Aus Versehen

05. Januar 2016 14:27; Akt: 05.01.2016 15:00 Print

30 Menschen pro Tag vergiften sich mit Pillen

Über 11'000 Menschen suchten letztes Jahr bei der Schweizer Giftberatungsstelle Hilfe, weil sie Medikamente falsch eingenommen hatten. Fast die Hälfte der Fälle betraf Kinder.

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Nachlässige Aufbewahrung ist gefährlich: Recycling alter Medikamente in der Firma EcoServe aus Zürich. (13.6.2013) (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Die Giftberatungsstelle erhielt im letzten Jahr so viele Anrufe wie noch nie. 38'396 Hilfesuchende wählten die Notfallnummer 145. Rund sieben von zehn Anrufen betrafen Vergiftungen mit Medikamenten oder Haushaltsprodukten.

In absoluten Zahlen gingen 2015 über 11'000 Anrufe allein wegen Medikamentenvergiftungen ein, wie die nationale Beratungsstelle Tox Info Suisse mitteilte. Das seien auffallend viele. Täglich vergifteten sich in der Schweiz 30 Personen mit Medikamenten. Fast die Hälfte davon seien Kinder, die meisten im Vorschulalter.

Knapp zwei Drittel der Medikamentenvergiftungen geschehen unfallmässig, unbeabsichtigt und versehentlich, schreibt die Giftberatungsstelle. «Verursacht werden solche Unfälle durch unsorgfältigen Gebrauch oder nachlässige Aufbewahrung.» Ein Drittel der Vergiftungen sind dagegen beabsichtigt, vor allem als Suizidversuche.

Elf Tote

Da Medikamente hochwirksame Substanzen sind, verlaufen solche Vergiftungen überdurchschnittlich schwer. Mindestens elf Menschen seien im vergangenen Jahr in der Schweiz an einer Vergiftung gestorben, sagte Tox-Info-Suisse-Direktor Hugo Kupferschmidt auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Zahl der Todesfälle bewege sich damit etwa auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Die meisten tödlichen Fälle seien auf Medikamentenvergiftungen zurückzuführen. Weitere Details zu den Verläufen würden Mitte Jahr bekanntgegeben.

Kontinuierliche Zunahme von Fällen

Insgesamt nahm die Zahl der Beratungen zu Vergiftungen in den vergangenen 50 Jahren kontinuierlich zu – von 2000 auf über 38'000. Im Jahr 2015 erfolgten über 90 Prozent der Anfragen aufgrund eines Giftkontakts, während weniger als zehn Prozent präventive Anrufe waren.

Die Notfallberatung, die neu auch via App erreichbar ist, steht Patienten sowie Ärzten kostenlos rund um die Uhr zur Verfügung. In knapp zwei Dritteln der Fälle werden die Betroffenen oder ihre Angehörigen direkt beraten.

(ij/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zitrone am 05.01.2016 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Beipackzettel lesen

    Mein Augenarzt verschrieb mi ein Glaukom-Medikament, ich müsse es zweimal täglich, morgens und abends, einnehmen. Das habe ich etwa 6 Monate so gemacht. Wegen einer Ferienabwesenheit musste ich zu einem Stellvertreter in die Kontrolle. Als ich dieser STV gesagt habe, dass ich Medikament XY zweimal täglich einnehmen muss, hat der grosse Augen gemacht und mir sofort etwas anderes verschrieben. Man durfte es nur einmal täglich nehmen. Den Augenarzt habe ich gewechselt, und seither lese ich immer zusätzlich selber nach, wie ein Medikament einzunehmen ist...

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  • Pralinchen am 05.01.2016 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    Mich erschteckt vor allem dad mit den Vorschulkindern. Jede verantwortungsvolle Mutter oder Vater schließt Medikamente und andere Gifte für Kinder unerreichbar weg...

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  • O. B. am 05.01.2016 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    1 ist gut, dann sind 2 wohl besser...

    ... eigentlich sollte man meinen, dass in der heutigen Zeit alle Wissen, dass zuviel des Guten auch wieder schlecht ist... Liebe Leute nehmt Warnungen auf Packungen ernst! Sogar Vitamintabletten sind giftig wenn man diese wie Smarties einwirft...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Käse am 06.01.2016 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Lesen

    Man sollte den Herstellern verbieten die Verpackungsbeilagen in Landessprache zu verfassen. Dann würden es wohl die meisten verstehen.

  • Lena Sommer am 06.01.2016 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr ohne Medis?

    Ist ja erschreckend. Schütten denn soviele Pillen in sich hinein? Da ist ja grauenhaft für jede Psychose und jeden Tick ein Tablettchen. Kein wunder kostet die KK soviel. Liebe Eltern es gibt Arzneikasten mit Schloss- ganz einfach. Aber bitte auch Schnaps wegschliessen

    • Mr. Phil am 06.01.2016 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schlechtes Beispiel

      Ich hoffe schwer, dass man eine Psychose rechtzeitig erkennt und behandelt. bevor sie sich manifestiert. Aber grundsätzlich weiss ich, was sie meinen.

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  • susi am 06.01.2016 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aufpassen

    Die Ärzte verschreiben zum grössten Teil Medis, die so gravierende Nebenwirkungen haben können, da verschlägt es einem die Sprache! Es gibt viele gute Grossmutterrezepte, die bei leichten Erkältungen und Husten super wirken. Ich lese immer zuerst die Packungsbeilage, wenn mir die Nebenwirkungen zu krass sind, sage ich dies dem Arzt!

    • Walter Spahni am 06.01.2016 09:51 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn man die Nebenwirkungen auf der

      Packungsbeilage alle liest, nimmt man das Medikament nicht mehr!

    • Mr. Phil am 06.01.2016 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Könnte, kann, muss nicht

      Packungsbeilagen sind so eine Sache. Neben ernstzunehmenden Hinweisen, stehen dort sehr viele Sachen aufgelistet, die zu 99.999% nicht eintreffen werden. Es geht hier um rechtliche Absicherung. Das ist etwa so, als würde man auf auf eine Packung Shrimps schreiben, dass die Einnahme zum anaphylaktischen Schock bis hin zum Tod führen kann, obwohl das nur Menschen mit einer schweren Krustentierallergie betrifft. Ärzte wissen das und handeln auch dementsprechend.

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  • walti am 06.01.2016 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt jetzt?

    und die fahren mit diesen medis auch noch auto? da ist alkohol wohl weniger gefährlich.

    • weedinator am 06.01.2016 17:08 Report Diesen Beitrag melden

      Gras

      Alkohol und Medikamente = Legal autofahren Gras = Verboten, auch wenn ein Tag vorher geraucht wurde.. Merkt ihr was?

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  • Aspirin am 05.01.2016 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No media

    Ich nehem seit 2 jahren keine medikamente und ich fühle mich SUPER!

    • Insulin am 06.01.2016 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aspirin

      Zeigen Sie mir wie das geht bei einem insulpflichtigen Diabetiker? meine Bauchspeicheldrüse ist seit gut fünfzehn Jahren kaputt.

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