Hotline

14. Februar 2011 12:19; Akt: 16.02.2011 11:43 Print

Bei Anruf bitte kräftig husten

Das spart den Gang zum Arzt: In Deutschland können Patienten jetzt via Telefon ihren Husten analysieren lassen.

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Überraschung! Wie , England, herausgefunden haben. Das Dumme: Alkohol schwächt das Immunsystem und produziert giftige Abbauprodukte, die Krebs oder andere schwere Erkrankungen begünstigen können. Da ist man mit einer Erkältung vergleichsweise gut bedient, oder? Eine Erkältung bekommt man, wenn man friert. Das ist nicht oder zumindest nicht ganz korrekt. Frieren kann das Immunsystem schwächen - so wird man empfänglicher für eine Infektion, die (unter anderem) durch sogenannte Rhinoviren ausgelöst wird. Ohne Viren keine Erkältung! Andererseits kann Frieren ein mögliches Anzeichen für eine Erkältung sein, die man sich bereits eingefangen hat. «Pass auf dich auf, sonst wird aus deiner Erkältung noch eine Grippe!» Liebes Grosi, mit diesem Rat liegst du daneben! Grippe- (Influenza-) und Erkältungserreger (Rhino-, Adeno- und Coronaviren) haben nichts miteinander zu tun. Denkbar ist allerdings, dass das Immunsystem - zum Beispiel durch eine Erkältung - derart geschwächt ist, dass es sich für Grippe-Viren anfälliger zeigt. «Küss mich nicht, sonst steck ich dich noch an!» Diese Angst ist - zumindest teilweise - unbegründet, wenn man einer Studie der Glauben schenken darf. Sogenannte Rhinoviren (sie sind besonders häufig für eine Erkältung verantwortlich) führen, wenn sie in den Mundraum gelangen, eher selten zu Infektionen. Küssen stärkt das Wohlbefinden und damit auch das Immunsystem. Wer weiss, vielleicht reicht das aus, um dem «Pfnüsel» Paroli zu bieten? Vitamin C hilft gegen Erkältungen? Leider nur eine Mär! Vitamine, zugeführt durch eine ausgewogene, gesunde Ernährung, sind für den Organismus zwar essentiell. Hat man sich das Virus aber bereits eingefangen, kann man sich eine zusätzliche Vitaminzufuhr getrost sparen. Auch auf die ist kein Verlass! Zink hingegen hilft einer im Februar 2011 veröffentlichten Meta-Studie der zufolge bei Erkältungen. Durch die Einnahme des Spurenelements werden die Symptome abgeschwächt und die Dauer der Erkrankung verkürzt. Doch selbst auf solche Meta-Analysen ist offenbar kein Verlass, wie ein Artikel zeigt, der sich kritisch mit der Cochrane-Untersuchung Ab in die Wäsche und die Viren sind abgetötet. Stimmt leider nicht! Einige Erkältungsviren sind derart hartnäckig, dass sie sogar die 30-Grad-Wäsche überleben. Während der Erkältungsphase also lieber Textilien tragen, die sich auch bei höheren Waschtemperaturen reinigen lassen.

Die grössten Erkältungsirrtümer.

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Deike Schipper ruft eine Hotline in Deutschland an. Sie holt tief Luft und hustet beherzt in den Telefonhörer. Wenig später meldet sich eine freundliche Frauenstimme: «Bei Ihnen scheint es sich eher um einen trockenen Husten zu handeln», gibt die Dame zu verstehen. Und ergänzt: «Lassen Sie sich jedoch vom Arzt oder Apotheker beraten, wie Sie Ihren Husten zuverlässig zuordnen und richtig behandeln können. Wir wünschen Ihnen gute Besserung!»

Schipper ist eine von rund 200 Anrufern täglich, die ihren Husten per auditiver Erkennung überprüfen lassen. Entwickelt wurde der computerunterstützte Lungenspezialist von Stefan Goetze und drei seiner Arbeitskollegen von der Abteilung Digitale Medientechnologie des Fraunhofer Instituts in Oldenburg. Seit mehr als zwei Jahren erforschen die Wissenschaftler gemeinsam die unterschiedlichsten Formen des Hustens.

Vier von fünf Hustenarten richtig erkannt

Damit die verschiedensten Varianten überhaupt erkannt werden können, nahmen die Forscher in Lungenarztpraxen und in den Fussgängerzonen Oldenburgs und Hamburgs entsprechende Vergleichsmuster von hustenden Passanten auf.

Diese werden während des Hustenanrufs auf der Gratishotline abgerufen und per «Hustenerkennung» zugeordnet. Dabei kann das System einen produktiven (schleimigen) Husten von einem trockenen Reizhusten unterscheiden. Kommt der Hustendetektor zu keinem eindeutigen Ergebnis, bekommt der Anrufer einen entsprechenden Hinweis.

Häufig geschieht das allerdings nicht: «In 80 Prozent der Fälle erhalten die Anrufer eine richtige Einschätzung», erklärt Goetze gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Den Arztbesuch könne das aber nicht ersetzen, wie der Wissenschaftler zu verstehen gibt.

(rre)