Die wichtigsten Antworten

04. März 2020 18:58; Akt: 04.03.2020 21:29 Print

Alles, was du jetzt zum Coronavirus wissen musst

Überlebt das Coronavirus auf Touchscreens? Muss ich mich testen lassen? Wann kommt der Impfstoff? Kurz: Alles, was du über das Coronavirus wissen musst.

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Mit dem Coronavirus sind viele wenig geläufige Begriffe Teil unseres Alltagsvokabulars geworden. Das steckt dahinter. Um sich vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus zu schützen, setzen viele Menschen auf Masken, wobei man zwischen Hygiene- und Atemschutzmasken unterscheiden muss. Die einfachen (Bild) sind nach zwei bis drei Stunden durchgefeuchtet. Daher müssen sie dann spätestens ausgetauscht werden. Nur so können sie leisten, wofür sie gedacht sind: die Übertragung von Erregern durch Sekrettröpfchen zu verhindern. Schutz für den Träger bieten sie jedoch nicht. Anders . Je nach FFP-Schutzklasse schützen sie vor ungiftigen Stäuben (FFP1), vor giftigen Stäuben (FFP2) oder vor giftigen und gesundheitsschädlichen Stäuben, Rauch und Aerosol (FFP3). Um sich vor dem Virus Sars-Cov-2 zu schützen, wird zu FFP3 geraten. Momentan sind die Masken fast überall ausverkauft. Bei Sars-Cov-2 (Bild) handelt es sich um ein Virus, nicht um ein Bakterium. Der Unterschied? Während Bakterien Einzeller mit eigenem Stoffwechsel sind, die sich selbst reproduzieren können, bestehen Viren nur aus einer Eiweisshülle, in der sie ihre Erbsubstanz aufbewahren. Um sich zu vermehren, sind sie auf einen Wirt (Zellen) angewiesen. Unterscheide gibt es auch hinsichtlich der Behandlung: Gegen Bakterien verwendet man Antibiotika, die die Zellwand zerstören oder die Vermehrung hemmen. Gegen Viren werden spezielle Medikamente, sogenannte Virostatika eingesetzt, die das Eindringen des Virus in einen Wirt verhindern oder das Erbgut des Virus zerstören. (Im Bild:Sars-Cov-2-Partikel) Ersteres beschreibt den Moment der Ansteckung, in dem der Erreger in den Organismus eindringt und diesen im Folgenden stört. Das verrät auch der lateinische Ursprung. Das Wort «infectio» bedeutet so viel wie Beeinflussung und Verunreinigung. Die Inkubation (von lateinisch «incubatio») beschreibt dagegen die Zeit, die zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome vergeht. Während dieser vermehren sich die Keime und die Erkrankung etabliert sich im Körper. Bei Covid-19 geht man von einer Inkubationzeit von bis zu 14 Tagen aus. In seltenen Fällen kann sie aber auch bis zu 24 Tage dauern. Der lateinische Ursprung ist auch die Erklärung dafür, warum es beispielsweise infizieren heisst und nicht infiszieren, wie häufig zu hören ist. Auch heisst es Desinfektion und nicht Desinfikation. Bei ersterem handelt es sich um ein Anzeichen einer Krankheit. Das heisst um eine für eine bestimmte Krankheit charakteristische Erscheinung. Der Ausdruck stammt vom Griechischen «sýmptma», was so viel wie «vorübergehende Eigentümlichkeit» bedeutet. Auch der Begriff Syndrom stammt aus dem Griechischen. Konkret vom Ausdruck «syndrom», der so viel wie «zusammenlaufen» bedeutet. Und tatsächlich beschreibt ein Syndrom exakt das: ein Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammenkommen von verschiedenen Symptomen ergibt. Ersteres beschreibt eine zeitlich und örtlich in besonders starkem Masse auftretende und ansteckende Erkrankung. Darunter fällt etwa Bei einer Pandemie handelt es sich dagegen um eine Epidemie besonders grossen Ausmasses, die ganze Landstriche und Länder erfasst. Ihre Bezeichnung stammt aus dem Griechischen von «pan» für «alle, jeder» und «demos» für «Volk». (Im Bild: Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 grassierte) Heisst es nun ? Erlaubt ist beides: Ein Virus kann sowohl neutrum als maskulin sein. Allerdings empfiehlt der Duden den sächlichen Artikel. Der Ausdruck Virus stammt aus dem Lateinischen, wo «virus» so viel wie «natürliche zähe Feuchtigkeit, Schleim, Saft» heisst. Beim kommt es auf die Kombination von Einseifen, Reiben, Abspülen und Trocknen an, sonst bringt es nichts. Das heisst: Die Hände nass machen, dann einseifen. Am besten mit Flüssigseife. Die Hände reiben, bis es schäumt. Dabei Handrücken, Fingerzwischenräume, Fingernägel und die Handgelenke nicht vergessen. Anschliessend gut abtrocknen. Es heisst und nicht Karantäne, wie manch einer schreibt. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort «quarantaine» ab, was eine Zeitspanne von 40 Tagen bezeichnet. So lange dauerte früher die Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen.

