Unerwartete Ursache

19. Februar 2019 14:29; Akt: 19.02.2019 14:29 Print

13-Jährige kollabiert, weil sie schwerer sein wollte

Verwirrt und nicht in der Lage, zu sprechen: Als das Mädchen in die Notaufnahme kommt, geht es ihm schlecht. Der Grund ist tragisch.

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Aufregung in einer polnischen Notaufnahme: Eine 13-jährige, bewusstlose Patientin gibt den Medizinern Rätsel auf. Mit nur 50 Schlägen pro Minute ist ihr Puls schwach. Auch die Sauerstoffsättigung des Blutes entspricht nicht der Norm. Schliesslich beginnt sie auch noch zu krampfen. Die Ärzte begeben sich auf Ursachensuche, jedoch vergebens: Eine Erkrankung oder Drogenkonsum liegen nicht vor. Die Ärzte vermuten eine Magersucht, schreiben sie später in einem Fachjournal Während die Auslöser für die Beschwerden weiter im Dunkeln liegen, erholt sich die 13-Jährige auf wundersame Weise. Schon bald braucht sie keine künstliche Beatmung mehr. Kurz darauf ist sie so stabil, dass sie von der Intensivstation in die Kinderklinik verlegt werden kann. Dann geben die Eltern Entscheidendes preis: Sie geben an, wegen des Untergewichts ihrer Tochter sehr besorgt gewesen zu sein. Deshalb hätten sie mit ihr vereinbart, dass sie mindestens 50 Kilogramm wiegen müsse, um weiterhin an ihren geliebten Ballettstunden teilnehmen zu dürfen. Weil die Eltern darauf bestanden, das Gewicht zu kontrollierten, hatte die 13-Jährige vor den Wiegeterminen ... ... literweise Mineralwasser getrunken, um kurzfristig mehr auf die Waage zu bringen. Am Tag vor der Einlieferung ins Spital seien es vier Liter gewesen, die sie innert kürzester Zeit getrunken habe. Das Mädchen litt deshalb an einer Wasservergiftung. Dass Wasser nur in Massen konsumiert werden sollte, zeigt auch der Fall einer britischen Frau. Sie litt an einer Infektion und erinnerte sich, dass ihr Arzt ihr empfohlen hatte, viel zu trinken. Also kippte die Patientin alle 30 Minuten ein Glas – bis sie kollabierte und ins King's College Hospital gebracht werden musste. Dort retteten die Mediziner ihr das Leben. Die Patienten hatte Glück im Unglück. Im schlimmsten Fall drohen bei einer Wasserüberdosis Koma und Tod – so wie im Fall eines Ironman-Triathleten, der 2015 den Wettkampf wegen seines hohen Wasserkonsums nicht überlebte. Doch wie viel Liter Wasser am Tag sollen es denn sein? Und wie viel Wasser ist zu viel? Dieser Frage sind australische Forscher nachgegangen. Nach ihrer Studie lautet ihr Ratschlag: Trinken Sie einfach immer dann, wenn Sie durstig sind. Demnach verfügt der menschliche Körper über einen verlässlichen Mechanismus, der verhindert, dass man zu wenig oder zu viel trinkt. Während Ersteres durch das Durstgefühl geregelt ist, bewahrt uns eine Abschwächung des Schluckreflexes davor, zu viel zu trinken, so die Forscher. Demzufolge ist nicht wichtig, wie viel wir trinken, sondern dass wir auf unseren Durst achten und ihm folgen. Und das unabhängig von der Örtlichkeit ... ... oder der verfügbaren Wasserquelle. Dabei ist es völlig unerheblich, ob man stilles oder kohlensäurehaltiges Wasser trinkt. Zwar bekommt man oft zu hören, dass die Kohlensäure im Wasser das Kalzium aus den Knochen löse und sie so brüchig werden lasse. Doch an der Behauptung ist laut Experten der Verbraucherzentrale Thüringen nichts dran. Ihnen zufolge hat mit Kohlensäure gepimptes Mineralwasser keine schädlichen Auswirkungen auf den Körper - zumindest nicht bei kerngesunden Personen. Anders sieht das bei jenen aus, die mit Magenverstimmungen kämpfen: Denn die Kohlensäure regt die Bildung von Magensaft an und fördert die Verdauung. So könnte sie die bestehenden Probleme vergrössern. Weil die Bläschen den Magen füllen, können Blähungen und Aufstossen die Folge sein. Betroffene sollten genauso wie Sportler stattdessen besser kohlensäurearmes oder stilles Wasser trinken, raten die Fachleute. Für alle gilt: Hauptsache, es wird dem Körper ausreichend Wasser zugeführt. Dass überhaupt natürliches Mineralwasser mit Bläschen angereichert wird, ist nicht nur den verschiedenen Geschmäckern geschuldet. Es sorgt auch für eine bessere Durchblutung der Mundschleimhaut, regt den Speichelfluss an ... ... und reinigt die Geschmackspapillen im Mund, wodurch wir besser schmecken können. Zudem fördert es die Aufnahme von Nährstoffen. Sprudelndes Wasser eignet sich jedoch nicht nur, um den Durst zu stillen. So findet es häufig auch in Küchen Verwendung – beispielsweise bei der Zubereitung von Saucen und Desserts. Als Zutat kann es beispielsweise Backpulver ersetzen. Dass es heute überhaupt Wasser mit Bläschen gibt, verdanken wir Johann Jacob Schweppe, der in den 1870er-Jahren das Verfahren zur industriellen Herstellung von mit Kohlensäure versetztem Mineralwasser perfektionierte.

