Pro Jahr

06. November 2018 15:49; Akt: 06.11.2018 15:49 Print

33'000 Tote wegen resistenter Bakterien

Bakterien werden zunehmend immun gegen Antibiotika. Die Folgen sind laut einer Studie so schlimm wie die von Grippe, Tuberkulose und HIV zusammen.

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In Europa sterben jedes Jahr etwa 33'000 Menschen aufgrund einer Infektion mit resistenten Bakterien. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Viele Erkrankungen mit antibiotikaresistenten Keimen wurden in Spitälern und anderen Einrichtungen des Gesundheitssystems festgestellt. Wie die Keime in die Spitäler kommen und wie sie sich dort ausbreiten, hatten US-Forscher bereits vor einiger Zeit untersucht. Die Analyse wurde im neu eröffneten Center for Care and Discovery der Universität Chicago durchgeführt. Dort fanden die Forscher ideale Bedingungen für ihre Arbeit vor: Sie konnten schon zwei Monate vor Aufnahme des Spitalbetriebs mit ihren Untersuchungen beginnen. Insgesamt nahmen sie während zwölf Monaten mehr als 10'000 Proben. Die Forscherr machten Abstriche von den Händen, aus der Nase sowie den Achseln der Patienten ebenso wie von den Oberflächen, welche sie wahrscheinlich berührt hatten. Hinzu kamen Proben vom Boden der Zimmer und den Luftfiltern. Auch das Pflegepersonal wurde untersucht. Dabei stellten die Forscher fest, dass sich unmittelbar nach Beginn des Klinikalltags Mikroben wie ... ... Corynebakterien, ... ... Staphylokokken und ... ... Streptokokken ausbreiteten. Die Aufnahme jedes neuen Patienten veränderte zudem die Zusammensetzung der Bakterien in seinem Zimmer. Die Forscher nahmen 92 Patienten genauer unter die Lupe, die über längere Zeit in dem Spital waren. Bei ihnen wurden potenziell schädliche Bakterien gefunden, die mit der Zeit Gene entwickelten, welche Resistenzen gegen Antibiotika fördern und Infektionen begünstigen können. Vor allem Staphylococcus aureus ist in seiner multiresistenten Form als Spitalkeim MRSA bekannt und gefürchtet: Während er für gesunde Menschen ungefährlich ist, ist er für etwa 30 Prozent aller Spitalinfektionen verantwortlich.

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Etwa 33'000 Menschen sterben europaweit jährlich infolge von Antibiotika-Resistenzen. Gegen die Bakterien, mit denen sie infiziert sind, gibt es kein wirksames Antibiotikum mehr.

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Die Zahl solcher Todesfälle steige seit 2007, zwischen einzelnen Ländern gebe es teils erhebliche Unterschiede, berichtet eine internationale Forschergruppe im Fachblatt «The Lancet Infectious Diseases». Sie beziehen sich auf Daten eines europäischen Netzwerks zur Beobachtung antimikrobieller Resistenzen (EARS-Net, siehe Box).

Bei Patienten, die sich mit resistenten Keimen infizieren, schlagen die entsprechenden Antibiotika nicht an. Teils werden noch wirksame Antibiotika auch zu spät verabreicht, weil die Resistenzen nicht frühzeitig genug erkannt werden. Auch an sich harmlose Infektionen können dann schwer, schlimmstenfalls tödlich verlaufen.

Auch Reserveantibiotika versagen

Laut der Studie traten im Jahr 2015 knapp 672'000 Infektionen mit den untersuchten Bakterien auf, 33'110 Menschen starben daran. Etwa drei Viertel der Erkrankungen mit antibiotikaresistenten Keimen wurden in Spitälern und anderen Einrichtungen des Gesundheitssystems festgestellt, wie die Forscher berichten. In 39 Prozent der betrachteten Fälle seien die Patienten mit einem Keim infiziert gewesen, gegen den auch Reserveantibiotika nichts mehr ausrichten können. Die Behandlung einer Infektion ist dann nur noch sehr schwer, teils gar nicht mehr möglich.