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Wie wird das Virus übertragen?

Lachen, Singen, Atmen, Reden, Husten, Niesen: So vermutlich gelangt das Virus von einer Person zur nächsten.Wie genau es sich ausbreitet, ist aber noch immer nicht abschliessend geklärt. Das Virus allein ist nicht mobil. «Es kann nirgendwo hin, ausser es wird von Schleim- oder Speicheltröpfchen mitgenommen», erklärt Kin-on Kwok, Professor an der chinesischen Universität Hongkong in der «New York Times». Die mit dem Virus versetzen Tröpfchen können dann über die Nase, den Mund oder die Augen in den Körper – nicht aber durch die Haut – eindringen. Wie viel es braucht, um eine Person zu infizieren, ist unklar.

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Wie weit fliegen diese Tröpfchen?

Normalerweise landen sie auf dem Boden oder anderen Oberflächen. Ausser man kommt der anderen Person nahe. «Knoblauch oder Curry? Wenn man riechen kann, was jemand zum Zmittag hatte, dann atmet man das ein, was er ausatmet, einschliesslich den Viren in seinem Atem», sagt der Virologe Julian Tang, der zusammen mit Kwok das Coronavirus erforscht zur «NYT». Als kritischer Abstand gelten 2 Meter.

Kann man sich in der Schweiz anstecken?

Anfang März wurden in der Schweiz erstmals Ansteckungen mit dem Coronavirus bestätigt. Das heisst, die Personen steckten sich hier an, ohne zuvor ein Risikogebiet wie Norditalien besucht zu haben. Weitere Ansteckungen sind möglich, schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf seiner Website.

Was ist überhaupt ein Coronavirus?

Coronaviren sind eine Virusfamilie, die bei Tieren oder Menschen Krankheiten verursachen können. Sie wurden erstmals Mitte der 1960er-Jahre identifiziert. Das Virus hat etwa die Breite eines Neunhundertstels eines menschlichen Haares. Mehrere Coronaviren sind dafür bekannt, dass sie Atemwegsinfektionen verursachen, die von einer Erkältung bis hin zu schwereren Krankheiten wie Mers (Nahost-Atemwegssyndrom) und Sars (schweres akutes Atemwegssyndrom) reichen.

Was ist mit 2019-nCoV, Sars-CoV-2 und Covid-19?

Der offizielle Name des neuen Coronavirus lautet Sars-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2). Diese Bezeichnung wurde am 11. Februar 2020 beschlossen. Zuvor hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO das Virus als 2019-nCoV bezeichnet. Gleichentags teilte die WHO mit, dass die durch das neue Coronavirus ausgelöste Krankheit offiziell Covid-19 (Corona Virus Disease 2019) heisst. Damit verhält es sich bei der neuen Krankheit ähnlich wie bei HIV und Aids. Auch dort hat das Virus (HIV) einen anderen Namen als die Krankheit (Aids).

Wie lange überlebt der Erreger auf Oberflächen?

