Fatale Darmerkrankung

07. Juni 2011 06:56; Akt: 08.06.2011 11:24 Print

22 EHEC-Tote in Deutschland

Der aggressive Darmkeim EHEC hat mittlerweile 22 Menschen in Deutschland getötet. Die deutschen Spitäler kommen an die Grenzen - und verlangen finanzielle Hilfe.

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Ein Hof in Niedersachsen ist wegen möglicherweise kontaminierten Sprossen im Visier der Gesundheitsbehörden. (Bild: Keystone/AP)

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fürchtet wegen der zahlreichen Erkrankungen mit dem Darmbakterium EHEC eine finanzielle Überforderung der Kliniken. «Ich appelliere an die Politik angesichts der EHEC-Epidemie, die geplanten finanziellen Kürzungen für die Krankenhäuser zurückzunehmen», sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum der Düsseldorfer «Rheinischen Post».

Baum sagte, die Epidemie zeige, wie wichtig es sei, in den Krankenhäusern Kapazitäten an Betten und Personal vorzuhalten, um solche schwierigen Situationen zu meistern. Derzeit könne die Lage nur bewältigt werden, weil die Kliniken untereinander Personal austauschten. «Die Kliniken machen heute alles, was für die Versorgung der Erkrankten notwendig ist - ohne Rücksicht darauf, ob sie ihre Leistungen am Ende von den Krankenkassen auch vergütet bekommen», sagte Baum.

630 Personen an HUS erkrankt

Bundesweit ist die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen nach Angaben des Robert-Koch-Institutes seit Anfang Mai auf 22 gestiegen. Demnach starben 15 Menschen im Zusammenhang mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Sieben weitere Todesopfer waren mit EHEC infiziert. Die meisten Toten gibt es den Angaben zufolge in Niedersachsen (6) gefolgt von Schleswig-Holstein (5) und Nordrhein-Westfalen (4). Die Zahl der übermittelten Fälle sei seit Anfang Mai auf über 1.600 gestiegen. An dem gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) seien inzwischen 630 Personen erkrankt.

Unterdessen geht die Suche nach der Infektionsquelle für den gefährlichen Darmkeim weiter: Bei ersten Proben aus einem Betrieb in Niedersachsen war nach Angaben des Gesundheitsministeriums kein EHEC-Erreger nachgewiesen worden. Die Ergebnisse weiterer Proben werden am Dienstagnachmittag erwartet.

Kein Nachweis in Sprossen

Hinweis auf die Ursache der Darmerkrankung gibt es immer nch keine. Auch die am Montag in Hamburg abgegebene alte Sprossen-Packung aus dem verdächtigten Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel enthält keine EHEC-Erreger. Das habe die Untersuchung durch das Institut für Hygiene und Umwelt ergeben, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag in der Hansestadt.

Ein an EHEC erkrankter Hamburger hatte die Packung mit Ablaufdatum 23. April in seinem Kühlschrank gefunden und am Montagmorgen im Bezirksamt Eimsbüttel abgegeben. Die 100-Gramm-Packung der Mischung «Milde Sprossen» stammte aus dem Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel. Durch die Kontrolle der Lieferwege waren die niedersächsischen Behörden am Wochenende auf die Spur der Sprossen als möglichem EHEC-Verursacher in der Gärtnerei im Landkreis Uelzen gekommen.

Der 42-Jährige war Anfang Mai an dem gefährlichen EHEC-Erreger erkrankt und in einem Krankenhaus in Lüneburg behandelt worden. Inzwischen ist er wieder gesund.

Aigner verteidigt Krisenmanagement der Behörden

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) verteidigte indes das Vorgehen der Behörden bei der Bewältigung der EHEC-Erkrankungen gegen Kritik aus der Opposition. «Das Krisenmanagement funktioniert - die Behörden konzentrieren alle ihre Kräfte auf die Bekämpfung dieser Epidemie», sagte Aigner der «Saarbrücker Zeitung. Jetzt sei auch nicht die Zeit für Föderalismusdebatten.

Aigner sagte, tausende Landwirte und Betriebe seien von dramatischen Umsatzeinbrüchen betroffen. Sie hätten hochwertige Produkte hergestellt und verantwortungsvoll gewirtschaftet. Beim Sondertreffen der EU-Agrarminister am (heutigen) Dienstag in Luxemburg werde es daher auch um Hilfen gehen. »Diese Betriebe brauchen jetzt unsere Unterstützung«, sagte Aigner.

Die EU will die von der EHEC-Krise betroffenen Obst- und Gemüseproduzenten finanziell unter die Arme greifen. Agrarkommissar Dacian Ciolos wollte nach Angaben von Kommissionssprecher Roger Waite auf dem Sondertreffen konkrete Vorschläge machen.

Schweiz marginal betroffen

In der Schweiz wurde gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) bei drei Menschen der neuartige EHEC-Erreger nachgewiesen. Alle drei waren vor ihrer Infektion in Deutschland.

Seit vergangenem Freitag habe es keine neuen Fälle mehr gegeben, hiess es am Montag beim BAG. Die Lebensmittel in der Schweiz seien sicher.

(sda)