Magen-Darm

14. August 2013 12:24; Akt: 14.08.2013 13:05 Print

Bei Hitze macht die Verdauung öfters schlapp

In einer Hitzewelle müssen mehr Menschen wegen Bauchweh, Durchfall und Erbrechen notfallmässig ins Spital. Zürcher Forscher vermuten körperlichen Stress und wuchernde Bakterien als Ursache.

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Bei grosser Hitze behandeln die Notfallaufnahmen, wie hier im Inselspital Bern, mehr Fälle von Magen-Darm-Problemen.

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Wenn es länger sehr heiss ist, leiden mehr Menschen an Magen-Darm-Infektionen sowie an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Mit jedem Hitzetag nehme das Risiko für Magen-Darm-Infekte um 4,7 Prozent zu. Bei chronischen Darmerkrankungen steigt das Risiko für einen Schub um 4,6 Prozent, berichten Zürcher Forscher im «American Journal of Gastroenterology».

Bei der Kontrollgruppe, die an anderen Darmerkrankungen etwa nach einer Strahlentherapie litt, spielte Hitze indes keine Rolle. «Unsere Studie zeigt den Einfluss des Klimas auf die untersuchten Erkrankungen», sagte Erstautorin Christine Manser, Oberärztin am Universitätsspital Zürich (USZ) in einer Mitteilung des USZ.

Für die Studie erfasste ihr Team sämtliche Spitaleintritte ins USZ wegen dieser Probleme von 2001 bis 2005. Dies waren 786 Patienten mit Magen-Darm-Infektionen und 738 Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Diese Fälle verglichen sie mit Wetterdaten, insbesondere dem Hitzesommer 2003. 17 Hitzewellen traten in dieser Periode auf.

Nach einer Woche am schlimmsten

Die grössten Auswirkungen der hohen Temperaturen haben die Forscher jeweils sieben Tage nach einer Hitzewelle festgestellt. Eine Erklärung hierfür könne sein, dass Hitzewellen zu erhöhtem körperlichem Stress führen. Frühere Studien würden zeigen, dass es bei Hitze auch mehr andere stressbeeinflusste Erkrankungen wie Herzinfarkte gebe.

Auch das verstärkte Bakterienwachstum in der Wärme könnte eine Rolle spielen, sagte Manser der Nachrichtenagentur SDA. Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden durch das Immunsystem des Körpers aufrecht erhalten. Verändert sich die Darmflora durch die Hitze, könnte dies das Immunsystem stimulieren und die Symptome verschlechtern.

Bei den Magen-Darm-Infektionen spiele eine Rolle, dass Bakterien auf Lebensmitteln rascher wachsen. Da die Erkrankungen bei Hitze jedoch nicht direkt, sondern um eine Woche verzögert auftreten, hält Manser es für wahrscheinlicher, dass wie bei den chronischen Fällen der körperliche Stress verantwortlich ist.

«Unsere Resultate weisen darauf hin, dass bei den von uns untersuchten Erkrankungen der gleiche Zusammenhang besteht», sagte sie in der Mitteilung.

Mehr Hygiene

Für die Patienten mit chronischen Darmerkrankungen bedeutet dies, dass sie bei Hitzewellen besonders auf Symptome achten sollten. «Wenn sie früher zum Arzt gehen, könnten ihre Probleme mit weniger starken Medikamenten gelindert werden», sagte Manser.

Für alle anderen gilt es, in einer Hitzewelle noch mehr auf Hygiene zu achten: Esswaren gekühlt aufbewahren und häufiger die Hände waschen, empfiehlt Manser. Wenn es in der Schweiz so heiss ist wie in den Tropen, muss man sich eben auch verhalten wie in den Tropen.

An der Studie wirkten auch Forscher des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich sowie des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz mit.