Das ist nicht ganz klar. Die WHO geht derzeit davon aus, dass sich Covid-19 ähnlich wie andere Coronaviren verhält und einige Stunden, maximal aber einige Tage, auf Oberflächen überleben kann. Es ist also möglich, dass Liftknöpfe oder öffentliche Touchscreens den Erreger verteilen können. In Hongkong zum Beispiel wurde der Erreger auf WC-Armaturen und Gebetsbüchern eines buddhistischen Tempels gefunden, wie Npr.org berichtet. Auch elektronische Geräte können dreckig werden. «Das Smartphone ist eine tragbare Petrischale», so Peter Hall, Professor für öffentliche Gesundheit der Universität von Waterloo zu Telegraph.co.uk. Er empfiehlt Nutzern, das Handy zweimal täglich zu reinigen. Laut BAG ist derzeit allerdings nicht klar, ob man sich über Oberflächen mit dem Virus anstecken kann.

Wie kann ich mich vor einer Infektion schützen?

Das BAG hat die Verhaltensregeln Anfang März verschärft. Sie sollen vor einer Infektion schützen: Die wichtigste ist, sich regelmässig und gründlich die Hände zu waschen (siehe Video unten). Auch soll man in ein Taschentuch oder die Armbeuge husten und niesen. Die Taschentücher müssen danach in einem geschlossenen Kübel entsorgt werden. Bei Fieber und Husten soll man zu Hause bleiben. Erst nach einer telefonischen Voranmeldung soll man sich zum Arzt begeben, so das BAG. Am Mittwoch gab das BAG eine neue Verhaltensregel bekannt: Abstand halten.

Hygienemasken bieten gesunden Personen keinen effektiven Schutz vor einer Ansteckung. Infizierte Personen sollten dagegen Masken tragen, damit sie das Virus weniger leicht verbreiten können.

Wie merke ich, ob ich infiziert bin?

Fieber, Husten, Halskratzen, eventuell Durchfall: Das alles können Anzeichen sein, dass man sich mit Sars-CoV-2 infiziert hat. Das Problem ist: Die Symptome gleichen jenen einer Erkältung oder Grippe. Weiter kann es auch zu Atembeschwerden und in besonders harten Fällen zu einer Lungenentzündung kommen. Für die meisten Menschen verläuft die Krankheit mild. Jedoch können vor allem ältere Personen schwer erkranken.

Wann sollte man sich testen lassen?

Wer Anzeichen spürt, sich in einem Risikogebiet aufhielt oder engen Kontakt mit einer Person hatte, die in einem Infektionsgebiet war, sollte telefonisch Kontakt mit einem Arzt oder einem Spital aufnehmen. Das BAG schreibt: «Jeder Verdacht auf eine Ansteckung mit dem neuen Coronavirus muss ärztlich abgeklärt werden. Dabei wird nach Reisen, Kontakten und Krankheitssymptomen gefragt. Eine Bestätigung ist nur durch eine Laboranalyse möglich. Für die Laboranalyse kann beispielsweise ein Abstrich aus Nase und Rachen genommen werden.» Seit dem 4. März wird der Diagnostiktest von der Krankenkasse mit 180 Franken vergütet.

Wie wird das Virus behandelt?

Es gibt keine Behandlung für Erkrankungen mit Coronaviren. Symptome können aber gelindert werden. Erkrankte werden zum Schutz von anderen isoliert. Bei einer schweren Erkrankung kann eine Behandlung auf der Intensivstation mit künstlicher Beatmung erforderlich sein.

Und was ist mit Antibiotika?

Die würden nichts bringen. Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren.

Kommt ein Impfstoff?

Gegen Sars-CoV-2, das die Krankheit Covid-19 auslöst, gibt es noch keine Impfung. Das wird wohl noch viele Monate so bleiben. Mögliche Impfstoffe werden derzeit geprüft und in klinischen Studien getestet. Die Koordination läuft über die WHO. Sinnvoll ist es sich gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen. Zurzeit gibt es hierzulande eine Grippe-Epidemie.


So wäscht oder desinfiziert man sich die Hände richtig. (Video: SDA)

(tob/jcg)