Mutiertes Bakterium

02. Juni 2011 12:58; Akt: 08.06.2011 11:35 Print

EHEC-Erreger ist neuer Bakterienstamm

Der für die Darminfekte verantwortliche EHEC-Keim ist ein mutiertes Colibakterium, das zuvor noch nie gesichtet worden ist. Am Donnerstagabend wurden auch erste Verdachtsfälle in den USA gemeldet.

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Wie wird das Bakterium übertragen? Und wie wirkt es im Körper? Alles rund um EHEC erfahren Sie in der Infografik.

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Die WHO erklärte, vorläufige genetische Untersuchungen hätten ergeben, dass der Stamm eine mutierte Form aus zwei E.-coli-Bakterien ist.

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Die WHO-Expertin für Lebensmittelsicherheit, Hilde Kruse, sagte, ein solcher Stamm sei noch nie bei Patienten isoliert worden. Der neue Stamm weise Merkmale auf, die ihn mehr Giftstoffe produzieren liessen.

Bisher hat EHEC in Deutschland mindestens 17 Menschen das Leben gekostet. Im Lauf des Donnerstags hat Russland ein Importstopp für Gemüse aus der EU verhängt, worauf es von der EU-Kommission zu einer Erklärung aufgefordert worden ist. Der Entscheid der russischen Behörden sei «unverhältnismässig», sagte der für Gesundheit zuständige Sprecher der EU-Kommission, Frederic Vincent, am Donnerstag in Brüssel.

Russland wird für Importstopp kritisiert

«Die Kommission wird einen Brief an die russischen Behörden schreiben, um eine Erklärung zu verlangen.» Pro Jahr werde frisches Obst und Gemüse im Wert «zwischen drei und vier Milliarden Euro» nach Russland exportiert, in erster Linie Äpfel.

Russland reagierte mit der Massnahme auf die Ausbreitung des Darmkeims EHEC. Der Leiter der Konsumentenschutzbehörde, Gennadi Onischtschenko, sagte, das Einfuhr-Verbot für frisches Gemüse aus allen EU-Ländern sei am Donnerstagmorgen in Kraft getreten.

Bereits eingeführtes Gemüse solle im ganzen Land aus den Regalen genommen werden, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax. Am Montag hatte Russland bereits ein Importstopp für Gemüse aus Deutschland und Spanien verhängt. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben einen vorübergehenden Importstopp für Gurken aus Deutschland, Spanien, Dänemark und den Niederlanden verhängt.

Gesundheitswarnung aufgehoben

Die EU-Kommission hatte erst am Mittwochabend eine Gesundheitswarnung vor spanischen Gurken aufgehoben. Tests in Deutschland hatten ergeben, dass es sich bei den auf einigen Gurken gefundenen Bakterien nicht um den Auslöser der schweren Erkrankungen handelt. «Die jüngsten Ergebnisse haben gezeigt, dass das spanische Gemüse nicht der Grund für den Ausbruch von EHEC in Deutschland und anderen Mitgliedsstaaten ist.»

Falls ein Staat kontaminierte Lebensmittel entdeckt, kann er über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel (RASSF) eine entsprechende Mitteilung an die anderen EU-Länder geben.

Vor allem in Deutschland, aber auch in mindestens acht weiteren europäischen Ländern sind daran seit Mitte Mai mehr als 1500 Menschen erkrankt, 17 Patienten starben. In Russland wurden bislang keine der gefährlichen Darminfektionen registriert.

Ansteckungen in den USA

Auch in den USA gibt es EHEC-Verdachtsfälle. Vermutlich hätten sich drei Menschen, die Deutschland besucht hätten, mit dem Darmkeim infiziert, teilte ein Sprecher der US- Gesundheitsbehörde CDC am Donnerstag mit. In Grossbritannien sind sieben EHEC-Infektionen bestätigt, wie die britische Gesundheitsbehörde mitgeteilt hat. Fast alle Infizierten hätten kürzlich Deutschland besucht. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt. Die Gesundheitsbehörde betonte jedoch, es gebe keine Hinweise, dass die Menschen sich in Grossbritannien angesteckt hätten. Die Lebensmittelbehörde teilte mit, es seien keine kontaminierten Lebensmittel importiert worden.

