Coronavirus

18. März 2020 19:16; Akt: 18.03.2020 22:54 Print

Die meisten Infizierten wissen nichts davon

Dass sich das Coronavirus so schnell ausbreiten kann, liegt daran, dass die meisten Betroffenen nichts von ihrer Infektion wissen. Darum ist Abstand halten so wichtig.

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In China wurden bis Ende Januar sechs von sieben Ansteckungen mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 nicht erkannt. Diese unerkannten Fälle zeigten zwar nur milde oder gar keine Symptome, waren aber für mehr als zwei Drittel aller Ansteckungen verantwortlich, wie US-Forscher schreiben. Das besserte sich erst, als China den Lockdown anordnete und ... ... massiv mehr testete. Damit konnten bald über 65 Prozent der Ansteckungen identifiziert werden. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Eindämmung der Pandemie war gemacht. Überträgt man die Ergebnisse der Studie auf die Schweiz, könnte es hierzulande statt 3000 bereits mehr als 30'000 Infizierte geben. Ohne dass die grosse Mehrheit von ihrer Ansteckung etwas wüsste. Und deshalb munter die Viren weiterverteilt, wenn sie nicht Abstand hält. (Im Bild: Menschengruppen auf der kleinen Schanze in Bern am 18. März, zwei Tage nachdem der Bundesrat den Notstand ausgerufen hat.) Wollen wir Zustände wie in Italien vermeiden ... ... reicht es nicht mehr, in die Ellenbeuge zu husten und sich die Hände regelmässig zu waschen und zu desinfizieren. Am 16. März hat der Bundesrat deshalb den Notstand verfügt. Durch diese massive Einschränkung des öffentlichen Lebens sollen die Menschen in der Schweiz auf Abstand gehalten werden. Unterstützt werden die offiziellen Bemühungen auch online – durch den sogenannten #coronacodex oder Hashtags wie #staythefuckhome und #flattenthecurve. Dies, um die exponentielle Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu unterbinden. Denn wie problematisch die Corona-Krise hierzulande wird, hängt vor allem davon ab, wie viele Fälle aufs Mal auftreten. In anderen Worten: Verbreitet sich das Virus weiterhin so rasant ... ... wird es das Gesundheitssystem in die Knie zwingen. Besser wäre es, wenn die Infektionen gestaffelt auftreten würden. Dann könnten alle Betroffenen die Hilfe bekommen, die sie benötigen. (Im Bild: Beispielkurven, einmal ohne (rot) und einmal mit (gelb) Social Distancing.) Und die Überlebenschancen für jeden Einzelnen würden steigen. Die Bedeutung des Abstandhaltens ist mittlerweile bei vielen Menschen angekommen, wie der Blick in die sozialen Medien zeigt. So fordern sich die User auf unterschiedliche Weisen dazu auf, ihren Beitrag zu leisten. Schliesslich ist es wichtig, dass das Tempo aus der Ausbreitung von Sars-CoV-2 genommen wird. Und das ist – so der Tenor im Netz – bereits ohne viel Aufwand möglich. Mann muss nur zu Hause bleiben. Welchen Unterschied das sogenannte Social Distancing macht, zeigt der Blick auf die Spanische Grippe (1918/19), der weltweit zwischen 20 und 40 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Einige Städte wie St. Louis im US-Bundesstaat Missouri schränkten das soziale Leben in weiten Teilen ein und bekamen das Virus so in den Griff. In Gegenden wie in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania, in denen dies nicht passierte, breitete sich das Virus dagegen weiter aus und tötete zahlreiche Menschen. Dort hatte man trotz des um sich greifenden Virus etwa noch eine Parade stattfinden lassen.

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Die Zahl der bestätigten weltweiten Covid-19-Fälle hat die 200'000er-Marke überschritten. Doch die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher liegen. Für jeden Fall dürfte es fünf bis zehn weitere geben, die unerkannt bleiben, wie die «New York Times» schreibt. Und diese unbemerkten Infektionen, obwohl weniger ansteckend, dürften für die mehr als zwei Drittel der Infektionen verantwortlich sein, wie Forscher im Fachjournal «Science» schreiben.

Für die Studie erstellten sie ein Modell der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 basierend auf Zahlen aus 375 chinesischen Städten inklusive Wuhan, die bis zum 23. Januar erhoben wurden. Danach verhängte die chinesische Regierung ein Reiseverbot und begann rigoros zu testen.

Für die meisten Fälle verantwortlich

Es zeigte sich, dass in dieser Zeit sechs von sieben Fällen oder 86 Prozent der Fälle unbemerkt blieben. Jeffrey Shaman von der Columbia-Universität in New York und Co-Autor der Studie sagte in einer Mitteilung: «Die Explosion der Covid-19-Fälle in China wurde hauptsächlich durch Personen mit milden, eingeschränkten oder Symptomen, die unerkannt blieben, vorangetrieben.»

