Krankheiten 2.0

16. Dezember 2010 19:34; Akt: 16.12.2010 19:39 Print

Bei Beschwerden fragen Sie Ihren Arzt oder Google

von Fee Riebeling - Ein Leben ohne Internet ist kaum noch vorstellbar. Selbst medizinischen Rat suchen heute immer mehr Menschen online.

Fehler gesehen?

Was in den USA schon längst an der Tagesordnung ist, hält nun auch hierzulande Einzug: Wer Symptome bei sich entdeckt oder mehr über eine bereits gestellte Diagnose wissen will, holt sich immer häufiger Rat über Google, Facebook oder Twitter. «Die Situation ist vergleichbar mit Müttern, die sich auf dem Spielplatz über die Erkältung ihrer Sprösslinge austauschen», sagt Karin Frick, Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institut GDI in Rüschlikon. Nur dass man sich heute virtuell treffe und die Gruppe der Antwortenden grösser sei.

Die Gefahr, auf diese Weise falschen Diagnosen und Ratschlägen aufzusitzen und so das Leiden schlussendlich zu verschlimmern, hält die Expertin für gering: «Wie bei Wikipedia nimmt die Qualität stetig zu.» Denn die Nutzer würden nicht nur Informationen austauschen, sondern diese auch kommentieren und bewerten. Zudem habe eine amerikanische Studie gezeigt, dass die Klicks im Netz den Arztbesuch nicht ersetzen, sondern vielmehr unterstützen würden: «Es ist kein ‹entweder oder›, sondern ein ‹sowohl als auch›.» Anders als der klassische Patient, der nur den Arzt konsultiert, lässt sich der Onliner nicht einfach vom Medizinerlatein berieseln, sondern denkt mit und wird selber aktiv. Dabei gilt: Je schwerer das Leiden, desto motivierter und kritischer ist der Betroffene bei der Suche. Und desto mehr Nutzen zieht er daraus.

Nach den ersten allgemeinen Informationen konkretisiert er seine Fragen und bekommt so mit der Zeit immer spezifischere Antworten zu seinem persönlichen Beschwerden-Profil. Das Ergebnis ist laut Frick der so genannte «Power Patient», der sich auf diese Weise Zusatzwissen aneignet, das ihm hilft, die Symptome besser zu verstehen und mit seinen Beschwerden besser umzugehen. Dazu gehöre aber auch – in schweren Fällen oder bei offenen Fragen – den Doktor aufzusuchen.