Gute Vorsätze

29. Dezember 2008 11:24; Akt: 29.12.2008 15:08 Print

«Sehr gute Vorbereitung ist wichtig»

Mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport machen, gesünder essen: Solche guten Vorsätze fassen viele Menschen zum Jahreswechsel. Nach der Erfahrung von Psychologen sind es immer wieder dieselben Fehler, die den eigentlich löblichen Versuch, etwas zu ändern, scheitern lassen.

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«Zwiespältig» sieht Birgit Mauler, leitende Psychologin an der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster, die guten Vorsätze zu Neujahr. Einerseits sei der Jahreswechsel immer eine prima Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und zu überdenken, was gut und was schief gelaufen sei. Andererseits seien gute Vorsätze auch eine «Misserfolgsfalle», warnt die Psychologin. Oft gehe es um eine Änderung des Lebensstils, um das Aufbrechen von Gewohnheiten. «Das ist unglaublich schwierig, daher ist eine sehr gute Vorbereitung wichtig», sagt Mauler.

Grundsätzlich gutes Ritual

Auch Psychotherapeut Stefan Baier beurteilt die guten Vorsätze als grundsätzlich positiv, kennt aber auch die Tücken. «Es ist ein gutes Zeichen zu sagen, ich entwickle mich weiter, verbessere mein Leben. Wenn ich diese Haltung aber auf den 1. Januar beschränke, ist es nur ein Alibi.» Die Vorsätze seien ein gutes Ritual, Entscheidungen sollten aber nicht nur dann getroffen werden.

Nach der Erfahrung von Psychologin Mauler sind die Ziele für das neue Jahr an sich oft positiv, aber viel zu hoch gesteckt. «Alles Dinge, die lobenswert sind, aber völlig unrealistisch.» Das Vorhaben beispielsweise, mehr für die Gesundheit zu tun, betreffe einen zu grossen Bereich und sei zu allgemein.

Dieses Problem kennt auch Psychotherapeut Stefan Baier: «Wer zwei Hasen gleichzeitig jagt, fängt gar keinen», zitiert er ein Sprichwort. Weniger sei auch in diesem Fall mehr. «Was man bei solchen Vorsätzen gern falsch macht, ist, sich nicht genau vorzunehmen, was man konkret machen will.»

Prioritäten aufschreiben

Mauler rät, sich eine Prioritätenliste zu machen, um ein Vorhaben zu wählen, und dafür dann Zwischenetappen und Zeitpunkte festzuhalten. Es helfe, sich ein möglichst konkretes Ziel zu setzen und detailliert zu regeln, was das für alltägliche Entscheidungen bedeutet, erklärt Baier. Wer sich gesünder ernähren will, sollte auch überlegen, was das bedeutet, wenn er vor dem Regal im Supermarkt steht.

Auf Rückschläge sollte jeder vorbereitet sein und sich von Anfang an eine Notfall-Strategie zurechtlegen, empfiehlt der Psychotherapeut. Wer mit dem Rauchen aufhören will, muss sich zum Beispiel klar sein, dass es wieder stressige Situationen geben wird, in denen die gewohnte Zigarette lockt. Die guten Vorsätze lassen sich besser durchhalten, wenn man sich vorher überlegt hat, wie man reagiert.

«Die Aussicht, dass solche Vorsätze sich umsetzen lassen, ist besser, wenn sie positiv aufgefasst werden», sagt Baier, der in Offenbach eine psychologische Praxis betreibt. So könne man ja auch zusammen mit dem Partner zum Sport gehen. Gute Vorsätze zusammen umzusetzen mache aber nur Sinn, wenn der andere auch motiviert sei. Anderen vom Vorhaben zu erzählen, erhöht die Erfolgsaussichten, wissen die Experten. «Das verstärkt die soziale Kontrolle», sagt Mauler.

«Irgendwann wird es zum Selbstläufer»

Ein weiterer Tipp: sich für Erreichtes auch zu belohnen. Fatal sei allerdings, wenn sich Menschen eine Zigarette gönnten, weil sie es zwei Wochen ohne Glimmstängel ausgehalten hätten, warnt Baier: «Dann beisst sich die Katze in den Schwanz.»

Es ist also einiges zu beachten, damit der gute Vorsatz kein frommer Wunsch bleibt. Psychologin Mauler macht aber Mut: «Irgendwann wird es zum Selbstläufer. Mit dieser Erfahrung kann ich dann auch das nächste Projekt in Angriff nehmen.»

(ap)