Die Suche nach der Quelle der Ansteckung geht unterdessen weiter. EU-Gesundheitskommissar John Dalli hatte Deutschland zuvor aufgerufen, seine Bemühungen zu verstärken, um rasch die Infektionsquelle zu finden.

Spanier kippen Gemüse vor Botschaft

Aus Verärgerung über die deutschen Warnungen vor spanischen Gurken haben Bauern in Valencia rund 300 Kilo Gemüse vor dem deutschen Konsulat in Valencia abgeladen. Darunter Kohl, Tomaten, Gurken, Paprika und andere Produkte.

Die falschen Schuldzuweisungen seien verheerend für ihre Glaubwürdigkeit und daher auch für ihre Exporte in den Rest Europas, sagten die Landwirte.

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ILOVENOUR am 03.06.2011 02:56 Report Diesen Beitrag melden

    Angst und Panik

    Die gefährlichste Mutation von Bakterien heisst ANGST, kommt dazu noch eine Infektion mit PANIK, dann wird es kritisch. Wie wäre es mit Zuversicht und Gottvertrauen als Alternative?

  • Ratatouille am 02.06.2011 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Gemüse ist nicht

    EU-kontaminiert, hoffentlich.

  • 807687 am 02.06.2011 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch klar!

    Lieber strahlen die Russen als dass sie mit ehec-Infekten darniederliegen. Nur: Man könnte ja ein Gross-Experiment machen: Was ist stärker: ehec oder Radioaktivität?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gärtner am 03.06.2011 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Warum kommen Darmbakterien auf Gemüse? Warum gefällt es ihnen dort? Früher, als man noch Gemüse vom Dorf gegessen hat, war das nicht ein internationales, schwer eruierbares Problem - mit der heutigen Globalisierung (Transporte) und Lebensmittelindustrie (Verarbeitung, Zusätze) schon.. Wieso EHEC nicht einfach an der Grenze verbieten oder ausschaffen?

  • Hans Bauer am 03.06.2011 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gentech-Labor?Kampfstoff?Geldgier?

    Es sei ein Klon eines Hybriden, sagt die Wissenschaft. Meinem bscheidenen Wissen nach sind Hybriden Kreuzungen zweier verschiedener Elternrassen. Bakterien aber vermehren sich ungeschlechtlich durch Zellteilung. Dabei sind Mutationen möglich, aber keine Kreuzungen verschiedener Eltern. Kreuzungen können nur durch menschliches Zutun, sprich Gentechnologie, entstehen. Bei F1-Hybriden, also Nachkommen verschiedener Elternrassen in der ersten Generation, können bestimmte Eigenschaften verstärkt werden (Heterosis-Effekt). Z.Bsp. die Produktion von Giftstoffen.

    • der name am 03.06.2011 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      mikrobiologie...

      neeee du, bakterien vermehren sich zwar schon durch zellteilung, haben aber diverse mechanismen um genetisches material auszutauschen (schau auf wikipedia den artekel 'bakterien' und dort den unterabschnitt 'gentransfer' an...) - die schaffen das ganz ohne gentechnik! nicht zuletzt wegen der unzähligen mechanismen die bakterien zur vermehrung und zum gentransfer besitzen machen sie zu solch unglaublich überlebensfähigen organismen... und gerade weil sie sich so schnell teilen und ihr genmaterial austauschen ist 'ihre evolution' im gegensatz zu der 'unseren' so schnell.

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  • Felix am 03.06.2011 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Bio-Labor?

    Und woher komt ein mutiertes Coli-Bakterium? Aus so einem versch.. Biowaffen-Labor? Geld und Macht ist die Triebfeder für solches Tun!

  • ILOVENOUR am 03.06.2011 02:56 Report Diesen Beitrag melden

    Angst und Panik

    Die gefährlichste Mutation von Bakterien heisst ANGST, kommt dazu noch eine Infektion mit PANIK, dann wird es kritisch. Wie wäre es mit Zuversicht und Gottvertrauen als Alternative?

  • Sprichwörtlich am 02.06.2011 23:07 Report Diesen Beitrag melden

    Saure Gurken und Enten für Vogelgrippe

    ja da liegen die Medien so nahe an der Wahrheit wie sonst selten. :-)