Unfruchtbare Männer

15. Oktober 2019 19:32; Akt: 15.10.2019 19:32 Print

Chlamydien erstmals auch in Hoden nachgewiesen

Wenn es mit dem Kinderkriegen nicht klappt, sind die Ursachen oft nicht ganz klar. Nun haben Forscher einen Auslöser beim Mann identifiziert.

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Frauen können durch eine unbehandelte Chlamydien-Infektionen unfruchtbar werden. Bei Männern wurde ein Zusammenhang bisher nur diskutiert, weil mit Chlamydia trachomatis bei männlichen Mäusen eine Unfruchtbarkeit ausgelöst werden kann. Ein Beweis beim Mann stand bislang jedoch aus. Doch nun haben australische Forscher erstmals Chlamydien im Hoden von Männern gefunden. Diese hatten Gewebeproben von sich untersuchen lassen, weil sie entweder zeugungsunfähig waren oder zumindest Schwierigkeiten mit der Familienplanung hatten. In vielen Fällen wurden die Forscher fündig und konnten entweder Chlamydia trachomatis selbst oder dessen Antikörper nachweisen. Letztere deuten darauf hin, dass die Männer in der Vergangenheit in Kontakt mit Chlamydien gekommen waren. Trotz dieser Funde, so die Wissenschaftler, sei aber noch nicht eindeutig geklärt, ob eine Chlamydien-Infektion beim Mann unfruchtbar macht. Der Studie fehlte eine Kontrollgruppe von gesunden Männern zum Vergleich. Dennoch sei ein Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen. Aufgrund einer grossen Häufigkeit vermuten die Forscher, dass die Chlamydien Ursache der Infertilität sein könnten. Es brauche jedoch weitere Untersuchungen. Chlamydien werden bei ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. In der Schweiz sind zwischen drei und zehn Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung betroffen; 70 Prozent davon sind Frauen. Und das obwohl Schweizer Schülerinnen und Schüler bereits in der 2. Sekundarstufe im Sexualkunde-Unterricht über mögliche Geschlechtskrankheiten aufgeklärt werden. Die Grafik zeigt: Die Zahl der Chlamydien-Diagnosen in der Schweiz nimmt seit Jahren zu. Werden Chlamydien diagnostiziert, folgt meistens eine Behandlung mit Antibiotika. Chlamydien sind weltweit die am weitesten verbreitete sexuell übertragbare Krankheit. Auch in den USA steigen die Ansteckungen seit Jahren. Das Bundesamt für Gesundheit in Lincoln-Lancaster in Nebraska veröffentlichte Studienergebnisse zum Thema. Demnach stecken sich mehr Menschen mit Chlamydien an als mit allen andere Geschlechtskrankheiten zusammen.

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Will sich einfach kein Nachwuchs einstellen, ist das in 40 Prozent der Fälle auf eine Unfruchtbarkeit des Mannes zurückzuführen. Gründe kann es einige geben. Möglicherweise ist die Qualität seines Spermas zu schlecht. Es ist aber auch möglich, dass es die Spermien aufgrund einer Genmutation nicht durch den Schleim der Gebärmutter schaffen.

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Von einem weiteren möglichen Grund für männliche Unfruchtbarkeit berichten Forscher im Fachjournal «Human Reproduction». Demnach könnte auch das Bakterium Chlamydie trachomatis, im Volksmund Chlamydien genannt, verantwortlich für Unfruchtbarkeit sein.

Gut die Hälfte infiziert

Das Team um Kenneth Beagley von der Queensland University of Technology in Brisbane hat den Erreger erstmals in männlichen Hoden nachgewiesen. Die Wissenschaftler hatten 95 Proben untersucht. Diese stammten von Männern, die sich Gewebe hatten entnehmen lassen, um Zeugungsschwierigkeiten zu klären.

Laut den Forschern waren 45,3 Prozent der Proben mit Chlamydia trachomatis infiziert.

Bisher falsche Tests

In einem weiteren Schritt widmeten sich Beagley und seine Kollegen 18 frischen Gewebeproben von unfruchtbaren Männern. Auch darin wurden sie fündig: In drei von ihnen (16,7 Prozent) fanden sie die DNA von Chlamydia trachomatis. 12 der 18 Proben (66,7 Prozent) enthielten Antikörper, die darauf hindeuten, dass die Männer in Kontakt mit Chlamydien gekommen waren.

Auffällig war, dass bei keinem der Probanden zuvor eine sexuell übertragbare Krankheit diagnostiziert worden war – trotz Tests. Das Problem? «Normalerweise werden Chlamydien mithilfe einer Urinprobe durchgeführt, aber das reicht offenbar nicht», schreibt Beagley in einer Mitteilung.

Weitere Untersuchungen dringend nötig

Trotz dieser Funde, so die Wissenschaftler, sei damit noch nicht eindeutig geklärt, dass eine Chlamydien-Infektion beim Mann unfruchtbar macht. Der Studie fehlte eine Kontrollgruppe von gesunden Männern zum Vergleich.

