Ekelfood

06. Mai 2010 16:46; Akt: 21.05.2012 10:38 Print

Andere Länder, andere Fritten

von Runa Reinecke - Was hierzulande anwidert, lässt Gourmets andernorts das Wasser im Munde zusammenlaufen: Höchste Zeit für einen Blick in die internationale Speisekarte der fragwürdigen Delikatessen.

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Die spinnt doch - aber nicht mehr lange: Dieses Spinnentierchen verschwindet in wenigen Augenblicken im Mund des reizenden Kindes mit Hut. Festgehalten wurde dieses Szene von Leserin Heidi Bolliger aus Zürich in Kambodscha. Auch Peter Bürgin war in Kambodscha, besuchte dort einen traditionellen Markt und bekam einen Bärenhunger: Er liess sich Vogelspinnen, Frösche, Kakerlaken und Grillen schmecken und berichtete stolz: «Hurra, ich lebe noch!» Vor dem Essen wurde eine mundgerechte Portion ausgesucht. Fritiertes landete hingegen bei Cecile Schmid im Kongo auf dem Teller. Nach dem Motto «lieber Raupen als Graupen» gönnte sie sich in den Ferien zur Abwechslung einen ganz grossen Teller voller Proteine. Roh sind sie zwar weniger lecker, dafür aber besser für die Figur. Oh Schreck, oh Schreck, der Schneck ist weg. Wenn sich der Marktstandbetreiber nicht vorsieht, ist die Ware dieses Imbiss-Standes bis zum Abend komplett geflüchtet. Zumindest im Bild konnten die Kriechtiere von Manuel Heim festgehalten werden. Wie isst man eigentlich einen Skorpion? Marcel André Schneider (rechts) wollte das unbedingt herausfinden. Er liess sich auf einem chinesischen Markt gemeinsam mit Einheimischen Kaiserskorpione schmecken. Danach schockte ihn auch dieser Anblick nicht mehr. Im Schlangenrestaurant in Guangzhou sucht man sich eines der Reptile aus und bekommt es eine halbe Stunde später zubereitet auf dem Teller serviert. Bon Appetit! «There are Ten Million Bicycles in Beijing»: Die aufgespiessten Skorpione hat Laura Gambineri während ihrer Chinareise irgendwann aufgehört zu zählen. Das Auge isst bekanntlich mit - in Thailand hat sich das noch nicht herumgesprochen (Bild; Markus Fankhauser). Gugel-Hupf auf thailändisch. Diese Grashüpfer haben die besten Zeiten hinter sich. Massimo Pano knipste dieses Foto. Gleich nebenan gabs noch etwas weniger Bissfestes: Wenn die Pasta mal aus ist, tuns doch auch ein paar Maden, oder? Spezialitätenmarkt auf chinesisch.

Dieses Kribbeln im Bauch ...! Den Lesern von 20 Minuten Online graust es offenbar vor überhaupt nichts.

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Wer als Kind dachte, es gebe nichts Ekelhafteres als Spinat, der dürfte spätestens nach den ersten Schwedenferien vom Glauben abgefallen sein. Hier lässt sich der Skandinavier Surströmming schmecken, eine für Touristen definitiv ungeniessbare Delikatesse. Das beissend-säuerlich stinkende Geschlabber wird in verbeulten Konserven gelagert. Die darin schwimmenden, gegorenen Heringe hätten nach mitteleuropäischem Standard das Verfallsdatum längst überschritten. Das Auffinden einer solchen «Spezialität» während einer Hygienekontrolle dürfte hierzulande für jedes Restaurant das sofortige Aus bedeuten. Auch im Flugzeug will man das erbärmlich stinkende Etwas übrigens nicht transportieren: Explosionsgefahr!

Gammelhai für Feinschmecker

Etwas weiter nördlich lieben es die Inselbewohner ähnlich verdorben - pardon - fermentiert: Island machte sich unlängst durch das Einäschern des europäischen Luftraums unfreiwillig zum medialen Mittelpunkt. Gegen so viel Negativ-Publicity kann nur einer anstinken, und das ist der Hàkarl (sprich: Haukartl). Dabei handelt es sich um eine Spezialität aus vergorenem Haifisch. Um aus einem Hai einen echten Hàkarl zu machen, wird er zunächst von seinen Gräten befreit, ausgenommen und gereinigt, danach in einer Kiesgrube vergraben. Dort «gedeiht» er einige Wochen. Nach dem Ausbuddeln darf er noch ein paar Wochen an der frischen, isländischen Luft abhängen, für die meisten Gaumen allerdings ohne Erfolg. Sollten Sie den Gammelhai selbst einmal probieren und das gekostete Stück nicht bei sich behalten können - trösten Sie sich: Vielen Isländern geht es nicht anders.

Einmal Maden rot-weiss, bitte!

Sollte Sardinien zur diesjährigen Feriendestination werden oder aber bestimmte Teile Norditaliens, so sei an dieser Stelle der Casu Marzu empfohlen. Der Schafskäse hat es buchstäblich in sich: Dieser gut gereifte Käse liegt so lange herum, bis Fliegen ihre Eier darin ablegen. Die daraus entstehenden Maden fressen sich durch den Käse und scheiden ihn verdaut wieder aus. Der Casu Marzu wird übrigens mit den Maden serviert - die müssen aber nicht zwingend mitgegessen werden. Diskretes Beiseitelegen tuts auch. Die Menschen in Kambodscha würden dafür übrigens ein ganz deutliches Wort finden: Verschwendung! Hier schmeckt fast alles, was krabbelt. Auf den bunten Märkten werden Maden pur oder frittiert als Snack feilgeboten. Zwischendurch darfs auch mal eine Tarantel oder ein Käfer sein - ernährungsphysiologisch übrigens durchaus empfehlenswert, denn viele Insekten sind reich an Proteinen - vorausgesetzt, man ist gewillt, sie zu verdauen. Vielleicht doch lieber Spinat ...?

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