Seltene Krankheiten

30. Juni 2010 12:20; Akt: 30.06.2010 15:13 Print

Alle 15 Minuten essen, um nicht zu verhungern

Lizzie Velasquez vertilgt täglich bis zu 8 000 Kalorien. Trotzdem ist die 21-jährige Amerikanerin lebensbedrohlich dünn, denn sie leidet unter einer äusserst raren Stoffwechselerkrankung.

Dieser Beitrag über das Schicksal von Lizzie Velasquez entstand im vergangenen Jahr.
(Quelle: Youtube.com)
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32 Hamburger, 27 grosse Portionen vor Fett triefender Pommes frites oder 1,8 Kilogramm Rüeblitorte: So viel muss Lizzie Velasquez essen, damit sie nicht abnimmt. Abnehmen, das wäre für die 21-jährige Texanerin bei einer Grösse von 155 cm und dem Fliegengewicht von nur rund 26 Kilogramm lebensbedrohlich. Ein Umstand, mit dem Velasquez bereits ihr ganzes Leben zu kämpfen hat: Sie kam vier Wochen vor dem geplanten Entbindungstermin zur Welt und war damals so klein und zart, dass ihr nur Puppenkleider passten. Auf dem rechten Auge ist sie seit ihrer Geburt blind.

Niemand würde vermuten, dass die zerbrechlich wirkende Studentin ganze 8 000 Kalorien täglich zu sich nehmen muss. Um diese stattliche Energiemenge überhaupt aufnehmen zu können, muss sie alle Viertelstunde etwas Nahrhaftes essen oder trinken. «Ich stelle mich regelmässig auf die Waage und freue mich wahnsinnig, wenn ich nur ein Pfund zunehme», erzählt die hagere Texanerin im Interview mit der britischen Zeitung «Telegraph».

Damit ihr das wenigstens ab und zu gelingt, knabbert sie alles, was bei den meisten anderen Frauen auf der Verbotsliste steht: Chips, Süssigkeiten, Schokolade, Pizza Doughnuts oder Torten.

Während Ärzte zunächst das genetisch bedingte De Barsy Syndrom für Velasquez' Leiden verantwortlich machten, glaubt Professor Abhimanyu Garg, forschender Arzt an der Universität von Texas in Dallas, eher daran, dass die 21-Jährige vom Neonatalen Progeroiden Syndrom (NPS) betroffen ist. Diese äusserst seltene Erkrankung zeichnet sich unter anderem durch eine Beschleunigung des Alterungsprozesses und dem Abbau von Fettreserven im Gesicht und am Körper aus.

«Es gibt nur sehr wenige Menschen weltweit, die nahezu die selben Symptome zeigen. Und doch - jeder Fall ist anders», erklärt Garg und ergänzt: «Wir wissen nicht, wie sich Lizzie zukünftig entwickeln wird - noch existieren zu wenig wissenschaftliche Daten von älteren Personen mit NPS.»

(rre)