«Die Zahlen entsprechen etwa dem, was wir erwartet haben», sagte Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Berliner Charité. «Die Forscher haben das solide und sorgfältig berechnet, aber grundsätzlich sind solche Modellierungen natürlich mit einigen Unwägbarkeiten behaftet.» So seien die Meldesysteme für auftretende Resistenzen in einzelnen Ländern unterschiedlich repräsentativ, auch die Studiendaten variierten in Qualität und Verfügbarkeit.

Gehäuft in Griechenland und Italien

Grundsätzlich ist die Situation in den skandinavischen Ländern besser, in den Ländern Süd- und Südosteuropas eher problematisch, wie die Analyse belegte. Besonders viele Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern gibt es demnach in Griechenland und Italien.

Grundsätzlich seien alle Altersgruppen von Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen betroffen, schreiben die Forscher in dem Fachmagazin weiter. Besonders häufig seien sie aber bei Kleinkindern unter einem Jahr sowie bei älteren Menschen über 65 Jahren.

Gemeinsame Anstrengungen nötig

Um die Situation zu verbessern, seien gemeinsame Anstrengungen nötig. Antibiotika sollten nur dann verschrieben und eingenommen werden, wenn sie wirklich nötig sind. Zudem müssten bestehende Hygienevorschriften, vor allem in Spitälern, eingehalten werden. Schliesslich brauche es mehr Forschung, um neue antibiotisch wirkende Substanzen zu entwickeln.

Auch die Schweiz kämpft gegen die multiresistenten Keime im Zuge der Nationalen Strategie Antibiotikaresistenzen. So wird das Bundesamt für Umwelt am kommenden Freitag über den Stand der Umsetzung und die Lancierung einer Bevölkerungskampagne informieren.

(fee/20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lady in Black am 06.11.2018 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tabuthema Tod

    Nun, wir sind nun mal nicht unsterblich! Irgend eine Todesursache muss es ja geben. Geniessen wir das Leben, solange wir können - kein Mensch weiss, wann das ändert!

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  • Caro am 06.11.2018 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AB-Verschreibung zu häufig

    Tja, das kommt davon, wenn die Hausärzte meinen, sie müssen immer direkt ABs verschreiben...

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  • S@m.W am 06.11.2018 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha!

    Wenn man wegen jeder Kleinigkeit Antibiotika schluckt wunderts mich nicht

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mary J am 07.11.2018 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt Alternativen

    Mein Tipp: kolloidales Silberwasser, kann man kaufen oder selber machen, Geräte bekommt man online, ist ohne Nebenwirkung und hilft bei allen bakteriellen Problemen! Habe meine Blasenentzündung damit selbst kuriert! Ansonsten sollte man zu alten Dingen wie den Phagen zurück kehren, Ostländer arbeiten oft noch damit!!!

    • Cain am 07.11.2018 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mary J

      Sie scherzen, oder? Ansonsten hoffe ich für Sie, dass sie an keinem ernstzunehmenden Bakterium erkranken.. wenn es nicht mit dem Silber verschwindet könnte es übel ausgehen.

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  • angehender am 07.11.2018 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    33'000 auf

    7,6 mia menschen, das ist sehr sher wenig! was wollt ihr? mit dem ersten atem zug auf erden, beginnt zugleich der alterungs und verwesungsprozess eines jeden!

    • @angehender am 07.11.2018 18:02 Report Diesen Beitrag melden

      EUROPAWEIT; nicht weltweit

      In Europa wohnen keine 7,6 Mia. Menschen, angehender..!

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  • bruno am 07.11.2018 05:09 Report Diesen Beitrag melden

    am meisten Todesfälle wegen der Arbeit

    daran sollte man doch mal denken. an ,beim oder wegen der arbeit sterben die meisten menschen !

  • KHF am 07.11.2018 04:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logik

    Wenn die Reserve-Antibiotika in der Landwirtschaft hemmungslos eingesetzt werden, braucht es nicht zu wundern, dass sie dann bei den Menschen im Ernstfall nicht mehr wirken. Und das Ganze ist auch noch legal. Das System ist krank.

  • Universum am 06.11.2018 23:27 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich ist es soweit

    Die Menschheit stirbt endlich aus ! Juhuiiii.....

    • René B. am 06.11.2018 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Universum

      Du wirst es aber nicht erleben. ;-)

    • firesnake am 07.11.2018 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @René B.

      Erleben schon, aber nicht überleben

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