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MSlerin am 14.08.2013 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit MS

    Mit Multipler Sklerose lässt sich die Hitze noch weniger aushalten vorallem mit Nebenwirkungen von zb rebif (fieber, gliederschmerzen) Müdigkeit (Fatigue), Konzentrationsprobleme... Werden massiv verstärkt... Ventilator und ein kühles Tuch sin im Büro mein treuer Begleiter! Leute behaltet einen kühlen Kopf

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  • Dani Christen am 14.08.2013 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit der steigenden Luftfeuchtigkeit noch schlimmer

    Ist so. Nur bei Hitze geht das noch. Wenn dann noch die Luftfeuchtigkeit steigt, dann habe ich immer Probleme. Schwitze dann auch stark, was noch mehr belastet. Ist nicht einfach mit dem Leben zu müssen.

  • helmarpon am 14.08.2013 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wechsel-Wetter-Jahr 2013

    Es ist nicht nur die Hitze dieses Sommers, es war schon der Frühling 2013 mit extremen Temperaturwechseln von bis zu 20 Grad. Ich hatte Anfang Juni eine Nierenbeckenentzündung (und keiner weiss woher) und anfang Juli eine Lungenentzündung (auch hier weiss keiner, woher). Beide Male jeweils bis 40 Grad Fieber! Für mich ist eigentlich klar, dass das Wetter dieses Jahr für den Körper extrem stressig war!

Die neusten Leser-Kommentare

  • N. am 15.08.2013 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Körper und Hitze

    Nicht nur die Verdauung spielt bei Hitze verrückt,der Blutdruck sinkt,die Nierenfunktion lässt ein wenig nach, das Immunsystem arbeitet mehr als sonst...aber immerhin freuts die Bakterien^^ auch Keime der bormalen Darmflora können bei der Hitze durchfall verursachen...

  • Tamara Wind am 15.08.2013 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Rasantes Bakterien-Wachstum

    Die häufigeren Infektionen sind bestimmt einfach auf vermehrtes Viren-, Pilze- und Bakterienwachstum zurückzuführen, da bei hohen Temperaturen die Lebensmittel viel rascher verderben als wir es uns gewohnt sind! Kolloidales Silber tötet alle diese Erreger ab (innere Anwendung, sollte man krank sein) und heikle Lebensmittel wie solche tierrischer Herkunft sollte man besser nicht essen, wenn man nicht weiss, ob z.B. das Restaurant hygienisch einwandfrei und verantwortungsbewusst arbeitet...

  • 807687 am 14.08.2013 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ich reagiere sehr empfindlich auf Hitze

    und bei Durchfall, wenn es nach 3 WC-Besuchen nicht aufhört, nehme ich einen Kaffeelöffel voll Aktiv-Manuka-Honig und sofort stellt der Durchfall ab. Hat bisher ausnahmslos funktioniert. Seit Jahren.

    • ich am 15.08.2013 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      manuka honig

      danke für den tip, meinen sohn hats auch wieder erwischt und ich wusste nicht mehr wie der honig heist.

    • Heidel Beere am 15.08.2013 09:34 Report Diesen Beitrag melden

      Natur hilft

      Getrocknete Heidelbeeren helfen auch - schmecken nicht mal so übel. Genug Wasser trinken.

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  • MSlerin am 14.08.2013 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit MS

    Mit Multipler Sklerose lässt sich die Hitze noch weniger aushalten vorallem mit Nebenwirkungen von zb rebif (fieber, gliederschmerzen) Müdigkeit (Fatigue), Konzentrationsprobleme... Werden massiv verstärkt... Ventilator und ein kühles Tuch sin im Büro mein treuer Begleiter! Leute behaltet einen kühlen Kopf

    • pj am 15.08.2013 00:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      kenne es...

      hatte dieses jahr zu den üblichen defiziten bei der hitze das erste mal mit viel übelkeit zu kämpfen...bin froh das diese tage durch sind...

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  • helmarpon am 14.08.2013 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wechsel-Wetter-Jahr 2013

    Es ist nicht nur die Hitze dieses Sommers, es war schon der Frühling 2013 mit extremen Temperaturwechseln von bis zu 20 Grad. Ich hatte Anfang Juni eine Nierenbeckenentzündung (und keiner weiss woher) und anfang Juli eine Lungenentzündung (auch hier weiss keiner, woher). Beide Male jeweils bis 40 Grad Fieber! Für mich ist eigentlich klar, dass das Wetter dieses Jahr für den Körper extrem stressig war!