Übergewichtige Haustiere

25. Februar 2011 14:01; Akt: 24.04.2012 14:20 Print

Ach du dicker Hund

von Runa Reinecke - In den USA sind mehr als die Hälfte aller Haustiere übergewichtig. Doch wer jetzt schadenfroh über den grossen Teich schielt, der sollte zuvor lieber seinen eigenen Vierbeiner kritisch unter die Lupe nehmen.

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Diese Tiere kommen ganz gross raus - einige davon zu gross.

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Herzig ist er schon, der kleine Bob. Leider aber auch bemitleidenswert: Mit seinem kugelrunden Rumpf erinnert er an eine Wassermelone mit Beinen. Die winzigen Extremitäten verschwinden unter dem wuchtigen Körper des nur noch schwerlich als Rauhaardackel zu identifizierenden Tiers. Beim Gassigehen mit Frauchen keucht er, das Atmen fällt dem deformierten kleinen Kerl längst schwer.

Bob ist stark übergewichtig, genau wie viele andere Haustiere in den USA. Einer neuen Studie der Association for Pet Obesity (APOP) zufolge sind jenseits des grossen Teichs 53 Prozent aller Katzen und 55 Prozent aller Hunde übergewichtig oder sogar stark übergewichtig. Ein gefährlicher Trend, der sich – davon muss man leider ausgehen – fortsetzt. Gemäss einer vorangegangenen Erhebung galten im Jahr 2007 nur 19 Prozent der Katzen und 10 Prozent der Hunde in den Vereinigten Staaten als übergewichtig.

Das Schweizer Heimtier legt zu

Auch die Schweizer Fidos und Mius werden immer rundlicher. Ganze 15 Prozent aller Schweizer Haustiere sind adipös, also stark übergewichtig, wie es in einem Artikel von «Pro Tier» heisst. Wer kann seinem traurig dreinblickenden Vierbeiner schon etwas abschlagen? Viele Herrchen und Frauchen sind sich nicht darüber im Klaren, was sie ihren Lieblingen mit zu reichlichem und zu energiereichem Futter und einem Mangel an Bewegung antun. Und genau hier liegt die Krux: Die Tiere werden übergewichtig und leiden unter ähnlichen oder sogar identischen Krankheiten wie ihre Besitzer. Dazu zählen Diabetes, die entzündliche Gelenkerkrankung Arthritis, Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen, wie auf «Petobesityprevetion.com» bestätigt wird.

Ganz abgesehen vom Leid, das man den Tieren durch das Herumschleppen überflüssiger Pfunde und den damit verbundenen gesundheitlichen Folgen antut: Die ständigen Tierarztbesuche belasten nicht nur den gestressten Vierbeiner selbst, sondern auch das Portemonnaie ihres Besitzers.

Abspecken: Kein tierisches Vergnügen

Oft bemerken Herrchen und Frauchen nicht, dass ihr tierischer Mitbewohner in die Breite wächst. Damit es gar nicht erst zu Übergewicht kommt, rät Eric Zini, Oberassistent und Diabetologe an der Vetsuisse-Faklutät, laut «Pro Tier» zu regelmässiger Kontrolle: Lassen sich die Rippen von Hund oder Katze beim Streicheln über den Brustkorb nicht mehr ertasten, muss das Tier auf Diät gesetzt werden.

Auch durch regelmässiges Wiegen lässt sich die Gewichtszunahme schnell feststellen.
Ein kleiner Hund wie beispielsweise ein Yorkshire Terrier darf zwischen 2,5 und 3,5 Kilogramm auf die Waage bringen. Ein grosser Hund wie etwa ein Golden Retriever liegt im Normbereich, wenn er zwischen 27 und 36 Kilogramm schwer ist.
Bei Katzen bewegt sich die Norm zwischen 2,5 und etwa 5,5 Kilogramm, je nachdem, wie gross das Tier ist und welcher Rasse es angehört.

Hundekuchen? Höchstens zum Geburtstag!

Für Haustiere gilt im Grunde genommen dasselbe wie für ihre Besitzer: Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung kommt es erst gar nicht zu Übergewicht. Trägt das Tier bereits zu viel Masse auf sich oder ist es sogar adipös, sollte man sich vom Tierarzt beraten lassen. Bei leichtem Übergewichtig rät der Experte meist dazu, die Futtermenge im Fressnapf zu reduzieren. Ringt das Tier bereits mit zu vielen Pfunden, kann der Veterinärmediziner einen Diätplan ausarbeiten, der individuell auf den Vierbeiner abgestimmt ist und den es strikt einzuhalten gilt.

Eine Ernährungsumstellung ist die Basis für den Start in ein schlankeres Hunde- oder Katzenleben. Statt fettreichem Futter steht dann ein proteinreiches, aber mageres Diätfutter auf dem Speiseplan, wie es auf «Tierarzt24» heisst. Auch die Fütterungsmenge und Fütterungszeiten sind vorgegeben. Leckerlis zwischendurch sind – selbst wenn es noch so schwer fällt – tabu. Ein schlankes Tier lebt nicht nur leichter, sondern auch länger: Eine fettsüchtige Katze oder ein adipöser Hund sterben im Durchschnitt ein bis zwei Jahre früher als ihre normalgewichtigen Artgenossen.

Haben Sie Ihren übergewichtigen Hund oder Ihre dicke Katze einer Ernährungsumstellung unterzogen? Wie konnten Sie den bettelnden Blicken Ihrer Liebsten widerstehen?
Schicken Sie die Bilder Ihres dicken und später erschlankten Tiers und einem kurzen Erfahrungsbericht per E-Mail an community@20minuten.ch

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