Exotische Stechmücken

09. Juni 2011 10:22; Akt: 18.07.2012 07:18 Print

«Wir müssen die Situation gut beobachten»

von Runa Reinecke - Mit Containern und Flugzeugen wurden sie in Europa eingeschleppt: exotische Moskitos – und mit ihnen tropische Krankheiten wie Dengue- oder das West-Nil-Fieber. Experten sind besorgt.

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Nirgends schmeckt ein kühles Getränk nach einem heissen, sonnigen Tag besser als an der frischen Luft. Doch während wir gelassen an der Erfrischung nuckeln, wittern Stechmücken die Chance, ihren Durst bei uns zu löschen. Was uns in der Einstichstelle bleibt, ist ein vom Minivampir abgegebenes Sekret, das uns noch Tage mit Juckreiz an die unfreiwillige Blutspende erinnern wird.

Unangenehm, aber harmlos – hoffentlich! Denn glaubt man aktuellen Medienberichten, drohen uns durch die kleinen Blutsauger Gefahren, denen wir bislang ausschliesslich bei Reisen in tropische Gefilde ausgesetzt waren. Durch Viren oder sogenannte Plasmodien ausgelöste Erkrankungen wie Gelbfieber, Dengue, Chikungunya, West-Nil-Fieber oder Malaria – gestern noch in Afrika oder Asien, heute bei uns? In der Tat: Experten wie der Basler Entomologe Pie Müller beobachten bei den mehr als 40 in der Schweiz domestizierten Stechmückenarten Neuzugänge, die in Transport-Containern und als blinder Passagier in Flugzeugen eingeschleppt wurden. «Dazu gehört die Asiatische Buschmücke. Sie ist keine tropische Art und das Klima in unseren Breiten ist für sie optimal», weiss der Spezialist. Die Asiatische Buschmücke ist in der Lage, das gefürchtete West-Nil-Virus zu übertragen – bei einer Erkrankung besteht die Gefahr einer Hirnhautentzündung. Das Tückische: Wie bei anderen tropischen und durch Stechmücken übertragenen Leiden können nur die Symptome behandelt werden – in den Verlauf der Erkrankung lässt sich kaum eingreifen.

Die Tigermücke im Tessin

Einsam fühlt sich die Stechmücke, deren Herkunft nicht zuverlässig geklärt ist, in Europa nicht, denn sie hat seit kurzer Zeit Verstärkung: Aedes albopictus, auch unter dem Namen Asiatische Tigermücke bekannt, fungiert nicht nur als Überträger des West-Nil-Virus, sondern vermag auch Erreger zu verbreiten, die Gelbfieber, Dengue- oder Chikungunya-Fieber auslösen.

«In Südeuropa breitet sich die Asiatische Tigermücke weiter aus. Im vergangenen Jahr gab es erste Dengue-Virus-Infektionen, die in Kroatien und Frankreich erworben wurden», sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom deutschen Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Auch in Deutschland sei die Tigermücke bereits entdeckt worden. Der Virologe erarbeitete zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Heidelberg und der Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung von Stechmückenplagen (KABS) eine Datenbank. Auf Basis dieser Informationen soll zukünftig eine deutschlandweite Mückenkarte Auskunft über das regionale Vorkommen heimischer und zugewanderter Mückenarten geben. Mitteleuropäische Länder wie Deutschland und die Schweiz blieben bislang von der Ausbreitung tropischer Erkrankungen durch Stechmücken verschont.

Klein und gefährlich

Ein ähnliches Projekt verfolgten auch die Insektenforscher der Universität Basel: Im Rahmen einer Masterarbeit wurde untersucht, welche Arten in der Region Basel und rund um den Euroairport zu finden sind. Dabei wurde allerdings keine Mückenart entdeckt, die nicht schon zuvor bei uns aufgefallen war. Anders sieht das im Tessin aus. Im milden Klima der sonnenverwöhnten Südschweiz fühlen sich die Zuzüger pudelwohl: «Tatsächlich kommt die Tigermücke im Raum Chiasso vor», weiss Pie Müller und erinnert daran, dass vor vier Jahren rund 200 Menschen in Italien am Chikungunya-Fieber erkrankt waren. Mutmasslicher Vektor, also Überträger des Virus: die Asiatische Tigermücke. Könnte die Klimaerwärmung dazu beitragen, dass sich diese Art auch in den nördlichen Kantonen der Schweiz ausbreitet? Müller hält das eher für unwahrscheinlich: «Der Asiatischen Tigermücke dürfte es weniger leicht gelingen, den Winter in den nördlichen Kantonen zu überstehen.»

Grund zur Sorge oder gar zur Panik bestehe, so der Entomologe, nicht – dennoch werde «die Situation gut beobachtet». Das drohende Übel geht man bereits jetzt mit der biologischen Keule an: Das Bakterium BTI soll die Zahl der Stechmücken in der Schweiz reduzieren. Das Clevere: Es wirkt sich nur auf Stechmücken aus, indem es den Verdauungstrakt der Blutsauger zerstört – Menschen und andere Tierarten bleiben völlig unbehelligt.

