Alongshan-Erreger

06. Juni 2019 07:41; Akt: 06.06.2019 07:41 Print

Forscher finden neues Zeckenvirus bei Menschen

Ein bislang unbekanntes Virus gab Medizinern Rätsel auf. Dies ist nun geklärt, genauso wie der Übertragungsweg.

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Forscher haben in China ein bislang unbekanntes Virus entdeckt, das sie nach seinem Fundort benannten. Der Erreger, der zur Familie der Flaviviridae gehört, heisst Alongshan-Virus. Wie es übertragen wird, ist noch nicht 100-prozentig geklärt. Der wahrscheinlichste Wirt scheint die Taigazecke (Ixodes persulcatus) zu sein. Doch auch Mücken könnten eine Rolle spielen. Zwar kommt Ixodes persulcatus vor allem in Teilen Osteuropas und Asiens vor. Doch auch in der Schweiz läuft man Zecken über den Weg – und zwar nicht nur in der Natur. Die Blutsauger sind im hohen Gras oder auf Wiesen anzutreffen. Und das zuhauf, wie ZHAW-Zeckenforscher Werner Tischhauser ... befinden sich darauf gleich mehrere Zecken. Kleine genauso wie grosse. Sie alle sammelt der Fachmann ein – um sie anschliessend zu vernichten. Schliesslich soll keines der während des Experiments gesammelten Tiere dem Menschen gefährlich werden. Denn während die Tiere an uns saugen, können sie Krankheiten wie ... Lyme-Borreliose übertragen. (Im Bild: eine sogenannte Wanderröte, ein Anzeichen der bakteriellen Erkrankung) Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, die Zecke schnell zu entfernen. Doch noch besser wäre es, ein spezielles Zecken-Instrument zu nutzen. Bloss welches? Schliesslich gibt es Zeckenpinzetten, -karten, -zangen und das sogenannte Tick Tool, das in einem Taschenmesser integriert ist. Tatsächlich gibt es deutliche Unterschiede, sagt Werner Tischhauser von der ZHAW, der für 20 Minuten die vier Varianten an einer künstlichen Haut testete. Die dort hineingesteckten Stecknadeln stellen Zecken dar. Schliesslich wäre ein Test mit echten Exemplaren, die sich in menschliche Haut verbeissen, zu riskant. sind praktisch, weil sie in jedes Portemonnaie passen. Doch nicht alle sind laut Werner Tischhauser gleich gut. Wichtig sei, dass die V-förmigen Öffnungen, mit denen man unter die Spinnentiere fährt, um sie aus der Haut zu ziehen, aus der Karte herausragen. Der Grund: «Wenn ich damit in einer Körperbeugung – zum Beispiel unter der Achsel – ans Werk muss, komme ich mit den nach innen gerichteten Öffnungen nicht gut ran.» Bei den nach aussen gerichteten könne man besser navigieren. Das ist neu auf dem Markt – und das erste seiner Art. Es ist in ein Swiza-Taschenmesser integriert und Tischhausers Favorit. Schliesslich war die ZHAW an der Entwicklung beteiligt. Im Grunde genommen ist es eine optimierte Zeckenkarte. «Die V-förmige Öffnung läuft so zu, dass man sowohl kleine als auch grosse Zecken damit greifen kann. Gleichzeitig hat man die Kontrolle über das Instrument», so Tischhauser. Clever: Die Lupe, mit der man sehen kann, wo man operiert. Anders als klassische Pinzetten sind vorne spitz und gebogen. Das ist wichtig, denn nur dann kann man die beiden Greifer zwischen Blutsauger und Haut schieben. Sind sie aber zu breit, wie auf dem hier abgebildeten Instrument, läuft man Gefahr, den Körper der Zecke zu zerquetschen und allfällige Erreger in den Körper zu drücken. «Eine Pinzette mit so breiten Spitzen ist eher für adulte, grössere Zecken geeignet», lautet das Expertenurteil. wie diese empfiehlt Tischhauser klar nicht für den Einsatz beim Menschen: «Zwar lässt sie sich dank des Federmechanismus einhändig bedienen, aber vorne ist sie zu wenig filigran. Damit könnte man – gerade bei sehr kleinen Exemplaren – den Hinterleib der Zecke quetschen.» Für überflüssig hält er derartige Modelle dennoch nicht. Für die Anwendung bei Tieren sei sie gut geeignet. Mir ihr hat man immer eine Hand frei, um das Tier festzuhalten. Doch welches Hilfsmittel man auch immer nutzt, um das Spinnentier zu entfernen: Wichtig ist, dass der Stich abschliessend desinfiziert wird.

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Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit: Die Symptome, wegen denen eine Frau aus China ins Spital ging, glichen auf den ersten Blick jenen, die typisch für die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz: FSME, siehe Box) sind.

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Das Problem: Daran konnte die 42-Jährige nicht leiden. So konnten die Ärzte in ihrem Blut keine entsprechenden Antikörper gegen das auslösende Virus nachweisen. Die Spurensuche begann.

In Zecken und Mücken nachgewiesen

Dafür isolierten Wissenschaftler der Foshan Universität in der chinesischen Provinz Guangdong den Erreger und untersuchten ihn eingehend. Dabei fanden sie heraus, dass sie es mit einem völlig neuen Virus zu tun hatten, das wie beispielsweise FSME-, West-Nil- und Zika-Virus zur Familie der Flaviviridae gehört.

