar ist mir bewusst, dass Schwule, was Infektionskrankheiten angeht, zu einer gewissen "Risikogruppe" gehören, wer aber die richtigen Vorkehrungsmassnahmen trifft, sollte nicht davon abgehalten werden, Menschen zu helfen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonym am 04.12.2011 00:49 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte registriert Euch!!!!!!!!!

    Ich danke allen Menschen die sich registrieren zum Stammzellen spenden, Ihr habt ein gutes Herz!!! Vielen Dank das Ihr ein Leben retten möchtet!!! Leider ist unser Kind schwer Krank und es wird nach einem passenden Spender gesucht. Es kann jeden treffen, wir hatten nie gedacht, dass wir in eine solche Situation kommen.

  • Angela am 03.12.2011 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anmeldung zur hilfe

    Wie kann man sich anmelden um Laurence zu helfen? Ich möchte es versuchen!

  • G.ulli am 03.12.2011 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spende

    Ich würde gerne spenden! Sehr gerne aber leider ist mein körpergewicht unter 50kg !!!

  • tinytooooon am 02.12.2011 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ausschlusskriterien...

    Alle, die spenden können, sollen dies das bitte tun! Ich würde sofort spenden, aber leider bin ich mit einem Gewicht von 46kg nicht zugelassen. Dies hat mich schon fast wahnsinnig gemacht, als ein ehemaliger Schüler von mir an Leukämie erkrankt war und auf einen Spender wartete... machen 4 kg denn wirklich so viel aus? Was, wenn genau meine Stammzellen jemanden retten würden...?

  • David am 02.12.2011 00:23 Report Diesen Beitrag melden

    Stammzellenforschung

    Es geht nicht mehr lange und dann können aus Stammzellen ganze Gewebe im Reagenzglas nachgebildet werden.