Selbst wenn es – allen Bemühungen zum Trotz – in der Zukunft zu vereinzelten Ausbrüchen von tropischen Erkrankungen in der Schweiz kommen würde: Von einer Ausbreitung kann dem Experten nach nicht die Rede sein. Viel wichtiger sei es, auf den Schutz vor Moskitos hinzuweisen. Müller rät deshalb zu Mückenabwehrprodukten mit Qualitätslabel des Schweizerischen Tropeninstituts: «Unter Laborbedingungen bieten sie über mindestens vier Stunden Schutz vor Mücken. Darüber hinaus sind feinmaschige Gitter an Türen und Fenstern sowie Moskitonetze zu empfehlen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcus am 08.06.2011 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Ich geb zwar zu, dass diese Gefahr besteht, aber ein bisschen Panikmacherei ist auch dabei, weil: seit wievielen Jahrzehnten werden Container durch die ganze Welt transportiert und Fliegen Flugzeuge über den ganzen Globus, und seit wievielen Jahren besteht schon das Problem mit den Mücken? Nur mal so zum Nachdenken...

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  • Jess am 08.06.2011 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Todesgefahr

    Ja, das Leben ist an und für sich tödlich :-)

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  • Peschä am 08.06.2011 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Gift nicht geizen!

    Wir müssen halt konsequent Frachtcontainer mit Insektiziden behandeln! Zudem sollten auch Mücken-Brutstätten überwacht werden und solche mit nicht einheimischen Arten gründlich vernichtet werden. Die Dezimierung einheimischer Arten sehe ich kritisch, möglicherweise können sich dann fremde, gefährlichere Arten umso stärker ausbreiten. Hier muss man sorgfältig vorgehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger M am 09.06.2011 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Dengue

    Also was da von einigen berichtet wird ist falsch! Ich lebte für 10 Jahren in Malaysia und hatte Dengue-Fever. Es gibt keine Medikamente gegen das Fieber!Man kann Schmerzmittel einnehmen aber das nützt nicht viel. Man muss jeden Tag mindestens 1x besser 2x ins Spital die Blutwerte überprüfen lassen sonst wird es gefärlich! Ich hatte Fieber für 2 Wochen aber das Schlimmste hattew ich noch vor mir, da mein Körper geschwächt war für ganze 6 Monate. Bitte keine Panik! Ich lebe noch :-) Es giebt schlimmeres im Leben als Dengue Fieber!

    • roxy am 16.06.2011 10:05 Report Diesen Beitrag melden

      woow :o

      Wow, 6 Monate nicht arbeiten? Hätte nicht gedach, dass man so krank werden kann. Voll heftig!

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  • Max Reimann am 09.06.2011 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Ich hasse Mücken aber auch wenn sie von einem tropenland kommen können sie meiner fliegenklatsche nicht entweichen ;) ein kalter winter und die dinger sind weg..

  • Rolf G. am 09.06.2011 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schädlingsbekämpfung in Flugzeugen

    Vor vielen Jahren wurde jedes Flugzeug in den USA, das aus dem Ausland ankam, von der Gesundheitsbehörde innen vor dem Aussteigenlassen mit Spray eingenebelt, um Schädlinge im Flugzeug abzutöten. Vermutlich aus gesundheitlichen Problemen für die Passagiere wurde dieses Verfahren dann eingestellt. - Ich könnte mir vorstellen, dass die Fluggesellschaften via Klimaanlage irgend ein Schädlingsbekämpfungsmittel (ungefährlich für die Passagiere bzw. das Gepäck) verteilen, um diesen Verhinderungseffekt zu erzeugen.

    • Kipkoech am 09.06.2011 10:04 Report Diesen Beitrag melden

      Ja nicht !!

      Da diese "Schädlingsbekämpfungsmittel" auch für Menschen sehr ungesund sind, insbesondere fürs Bordpersonal im Flugzeug - soll man - bei Gott ja nicht wieder damit anfangen. Die USA haben trotz den theoretisch rigorosen Massnahmen die grösste Dichte an eingeschleppten Pflanzen und Tieren.

    • Nubo am 09.06.2011 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nur Amerika

      Ich habe das früher auch innerhalb Europa und auf Heimflügen aus Afrika erlebt. Gleich nach dem Einsteigen wurden wir eingenebelt. Aber stimmt: Schon lange nicht mehr... Warum eigentlich nicht?

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  • Dani Widmer am 09.06.2011 05:27 Report Diesen Beitrag melden

    weg mit dem Vieh!!!

    hier mit der Chemiekeule auf Insekten schiessen und behaubten es schade nur den Mücken und gleichzeitig nicht wissen wieso die Bienen sterben?

    • Helena am 09.06.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      BTI ist harmlos für alles, ausser Mücken

      Es gibt biologische Mittel (Bacillus thuringensis), die nur bei Mücken wirken. Nicht gleich rumschreien bitte, sondern informieren.

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  • N.A. am 08.06.2011 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    Möglicher positiver Effekt auf 3. Welt

    Dies könnte durchaus einen Innovationsschub verursachen, da hierdurch zunehmend eine zahlungskräftige Bevölkerung an Medikamenten und Bekämpfungsmitteln interessiert ist. Dies könnte sich positiv auf die prekäre Situation in Entwicklungsländern auswirken, welche bisher aufgrund unrentabler Marktbearbeitung von führenden Herstellern gemieden wurden.