Die Forscher tauften es Alongshan-Virus (ALSV) – nach der Stadt, in der es zum ersten Mal identifiziert wurde.

Intensive Befragungen der Patientin brachten die Mediziner schliesslich zum Schluss, dass ALSV durch Zecken übertragen wird, heisst es im «New England Journal of Medicine». Denn nicht nur die 42-Jährige hatte Erfahrungen mit Zeckenstichen, sondern auch die 85 anderen an ALSV erkrankten Personen. Nahezu alle verbringen berufsbedingt viel Zeit in der Natur.

Offene Fragen und gute Nachrichten

Konkret vermutet das Team um Bo Wang, dass das Virus durch die Taigazecke (Ixodes persulcatus) übertragen wird, die in Teilen Osteuropas und Asiens vorkommt. Doch es ist auch möglich, dass Mücken eine Rolle bei der Übertragung spielen. Auch in ihrem Blut konnten die Forscher den Erreger nachweisen. Weitere Studien sollen Klarheit schaffen.

Die Wissenschaftler haben aber bereits jetzt auch Beruhigendes zu berichten. So gibt es keine Hinweise darauf, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Zudem lässt es sich auch gut behandeln, wie LiveScience.com schreibt. Demnach hätten alle Patienten eine Kombination aus antiviralen und antibiotischen Medikamenten bekommen, wonach ihre Symptome nach spätestens acht Tagen abklangen.

Das Video zeigt, wie man sich vor Zecken schützen kann. (Video: fee, mit Material von Keystone)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gartenwurm am 06.06.2019 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Hatte über Jahre nicht eine Zecke

    Dieses jahr aufpassen, habe nach jedem Gärteln Zecken von mir abgesammelt. Dieses Jahr treten die Viecher in Massen auf. Jahrelang habe ich nie Zecken gehabt, dieses Jahr schon 3 von der Haut gezogen. Auf die Gesundheit achten! Renne nicht nach jedem Biss zum Doc sondern beobachte. Bis jetzt alles in Ordnung. Nicht jede Zecke ist übel, nur ein kleiner Prozentsatz!

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  • Johnny am 06.06.2019 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist das?

    Wieso bekommen die Patienten Antibiotika, wenn es ein Virus ist?

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  • Hostis humani generis am 06.06.2019 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeckenjahr

    Dieses Jahr hat es besonders viele Zecken. Haben selbst auf einer Höhe von 1300 MüM Zecken von unserem Hund abgelesen. Der ist zum Glück weiss, da sieht man die Biester gut. Aber die Weisheit, ab 1000 MüM gäbe es keine Zecken mehr, ist nicht richtig. Also auch in höher gelegenen Regionen Augen offen halten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gennaro am 06.06.2019 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Virus

    Manchmal braucht es einen richtigen Entwurmungsmittel, der leider aber oft nur für Tiere verkauft wird. Für viele andere Viren, Pilze oder Bakterien ist CDS ideal.

  • Redsnapper am 06.06.2019 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Evolution der Zecke

    Ich empfinde die Politqlique als die gefährlichste, unberechenbarste aller Zecken.

    • Badener am 06.06.2019 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      Fast Richtig

      Politiker kann man abwählen,gegen Borreliose gibts kein Mittel.

    • bern am 06.06.2019 22:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Badener

      Borreliose behandelt man mit Antibiotika und gegen FSME kann man sich impfen lassen.

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  • Virologe am 06.06.2019 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu erkunden!

    Cool! Ein segmentierter Flavivirus!! :-)

  • Ch am 06.06.2019 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exitus

    Es wird bald der eine Virus kommen, der Abertausende Menschen dahinraffen wird. Ich schätze mal, in 20 Jahren wird an vielen Orten auf dieser Erde kein Leben mehr existieren können, weil total verseucht, vergiftet, im wahrsten Sinne des Wortes, alle Lebewesen ausgelöscht wurden

    • Lukas am 06.06.2019 15:37 Report Diesen Beitrag melden

      Reset

      So hart wie es tönen mag - ein Reset wäre schon nötig. Allein der Umwelt zu liebe.

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  • qwertz am 06.06.2019 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    inzecktion

    war mal auf lsd im Wald. zuhause unter der Dusche hab ich mindestens 20 Zecken entfernt, weiss aber bis heute nicht ob es vielleicht auch nur Einbildung war

    • Walter Peier am 06.06.2019 15:57 Report Diesen Beitrag melden

      Kann gut sein

      Ich war auch schon (nüchtern) an Orten, wo mir die Dinger in Scharen die Füsse hochgelaufen sind. Kommt hinzu, dass unter lsd viele die naturnähe suchen und in Wiesen herumtollen.

    • Grünschnabel am 06.06.2019 16:23 Report Diesen Beitrag melden

      @qwertz

      Ja dann warst offensichtlich schön besoffen oder gefläscht wenn du nicht mehr weisst ob du dir das eingebildet hast. Aber sag mal, wen interessiert das und was trägt das zum Thema bei? Einfach mal dreinguäägen um zu versuchen, etwas Aufmerksamkeit zu bekommen - hast du das wirklich nötig? ;-)

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