«Unerkannte Fälle können viel grössere Teile der Bevölkerung dem Virus aussetzen, als das sonst der Fall wäre», so Shaman weiter. «Diese verborgenen Übertragungen werden weiterhin eine enorme Herausforderung für die Eindämmung dieses Ausbruchs darstellen.»

30'000 Fälle in der Schweiz?

Die Studie ist eine der ersten, die sich mit der Frage beschäftigte, wie viele Menschen infiziert herumlaufen und wie ansteckend diese sind. Auf die Schweiz übertragen, bedeuten die Ergebnisse, dass es hierzulande bereits über 30'000 Fälle geben könnte und die Mehrheit nichts davon weiss und so die Viren unkontrolliert verbreiten kann. Die Studie gibt damit dem Gebot der Stunde, Abstand halten, weiteres Gewicht.

Denn obwohl die unbemerkten Fälle milder waren, bedeutet das nicht, dass von ihnen angesteckte Personen ebenfalls nur milde Symptome zeigen. «Nur weil man die Krankheit von jemandem mit milden Symptomen bekommt, heisst das nicht, dass man auch nur milde Symptome hat. Man kann trotzdem auf der Intensivstation enden», so Shaman.

Mehr Tests

Die Forscher betonen, dass es unabdingbar sei, im Westen die Tests massiv auszuweiten, wie das in China und auch in Südkorea geschehen ist, wo die Fallzahlen im Gegensatz zu Europa kaum noch zunehmen. In Wuhan konnten mit Beginn des Lockdowns und der Ausweitung der Tests die Mehrheit der Fälle, etwa 65 Prozent, ausfindig gemacht werden. Zuvor waren es gerade einmal 14 Prozent.

Wenn man nicht aktiv möglicherweise infizierte Personen suche und sie teste, bleibe die Mehrheit der Ansteckungen unbemerkt, erklärte Shaman während einer Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung der Studie laut QZ.com.

Die Erkenntnisse der Studie sprechen laut den Forschern dafür, dass es eine massive Steigerung bei der Bestimmung und der Isolierung von derzeit noch nicht erfassten Fällen brauche, um Sars-CoV-2 vollständig unter Kontrolle zu bringen.

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(jcg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sara am 18.03.2020 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie.?

    Wie soll man Abstand halten wenn der Arbeitgeber uns zwingt im gleichen Büro etc zu arbeiten.?

    einklappen einklappen
  • Gallens am 18.03.2020 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unterschäzt

    Jetzt geht es richtig los. Wir alle haben es alle total unterschätzt

    einklappen einklappen
  • Milco Nardo am 18.03.2020 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ichbleibezuhause

    Darum sollte man zu Hause bleiben!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfred A. am 25.03.2020 05:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wie will man es den wissen

    Wie will man denn wissen können ob man infiziert ist oder die Infektion bereits ohne nennenswerte Beschwerden überstanden und somit Antikörper, die vor einer Zweitansteckung schützen, gebildet hat? Getestet wird derzeit nach Richtlinie BAG nur auf dringenden Verdacht, nicht aber aus Gründen der reinen Vorsorge. Mich würde es sehr interessieren ob sich bei mir bereits Antikörper gebildet haben oder ob die leichten Beschwerden Ende Februar doch nur durch einen grippalen Infekt verursacht wurden.

  • Maria am 22.03.2020 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ünmoglich...

    Wie kann Abstand halten die Leute die in Kuche arbeiten ?

  • Avigan am 22.03.2020 02:56 Report Diesen Beitrag melden

    Die Chinesen haben es besser gemacht.

    Diesen Sommer nicht in die Badi gehen. Die Sommerferien im Spital verbringen anstatt in Italien. Tolle Perspektiven. Vermutlich werden viele Altersheime mangels Insassen schliessen müssen (alle tot). Häuserpreise werden massiv einbrechen, weil es wegen der vielen Toten zu viele Häuser und Wohnungen haben wird.

  • Rinor am 21.03.2020 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Wie soll man auf den Baustellen abstand halten wenn die zusammen Arbeit das A und O ist

  • Leser am 21.03.2020 01:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrscheinlich noch mehr

    Wahrscheinlich gibt es nicht nur 30'000 Infizierte sondern sogar 300'000. Dies hätte den Vorteil, dass bereits mehr Leute Antikörper besitzen, für den Herdenschutz sind es aber immer noch zu wenig. Deshalb werden diese Massnahmen noch den ganzen Sommer so weiter gehen, freut euch darauf.