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05. Januar 2019 20:06; Akt: 05.01.2019 20:06 Print

Altes Druiden-Heilmittel tötet resistente Bakterien

Seit Jahrhunderten kennen irische Druiden die Heilkraft von Erde. Nun haben Forscher darin ein Bakterium entdeckt, das multiresistente Keime abtöten kann.

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Der Erde auf dem Grundstück der Sacred-Heart-Kirche in Boho im County Fermanagh in Nordirland wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Dafür verantwortlich könnte der Bakterienstamm Streptomyces sp. myrophorea sein, den Forscher aus Wales in der Erde identifiziert haben. Der Stamm wirkt gegen verschiedene antibiotikaresistente Bakterien, darunter der gefürchtete Spitalkeim MRSA. Hier zu sehen: Rund um Streptomyces sp. myrophorea (dunkelbraun) wurde der Spitalkeim (hellbrau) zurückgedrängt. Neue Medikamente gegen antibiotikaresistente Keime sind dringend nötig, denn allein in Europa sterben jedes Jahr etwa 33'000 Menschen aufgrund einer Infektion mit resistenten Bakterien. Zu diesem Schluss kamen Forscher des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Viele Erkrankungen mit antibiotikaresistenten Keimen wurden in Spitälern und anderen Einrichtungen des Gesundheitssystems festgestellt. Wie die Keime in die Spitäler kommen und wie sie sich dort ausbreiten, hatten US-Forscher bereits vor einiger Zeit untersucht. Die Analyse wurde im neu eröffneten Center for Care and Discovery der Universität Chicago durchgeführt. Dort fanden die Forscher ideale Bedingungen für ihre Arbeit vor: Sie konnten schon zwei Monate vor Aufnahme des Spitalbetriebs mit ihren Untersuchungen beginnen. Insgesamt nahmen sie während zwölf Monaten mehr als 10'000 Proben. Die Forscher machten Abstriche von den Händen, aus der Nase sowie den Achseln der Patienten ebenso wie von den Oberflächen, die sie wahrscheinlich berührt hatten. Hinzu kamen Proben vom Boden der Zimmer und den Luftfiltern. Auch das Pflegepersonal wurde untersucht. Dabei stellten die Forscher fest, dass sich unmittelbar nach Beginn des Klinikalltags Mikroben wie ... ... Corynebakterien, ... ... Staphylokokken und ... ... Streptokokken ausbreiteten. Die Aufnahme jedes neuen Patienten veränderte zudem die Zusammensetzung der Bakterien in seinem Zimmer. Die Forscher nahmen 92 Patienten genauer unter die Lupe, die über längere Zeit in dem Spital waren. Bei ihnen wurden potenziell schädliche Bakterien gefunden, die mit der Zeit Gene entwickelten, die Resistenzen gegen Antibiotika fördern und Infektionen begünstigen können. Vor allem Staphylococcus aureus ist in seiner multiresistenten Form als Spitalkeim MRSA bekannt und gefürchtet: Während er für gesunde Menschen ungefährlich ist, ist er für etwa 30 Prozent aller Spitalinfektionen verantwortlich.

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Die Zahl der Krankheitserreger, denen gängige Antibiotika nichts anhaben können, nimmt erschreckend zu. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie sterben in Europa jedes Jahr 33'000 Menschen an Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien. Tendenz steigend. Neue Behandlungsmethoden sind dringend nötig, was die Wissenschaftler dazu treibt, auch jenseits ausgetretener Pfade zu suchen.

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Ein internationales Forscherteam der Swansea University Medical School in Wales ist in Nordirland fündig geworden. Es untersuchte die Erde an einer Stätte, die mit altertümlichen druidischen Ritualen in Verbindung gebracht wird, und stiess dabei auf einen neuen Bakterienstamm, wie Sciencealert.com schreibt.

Wirksam gegen MRSA

Er gehört zur Gattung Streptomyces, von der mehrere Arten als Antibiotika-Produzenten bekannt sind. Die neue Art, Streptomyces sp. myrophorea genannt, ist offenbar in der Lage, das Wachstum einiger der gefährlichsten Erreger zu stoppen. Paul Dyson, Molekularbiologe und Co-Autor der Studie, erklärt dazu in einer Mitteilung: «Dieser neue Bakterienstamm ist wirksam gegen vier der sechs wichtigsten Erreger, die gegen Antibiotika resistent sind, darunter MRSA [Methicillin resistenter Staphylococcus aureus].»