Dennoch sei ein Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen. So gilt das Bakterium als ein bekannter Auslöser für Infertilität bei Frauen. Zudem haben Studien mit männlichen Mäusen Hinweise auf eine Kausalität geliefert: Bei den Tieren infiziert Chlamydia trachomatis die Hoden, was eine verminderte Produktion und Motilität der Spermien zur Folge hat.

Das Fazit der Forscher: «Eine Chlamydien-Infektion bei Männern ist etwas, das weiter untersucht werden muss.» Denn nur wenn man eine Krankheit verstehe, könnte man sie behandeln oder sie vorbeugen.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manu el am 15.10.2019 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    Hodenkrebs / Spermaqualität

    Angeblich sollen Östrogene im Trinkwasser schuld sein an der steigenden Anzahl Hodenkrebsfälle und der reduzierten Spermaqualität. Ursachen für den erhöhten Östrogengehalt im Trinkwasser sind natürliche Hormon Ausscheidungen von Frauen sowie Hormon Ausscheidungen aufgrund der Antibabypille. Desweiteren schaden auch pflanzliche Östrogene, wie sie in Soja vorkommen, der Spermaqualität.

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  • James Maron am 15.10.2019 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade - unvollständiger Artikel

    Und was ist jetzt genau eine Chlamydie? Ja ok - eine Bakterie. Woher kommt sie? Wie fängt man die möglicherweise ein? Behandlungsmethoden? Nur 5 Zeilen mehr und der Artikel wäre perfekt gewesen. Jetzt ist es einfach Effekthascherei.

  • Neri am 16.10.2019 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit

    Chlamydien werden auch beim geschütztem Geschlechtsverkehr verbreitet, es ist nicht 100% sicher, wenn man oral oder anal Sex hat sowieso. Was heisst hier obwohl die Schülerinnen/Schüler Sexunterricht hatten. Was ist den mit den älteren Männern , viele von denen wissen das auch nicht und stecken dann Partnerin/Ehefrau an, umgekehrt natürlich auch. Darum nimmt es zu. Hier muss bessere Prävention gemacht werden und sicher nicht, mit Gummi alles OK.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Manu el am 16.10.2019 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grund für Differenz?

    Laut Grafik gibts bei Frauen deutlich mehr Fälle von Chlamydien. Infizieren sich Frauen einfacher, haben Frauen mehr verschiedene SexpartnerInnen oder gehen Männer seltener zum Arzt?

    • Ephraim Lercher am 16.10.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manu el

      Oder die Testmethoden liefern bei den Männern zu viele falschnegative Resultate.

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  • Neri am 16.10.2019 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit

    Chlamydien werden auch beim geschütztem Geschlechtsverkehr verbreitet, es ist nicht 100% sicher, wenn man oral oder anal Sex hat sowieso. Was heisst hier obwohl die Schülerinnen/Schüler Sexunterricht hatten. Was ist den mit den älteren Männern , viele von denen wissen das auch nicht und stecken dann Partnerin/Ehefrau an, umgekehrt natürlich auch. Darum nimmt es zu. Hier muss bessere Prävention gemacht werden und sicher nicht, mit Gummi alles OK.

  • Manu el am 15.10.2019 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    Hodenkrebs / Spermaqualität

    Angeblich sollen Östrogene im Trinkwasser schuld sein an der steigenden Anzahl Hodenkrebsfälle und der reduzierten Spermaqualität. Ursachen für den erhöhten Östrogengehalt im Trinkwasser sind natürliche Hormon Ausscheidungen von Frauen sowie Hormon Ausscheidungen aufgrund der Antibabypille. Desweiteren schaden auch pflanzliche Östrogene, wie sie in Soja vorkommen, der Spermaqualität.

    • Endokrinologin am 16.10.2019 20:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Manu el

      Das ist kompletter Unfug, den Sie da erzählen. Östrogen ist bekannt dafür, allenfalls Brustkrebs zu begünstigen. Aber ganz sicher nicht Hodenkrebs. Östrogen vermindert sogar drastisch das Risiko an Prostatakrebs, dem häufigsten Krebs bei Männern, zu erkranken. Hodenkrebs hat gänzlich andere Ursachen, aber ganz sicher nicht Östrogen.

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  • juka am 15.10.2019 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist es möglich

    Dass eine Kausalität von Umwelt-UN-verträglichkeit und weiterer fertilität der Menscheit besteht und sich nicht verträgt?

  • Ruedi am 15.10.2019 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Big Business

    Ich habe die Liste mit etwa 40 Viren und Bakterien durch welche als Geschlechtskrankheiten definiert sind. Viel Spass bei der Diagnose und dann noch bei der Behandlund und wieder bei der Diagnose und das bei allen Beteiligten.