Epidemie auf Samoa

02. Dezember 2019 17:47; Akt: 02.12.2019 17:47 Print

Über 50 Menschen sterben an Masern

Schlechte Nachrichten aus Polynesien: Dort sind mindestens 53 Menschen an Masern gestorben. Bei den meisten handelt es sich um Kinder unter vier Jahren.

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53 – so viele Menschen starben im polynesischen Inselstaat Samoa bisher innert weniger Wochen am Masernvirus, überwiegend Säuglinge und Kleinkinder. Seit November wurden demnach mehr als 3700 Masernfälle gemeldet, knapp 200 allein seit vergangenem Samstag (30.11.2019). Samoa hatte wegen der Masern-Epidemie im November den Notstand ausgerufen ... ... und Pflichtimpfungen für alle 200'000 Bewohner der Inseln angeordnet. Zuvor waren nur rund 33'000 Menschen geimpft. Dass die Impfrate so gering ist, ... ... führen die Behörden – zumindest teilweise – auf den Tod zweier Kinder in 2018 zurück. Sie starben, nachdem sie die Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln erhalten hatten. Dies jedoch wegen menschlichen Versagens: Die Krankenschwestern hatten den Impfstoff versehentlich mit einem Mittel zur Muskelentspannung gemischt. «Der Impfstoff ist absolut sicher», zitiert die BBC den Unicef-Verantwortlichen Sheldon Yett. Doch die Todesfälle hätten all jenen in die Hände gespielt, die Fehlinformationen verbreiten wollten. Die Betroffenheit in dem Inselstaat sei gross, so Yett weiter. «Die Menschen sind nervös, weil sie die Auswirkungen dieser Krankheit sehen.» Samoa sei ein sehr kleines Land und jeder kenne jemanden, der davon betroffen sei. Bereits Anfang 2019 hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO Alarm geschlagen, denn eigentlich könnten die Masern längst ausgerottet sein. Dabei führt laut einer US-Studie eine Verringerung der Quote bei der Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) um 5 Prozent zu einer Verdreifachung der Masernfälle. Auf die Schweiz angewandt würde das bedeuten, dass die Fallzahl von 66 Fällen (2016) auf knapp 200 steigen würde. Um die Bevölkerung vor einer Infektion zu schützen, ist es wichtig, die Masern zu eliminieren. Dafür muss eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werden. Dann kann sich der Erreger nicht mehr verbreiten. Nur so können immunschwache Menschen ... ... das heisst jene, die sich aus medizinischen Gründen wie beispielsweise Allergien oder akuten Infektionen nicht impfen lassen können, sowie Babys im ersten Lebensjahr geschützt werden. Den besten Schutz bringt die Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Die Schutzwirkung einer Masernimpfung mit zwei Dosen wird mit mehr als 98 Prozent angegeben. Selbst in den seltenen Fällen, in denen es trotz Impfung zu Masern kommt, ist der Krankheitsverlauf abgeschwächt. Das Perfide an Masern: Erkrankte sind auch dann schon ansteckend, wenn sie noch nicht den typischen Hautausschlag entwickelt haben. Denn die Infektionsgefahr besteht drei bis fünf Tage vor dem Ausbruch des Hautausschlags und bis vier Tage danach. Masern beginnen wie eine heftige Grippe: mit hohem Fieber, einer laufenden Nase und Husten sowie entzündeten Schleimhäuten. Der einzige eindeutige Hinweis auf Masern findet sich zu diesem Zeitpunkt im Mundraum des Betroffenen: die sogenannten Koplik-Flecken – weisse Flecken mit rotem Rand an den Wangeninnenseiten. Oft werden Masern als Kinderkrankheit abgetan. Doch das ist falsch. So können Menschen jeden Alters erkranken, zudem kommt es bei jeder zehnten Person zu Komplikationen. Am schwerwiegendsten sind Lungen- und Gehirnentzündungen. In Europa verlaufen bei einem von rund 3000 Erkrankten die Masern tödlich. Weltweit fordern Masern jedes Jahr etwa 158'000 Todesfälle.

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Bei einem Masernausbruch im polynesischen Inselstaat Samoa sind in den letzten Wochen mindestens 53 Menschen gestorben. Bei den meisten Todesopfern handle es sich um Kinder unter vier Jahren, wie das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Apia am Montag mitteilte.

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Seit November wurden demnach mehr als 3700 Masernfälle gemeldet, knapp 200 allein seit vergangenem Samstag. Das kleine Land mit seinen rund 200'000 Einwohnern hatte Mitte November den Notstand ausgerufen und Schulen und Universitäten geschlossen.


Ausgangssperre und Impfkampagne

Die Polizei ermahnte die Bevölkerung unter Androhung von Strafen, sich an die verhängte Ausgangssperre zu halten und keine öffentlichen Veranstaltungen zu besuchen, wie örtliche Medien berichteten.

