Libyen

28. März 2011 13:55; Akt: 28.03.2011 15:53 Print

Amputationen ohne Betäubung

In einem Spital in Misrata herrscht der medizinische Ausnahmezustand: Die hoffnungslos überfüllte Klinik steht seit Tagen unter Beschuss. Es fehlt an allem, auch an Narkosemitteln für Operationen.

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Einer der zahlreichen Verwundeten, die in den vergangenen Tagen ins Las-Ranuf-Spital eingeliefert wurden.
(Bild: Keystone/AP)

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Für die Menschen in Misrata spitzt sich die Lage zu. Nach den Kämpfen um Gaddafis Heimatstadt Sirte könnte die Stadt 210 Kilometer östlich von Tripolis zum nächsten Brennpunkt in Libyen werden. Anscheinend ist die Stadt bereits jetzt von Gaddafis Truppen eingekesselt. «Warum ist die internationale Koalition so passiv? Es gibt Tausende von verwundeten Zivilisten, die dort nicht versorgt werden können», zitiert die NZZ Moustafa Gourani, ein Mitglied des Rebellenrates. Auch das medizinische Personal des im Zentrum der Stadt gelegenen Ras-Lanuf-Spitals ist dringend auf Unterstützung angewiesen. Die Klinik steht unter Dauerbeschuss: Gaddafis Getreue feuern laut dem US-Sender CNN sogar auf die Ambulanz, die regelmässig ausrückt, um Verwundete ins hoffnungslos überfüllte 60-Betten-Haus zu transportieren.

Doch nicht nur ausserhalb des Spitals herrscht der Ausnahmezustand. Im Inneren des Hauses bietet sich offenbar ein Bild des Schreckens: Die Kranken und Verletzten liegen dicht gedrängt auf dem Boden. Wegen der kriegsähnlichen Zustände fehlt es an allem, insbesondere an Medikamenten.

Um den eingelieferten, zum Teil schwer Verwundeten zu helfen, müssen sich die Ärzte der Ras-Lanuf-Klinik geradezu mittelalterlicher Behandlungsmethoden bedienen. Dazu gehören auch Amputationen von Armen oder Beinen, die ohne jegliche Betäubung und ohne Schmerzmittel ausgeführt werden müssen.

Wer die schwere Operation überstanden hat, wird wegen des Andrangs im Spital heimgeschickt. «Wir haben einfach keinen Platz hier», rechtfertigte sich einer der Ärzte während eines Telefongesprächs mit CNN.

(rre)