Zu den überraschenden Eigenschaften des neuen Stammes gehört laut den Forschern, dass er nicht nur gegen grampositive Bakterien, sondern auch gegen die hartnäckigen gramnegativen wirkt. Zu diesen gehören etwa Escherichia-coli-Bakterien, die wichtigsten Erreger von Blasen- oder Nierenbeckenentzündungen, von denen heute etwa 20 Prozent immun gegen Medikamente sind.

Für Wickel verwendet

Die Erde, in der die Forscher auf den Bakterienstamm gestossen sind, stammt vom Grundstück der Sacred-Heart-Kirche in Boho im County Fermanagh in Nordirland. Sie hat einen hohen pH-Wert, ist also basisch. Ihr wird laut den Forschern nachgesagt, dass sie von Druiden genutzt wurde, um verschiedene Infektionen zu behandeln, darunter Zahnschmerzen.

Dafür wurde die Erde in ein Stück Stoff gewickelt und neun Tage lang auf die infizierte Stelle gelegt. Danach wurde die Erde zurück an den Ort gebracht, von wo sie stammte. Ausserdem soll die Erde bei Kranken auch unter das Kopfkissen gelegt worden sein – wo sie wohl deutlich weniger wirksam war.

Mehr als Hörensagen sei das aber nicht, wie die Wissenschaftler im Fachjournal «Frontiers in Microbiology» schreiben. Trotzdem betonen sie die Wichtigkeit ihres Forschungsansatzes. «Unsere Resultate zeigen, dass Volkstum und traditionelle Heilkunde es wert sind, geprüft zu werden auf der Suche nach neuen Antibiotika», erklärt Dyson. «Wissenschaftler, Historiker und Archäologen können alle etwas dazu beitragen.»

(jcg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 05.01.2019 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr interessant

    Sehr interessant dieser Artikel. Ein Grund mehr sich für Geschichte/Mythen y Legenden zu interessieren,die Menschheit kann Nutzen daraus ziehen.

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  • Fight4Freedom am 05.01.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir können NIX erfinden..

    ... sondern nur entdecken was schon da ist und dieses verfeinern und in die Praxis umsetzen. Die Druiden wussten das.

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  • Hexe am 05.01.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ätherische Öle, heilsam aber zu wenig lukrativ

    Oregano tötet auch multiresistente bakterien. Wahrscheinlich einfach nicht lukrativ genug und darum wird es den chemischen teufen medikamenten nicht vorgezogen und dass obwohl es in einer studie bewiesen wurde...traurig

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Die neusten Leser-Kommentare

  • LizAargau am 10.01.2019 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur-Apotheke

    Im Regenwald, der leider immer mehr abgeholzt wird, wachsen unzählige Heilpflanzen.

  • chzer am 08.01.2019 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hanf das Heilmittel der Zukunft

    Und im Hanf stecken auch verschiedene mittel. Mit den Fasern könnte man sicher Häuser entwickeln ,so stark sind sie.

    • Perikles am 09.01.2019 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @chzer

      ja man kann das sogar rauchen :)

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  • chzer am 08.01.2019 01:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Vorfahren antworten

    Meine Cousine reiste vor einer langen Zeit von England nach Schottland.Da sagte Ihr ein Geist im Wohnmobile als Sie die Grenze überquerten. Welcoming home.

  • Lääser am 07.01.2019 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Das ist eine gute Sache, es wäre sehr wichtig, neue Antibiotika zu haben. Bis aus diesem Fund vielleicht eines Tages ein neues Medikament wird, dürfte es leider noch viele Jahre dauern, selbst wenn mit Hochdruck daran geforscht werden sollte.

    • Perikles am 09.01.2019 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lääser

      ich frage mich warum dir irgendwelche unwissende dislikes gegeben haben. Du hast nämlich sehr recht! Seriös angewendet ist es sicher gut..und JA! wir brauchen, sehr dringend, neue Antibiotika! Ob Silber, Bakteriophagen oder whatever, neue Antibiotika und ein gesünderer Umgang damit sind sehr dringend!

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  • Allergiker am 07.01.2019 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nur im Notfall ins Spital

    Spitalkeime auszumerzen wäre oberste Priorität. Ich bin für solche Krankenhaus - Einrichtungen inzwischen allergisch.