Seit dem Start einer Impfkampagne am 20. November seien nun mehr als 58'000 Menschen im Alter von sechs Monaten bis 60 Jahren geimpft worden, hiess es weiter. Das entspricht knapp 30 Prozent der Bevölkerung der Inseln im Südwestpazifik. Laut dem UNO-Kinderhilfswerk Unicef hatte Samoa bisher eine besonders niedrige Impfrate von 28 bis 40 Prozent.

Missverständnis machte Ausbruch so stark

Dass die Impfrate so gering ist, führen die Behörden laut der BBC – zumindest teilweise – auf den Tod zweier Kinder im Juli 2018 zurück. Sie starben, nachdem sie die Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln erhalten hatten.

Dies jedoch nicht aufgrund des Wirkstoffs, sondern wegen menschlichen Versagens: Die zuständigen Krankenschwestern hatten den Impfstoff nicht mit Wasser, sondern mit einem Mittel zur Muskelentspannung gemischt. Sie wurden zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. «Der Impfstoff ist absolut sicher», zitiert die BBC den Unicef-Verantwortlichen Sheldon Yett. Doch die Todesfälle hätten all jenen in die Hände gespielt, die Fehlinformationen verbreiten wollten.

Was sind Masern?

Masern (lat. Morbilli) sind eine durch das Masernvirus hervorgerufene, hochansteckende Infektionskrankheit. Schon ein Nieser eines Infizierten reicht aus, um sich anzustecken, genauso wie das Berühren von kontaminierten Oberflächen. Erkrankte sind auch dann schon ansteckend, wenn sie noch nicht den typischen Hautausschlag entwickelt haben.

Experten betonen, dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind. Warum?

Gewisse Impfgegner führen ins Feld, dass eine Masernerkrankung für ein Kind einen wichtigen Teil des Erwachsenwerdens darstelle. Doch es können ungeschützte Menschen jeden Alters erkranken. Zudem kommt es bei jeder zehnten Person zu Komplikationen. Am schwerwiegendsten sind dabei Lungen- und Gehirnentzündungen. Zudem verlaufen Masern bei einem von rund 3000 Erkrankten tödlich.

Wie sicher ist die Impfung?

Die Masern-Impfung bietet keinen 100-prozentigen Schutz. Nach der ersten Impfdosis liegt der Schutz bei etwa 91 Prozent, nach der zweiten bei 92 bis 95 Prozent. Dennoch lohnt sich die Schutzmedikamentierung, denn nur ein bis acht Menschen von 100 bekommen trotz Impfung die Masern, nachdem sie dem Virus ausgesetzt waren. Von Personen die nicht geimpft sind, stecken sich dagegen etwa 90 von 100 an.

Woher stammt die Idee, die Impfung führe zu Autismus?

Sie stammt aus einer 1998 im Fachjournal «The Lancet» publizierten Studie, die später zurückgezogen wurde – weil ihr Autor, Andrew Wakefield, Interessenkonflikte nicht deklariert
und Beweise manipuliert hatte. Die Studienergebnisse wurden schlussendlich als «grundfalsch» disqualifiziert und Wakefield der arglistigen Täuschung bezichtigt. Die britische Ärztekammer sprach gegen ihn sogar ein Berufsverbot aus. Kurz: An der Idee ist nichts dran, wie seither mehrere Studien zeigten.

Wieso haben trotzdem manche Kinder nach der Impfung Autismus?

Das scheint nur so: Die ersten Verhaltensstörungen bei Autisten treten im Alter von 18 bis 20 Monaten auf. Und damit im gleichen Zeitraum, in dem 95 Prozent der Kinder geimpft werden.

Überlastet die Masernimpfung nicht das Immunsystem der Kinder?

Nein, laut Experten sind Kinder jeden Tag Tausenden von Antigenen ausgesetzt, das vorgeschlagene Impfschema dagegen enthält nur rund 300 Antigene. Laut Paul A. Offit von der Universität Pennsylvania würden selbst bei einer parallelen Gabe von elf Impfstoffen nur etwa 0,1 Prozent des Immunsystems in Beschlag genommen.

Viele Menschen haben Angst vor Impfinhaltsstoffen wie Quecksilber oder Aluminium. Ist da was dran?

Tatsächlich enthalten manche Impfstoffe Aluminiumhydroxid (verstärkt die Immunantwort) oder Formaldehyd (tötet die Impfviren ab). In der Schweiz ist das aber nicht so. Der seit 1985 empfohlene kombinierte Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) ist vollkommen frei von Quecksilber (Thiomersal), Aluminium und sogenanntem Adjuvans (wirkungsverstärkender Stoff).

Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus?

Der Körper reagiert auf den Pikser: Die Einstichstelle kann rot werden, anschwellen und schmerzen. Mitunter schwellen auch die Lymphknoten an, die Körpertemperatur kann steigen und Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit können die Folge sein. Rund jeder Fünfzigste erkrankt nach der Impfung an einer sehr abgeschwächten Form der Masern. Diese sogenannten Impfmasern sind allerdings nicht ansteckend und klingen in der Regel rasch und folgenlos ab.

Grundsätzlich sollten Menschen, die an Immunschwäche leiden, sich in einer immunsuppresiven Therapie befinden oder eine bekannte schwere Allergie gegenüber Inhaltsstoffen des Wirkstoffs haben, sich nicht impfen lassen. Auch Schwangere sollten vorsichtshalber davon absehen.

Wie lautet die Impfempfehlung für die Schweiz?

Im Schweizerischen Impfplan wird geraten, Kleinkinder gegen Masern impfen zu lassen. Empfohlen sind zwei Dosen im Alter von 12 Monaten und 15 bis 24 Monaten. Allen 1964 und später Geborenen, die nicht zweimal geimpft sind und die Masern noch nicht hatten, wird die Nachimpfung empfohlen.

Was ist mit Neugeborenen?

Sofern es gestillt wird und die Mutter entweder Masern hatte oder ausreichend geimpft ist, verfügt ein Neugeborenes über einen sogenannten Nestschutz. Darunter versteht man Antikörper, die die Mutter über die Plazenta oder die Milch auf das Kind übertragen hat. Jedoch schwindet dieser Schutz mit der Zeit.

Der Impfpass ist weg. Wie lässt sich herausfinden, ob der Körper immun gegen Masern ist?

Aufschluss kann ein Bluttest beim Hausarzt geben. Weil der jedoch auch fehlerhaft sein kann, raten Experten dazu, sich im Zweifelsfall lieber erneut impfen zu lassen. Ihr Argument: Man kann sich nicht «überimpfen».

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mitmensch am 02.12.2019 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antwort

    Grüsse an alle chronischen Impfgegner hierzulande.

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  • Roger Göppel am 02.12.2019 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Impfgegner sind Mörder

    Immerhin hat niemand wegen einer Impfung eine eingebildete Hautrötung bekommen.

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  • NPXS am 02.12.2019 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Impfgegner

    Vorhang auf, eure Argumente bitte was gegen eine Impfung spricht. Ich finde euch immer sehr unterhaltsam. Lg

Die neusten Leser-Kommentare

  • bag am 03.12.2019 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    impfplan

    nein, der aktuelle Impfplan sieht Impfungen mit 9 und 12 Monaten vor - den Impfgegnern sei dank. Wäre die Durchimpfungsrate höher (Stichwort Herdenimmunität) wäre der alte Impfplan ausreichend... Und der Nestschutz hält nach neueren Studien nicht einmal ein halbes Jahr.

  • tanja am 03.12.2019 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kinder haben rechte

    an alle impfgegner warum entscheidet ihr über das wollen von eurem kind?ist es nicht das recht das das kind leben darf?impft euch nicht aber eure kinder schon bis sie selber entscheiden können!denn es ist die zukunft die ihr euren kindern erschwert!ihr müsst lernen eure kinder nicht als besitz anzuschauen,es ist kein stuhl,man begleitet ein kind im leben,man erschert es ihm nicht!

    • Toni am 03.12.2019 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @tanja

      Blödsinn! Den kindern mutwillig viren und chemikalien zu impfen, das ist gegen das kinderrecht!

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  • Heidi Heidnisch am 03.12.2019 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Siechtum

    Die Baby Boomer (Geburtsjahre 1946 - 1864) hatten Masern, Mumps und Windpocken. Die heutigen Kinder haben Autismus, SID, Anfälle, Tourette, Lupus, Allergien, Diabetes Typ 1, Ovarialversagen, Autoimmunität, Krebs und vieles mehr. Zeit, Impfstoffe zu erforschen.

    • Andi L am 03.12.2019 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Heidnisch

      ja doch die Krankheiten gab es schon, auch wenn sie nicht alle bekannt waren und an Masern oder Kinderlähmung sind auch damals die Kinder gestorben.

    • Heidi Heidnisch am 03.12.2019 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andi L

      Nicht auf den Südseeinseln noch auf dem Amerikanischen Kontinent.

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  • Sürmel am 03.12.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Und dass im Jahr 2019. Es ist unbegreiflich, dass es immer noch so viele Impfgegner gibt. Mann könnte mit dieser einen "Spritze" so viel verhindern.

  • kurt am 03.12.2019 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Das schöne an Impfgegnern ist ...

    ... das sie Aussterben ;-)