Psychische Besonderheiten

01. Juli 2011 14:33; Akt: 01.07.2011 16:27 Print

«Mit einer Banane im Zimmer? Unerträglich!»

Um Taekwondo-Kämpferin Paula Ross in die Flucht zu schlagen, bedurfte es noch bis vor kurzem einer gelben, krummen Frucht. Eine Hypnosetherapie vermochte die Schottin von ihrer Phobie zu heilen.

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Sie wollen einen Bekannten mit einer Jethro-Tull-CD beglücken? Tun Sie es nicht, wenn es sich beim Betreffenden um einen Aulophobiker handelt: Diese Spezies fürchtet sich vor Flötenklängen jeglicher Art. Eine Phobie, die möglicherweise durch eine traumatisierende Erfahrung während des Flötenunterrichts in der Kindheit ausgelöst wurde. Entspannt ins Bett fallen und ruhig einschlafen? Beim Clinophobiker funktioniert das nicht. Ihn ergreift Panik, wenn er ans «ins Bett gehen» denkt. Die Wurzel des Übels findet sich auch hier - wie so oft - in der Kindheit. Einzeln findet er sie abstossend, gebüschelt gar haarsträubend. Der Chaetophobiker ekelt und fürchtet sich ausserordentlich vor Haaren, die an Kleidern hängen bleiben oder auf dem Boden herumliegen. Für den Apotemnophobiker ist es der Schreckensmoment: Er kann den Anblick von Menschen mit Amputationen nicht ertragen, egal, wie freundlich und sympathisch sie auch sein mögen. Mit dieser kleinen, weissen Knolle schlägt man ihn garantiert in die Flucht: Denn wenn der Alliumphobiker Knoblauch sieht, geschweige denn riecht, sucht er das Weite. Bei einer besonders stark ausgeprägten Form dieser Erkrankung reicht sogar der Anblick einer Knoblauchzehe aus, um beim Gegenüber einen Brechreiz zu provozieren. Mit einem Geniophobiker zu einem «Meet & Greet» mit Michael Schumacher? Vergessen Sie es! Menschen mit Geniophobie fürchten sich vor Personen mit einem ausgeprägten Kinn. Den Text des «Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetzes» kennt der Hippopotomonstrosesquippedaliophobiker ganz bestimmt nicht. Er ängstigt sich vor langen Wörtern. Am Fusse des neuseeländischen Bergs Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu wird er wohl niemals seine Ferien verbringen. Alles Gute kommt von oben - nicht für den Ouranophobiker: Die Tatsache, das man nach seinem Dasein auf Erden «in den Himmel kommt», machte ihn längst zum Atheisten: Er bekommt Panik, wenn er seinen Blick gen Himmel richtet. Und jetzt ein ganz heisser Tipp für Singlefrauen um die 40: Angeln Sie sich einen Parthenophobiker. Er leidet unter der schreckliche Angst davor, mit einer Jungfrau anzubändeln und umgeht die «Gefahr», in dem er sich an sexuell erfahrenere Damen hält. Aulophobie, Parthenophobie - schlimm? Nicht, wenn man Panophobiker ist: Dann hat man Angst vor allem und jedem. Damit ist die Panophobie die mit Abstand schlimmste existierende Angststörung überhaupt.

Bananen-Phobie? Es geht noch skurriler, wie die Bildstrecke oben beweist.

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Das Sichten eines Splatter-Movies, ein Besuch im örtlichen Schlachthof oder sich mit einer Banane im selben Raum aufhalten: Hätte man Paula Ross noch vor kurzer Zeit gefragt, welches der genannten drei Dinge sie auf gar keinen Fall tun würde, hätte sie sich vermutlich für Variante Nummer drei entschieden. Schon als kleines Kind verabscheute die heute 23-Jährige die krummen Früchtchen. Nicht minder krumm nahm die Schottin ihren ehemaligen Mitschülern wohl auch, dass sie ständig wegen ihrer Bananen-Phobie gehänselt wurde: «Ich wurde auf dem Schulhof mit Bananenschalen gejagt und häufig ausgelacht», erinnert sich Ross im Gespräch mit dem britischen Boulevard-Blatt «Dailymail». Schon alleine der Geruch einer Banane liess in ihr Übelkeit und ein Gefühl von Ekel aufsteigen.

Heute nimmt es die passionierte Taekwondo-Kämpferin aus Kilmarnock mit den nahrhaften Früchtchen auf, vermag sie sogar zu verspeisen. Überwunden hat sie ihre Bananen-Phobie mit Hilfe einer Hypnosetherapie.


(rre)