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Der Zustand der 13-Jährigen ist kritisch, als sie von ihren Eltern in die Notaufnahme im polnischen Bydgoszcz gebracht wird.

Nicht nur leidet sie seit Tagen unter Kopfschmerzen und muss sich immer wieder übergeben, sie verliert plötzlich auch das Bewusstsein. Mit nur 50 Schlägen pro Minute ist ihr Puls schwach. Auch die Sauerstoffsättigung des Blutes entspricht nicht der Norm. Schliesslich beginnt sie auch noch zu krampfen.

Ratlos verabreichen die Ärzte dem immer noch bewusstlosen Mädchen Beruhigungsmittel und beatmen es künstlich.

Bewusstlos und zu leicht

Bei weiteren Untersuchungen zeigt sich, dass die 1,70 Meter grosse Patientin mit nur 45 Kilogramm stark untergewichtig ist. Die Ärzte vermuten eine Magersucht, wie sie später im Fachjournal «Eating and Weight Disorders» schreiben.

Doch abgesehen davon, bleiben viele Fragen offen: Worunter leidet die 13-Jährige genau? Warum findet sich in ihrem Blut so wenig Natrium? Und warum so wenig Chlorid?

Viele Fragen, keine Antworten

Die Ärzte verabreichen ihrer Patientin verschiedene Medikamente. Die einen sollen allfällige Erreger abtöten, die zwischenzeitlich als Auslöser vermutet werden. Andere sollen die Ausscheidung von Wasser über den Urin fördern. Zudem bekommt sie Kochsalzinfusionen, die ihre Blutwerte zurück in den Normbereich bringen sollen.

Parallel suchen die Mediziner weiter nach der Ursache des Leidens der 13-Jährigen. Während sie immer ratloser werden, erholt sich ihre Patientin zusehends. Schon bald braucht sie keine künstliche Beatmung mehr. Kurz darauf ist sie so stabil, dass sie von der Intensivstation in die Kinderklinik verlegt werden kann.

Deal mit den Eltern als Auslöser

Die Auslöser für die Beschwerden liegen jedoch immer noch im Dunkeln – bis die Eltern Entscheidendes preisgeben.

Im Gespräch mit den Ärzten erzählen sie, wegen des Untergewichts ihrer Tochter sehr besorgt gewesen zu sein. Deshalb hätten sie mit ihr vereinbart, dass sie mindestens 50 Kilogramm wiegen müsse, um weiterhin an ihren geliebten Ballettstunden teilnehmen zu dürfen.

Weil die Eltern das Gewicht auch kontrollierten, hatte die 13-Jährige vor den Wiegeterminen literweise Mineralwasser getrunken, um kurzfristig mehr auf die Waage zu bringen. Am Tag vor der Einlieferung ins Spital seien es vier Liter gewesen, die sie innert kürzester Zeit getrunken habe. Nun war klar: Das Mädchen litt an einer Wasservergiftung.

So gefährlich ist eine Wasservergiftung

Eine solche kann lebensbedrohlich sein: Wird zu viel Wasser konsumiert, gerät der Natriumspiegel im Blut durcheinander. Dem Körper fehlen wichtige Salze, das Gehirn schwillt an. In der Folge kommt es zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Im schlimmsten Fall drohen Koma und Tod.

Wie viel Wasser zu viel ist, variiert von Person zu Person. Laut Forschern der Monash University in Melbourne ist man auf der sicheren Seite, wenn man immer nur dann trinkt, wenn der Durst sich meldet.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Q am 19.02.2019 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Dosis macht das Gift

    Grad letztens hab ich gelesen, dass mann 3 Liter pro tag trinken soll und es vor dem Durstgefühl sein soll?!? Wenn man Durst hat ist es faktisch zu spät. So was jetzt? Am besten springe ich vom Balkon, blöderweise wohn ich im Parterre...

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  • Marco Kälin am 19.02.2019 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für diesen Beitrag

    Auch wenn es einen tragischen Hintergrund hat, es ist gut wurde dieser Beitrag hier gebracht. Ich habe ihn einer Mitarbeiterin empfohlen zu lesen weil sie immer davon spricht das man mindestens 4 Liter Wasser am Tag trinken soll um Gesund zu bleiben. Sie nennt es ausspülen der körpereigenen Giftstoffe! Ich nenne es Humbug! Es ist richtig Wasser dann zu trinken wenn man durst hat und davon nicht übermässig sonder so, dass der Durst weg ist.

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  • Heinz Kalbrechter am 19.02.2019 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern noch richtig im Kopf?

    Warum wundert mich das nicht. Besser wäre es gewesen als Ziel 3 gesunde Mahlzeiten zu setzen als einfach 50kg. Gesunder Menschenverstand Fehlanzeige. Was isst sie als nächstes, Bleiklumpen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • StudMed UniBE am 20.02.2019 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen

    Ajajaj, 4L in 24h - okay aber 4L in etwa 30min - nicht okay. Manchmal wünsche ich mir dass man zuerst das Hirn einschaltet, bevor man etwas schreibt.

  • blah. am 20.02.2019 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ungebildete Kommentare

    Alle die behaupten, dass 4 Liter Wasser ungesund sei, haben den Artikel eindeutig falsch gelesen. Denn Wasservergiftung entsteht, wenn man grosse Mengen Wasser (in diesem Fall 4 Liter) in einer kurzen Zeitspanne (innerhalb 3 Stunden) bzw übermässig Wasser (ca. 6 Liter) trinkt. 4 Liter Wasser sind nicht giftig, wenn man sie durch den Tag trinkt.

  • Beasty Treeman am 19.02.2019 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenken

    Ohweh. Zur Erklärung für euch: 4 Liter in 24 Std. ist okay. 4 Liter in 30min nicht.

  • ChriguBern am 19.02.2019 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Menge ist das Problem

    sondern so viel Wasser auf einmal zu trinken in einer Situation in der der Körper nicht viel Wasser braucht. Auf den Durst zu hören ist manchmal auch falsch, ich war in der Sahara und hatte fast nie Durst. Die Luft war so trocken das wir nie geschwitzt haben, kaum urinierten - und dennoch täglich 4 - 6 Liter Wasser brauchten. Wer länger als 6 Stunden nicht trank riskierte Kreislaufkollaps. Da muss man auf Durst und Verstand hören.

  • Frau am 19.02.2019 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Durst

    Also eines seh ich anders: dass man erst trinken sollte, wenn der Durst sich meldet. Ich habe gelernt, dass es dann eigentlich schon "zu spät" ist. Der Durst signalisiert ein Defizit.