Harnwegs-Infekte

04. April 2017 12:54; Akt: 04.04.2017 12:54 Print

Darum zwickt die Blase immer und immer wieder

Harnwegsinfekte sind unangenehm. Zudem treten sie häufig erneut auf. Nun glauben Forscher, die Ursache gefunden zu haben.

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Ständiger Harndrang, eine zwickende Blase und Schmerzen beim Wasserlassen: Blasenentzündungen sind mehr als lästig – und sie kommen häufig wieder. Schuld daran ist laut US-Forschern das Bakterium Gardnerella vaginalis, das in der Vaginalwand sitzt, aber auch in die Blase gelangen kann. Es schädigt das Gewebe der Blasenwand und ebnet damit dem eigentlich Erreger den Weg zu einer neuen Infektion. Weitere Fakten zum Thema Harnwegsinfektion finden Sie in den folgenden Bildern. , da die weibliche Harnröhre kürzer ist als die männliche und Krankheitserreger schneller ihr Ziel erreichen. Laut einer im «British Journal of Family Medicine» veröffentlichten Studie leidet jede zweite Frau mindestens einmal in ihrem Leben an einer Blasenentzündung. Für sie steigt das Risiko ab dem 50. Lebensjahr. Grund: Männer in dem Alter haben oft eine vergrösserte Prostata und eine verengte Harnröhre. Dadurch wird der Harnabfluss behindert, sodass sich vermehrt Krankheitserreger in Blase und Harnröhre sammeln. Unter anderem trinken Frauen dann oft zu wenig, was verhindert, dass die Bakterien aus der Blase gespült werden. Zudem steigert Wassersport das Risiko, mit den Bakterien in Kontakt zu kommen. Auch nasse Bikini-Höschen tragen zu diesem Effekt bei. , weil Sex zu Schleimhautverletzungen und Harnröhren-Reizungen führen kann. Durch die gleichzeitige Veränderung des Scheidenmilieus können sich Erreger der Vagina auf der vorgeschädigten Schleimhaut vermehren und in die Blase gelangen. , denn jede Blasenentzündung lässt eine leicht entzündliche Wunde zurück. Frauen, die einmal die schmerzhafte Erfahrung gemacht haben, sind deshalb davon meist öfter wieder betroffen. , sich gegen Zystitis zu schützen: Sie können weder einer Blasenentzündung vorbeugen noch ihre Heilung herbeiführen. Wichtiger ist es, sich immer von der Scheide zum After hin zu säubern und nach dem Geschlechtsverkehr möglichst bald aufs WC zu gehen. , meistens sind jedoch Darmbakterien verantwortlich, die über die Harnröhre in die Blase gelangen. In seltenen Fällen verursachen aber auch Viren, Pilze oder Würmer das Ziepen in der Blase. Nur er kann bestimmen, wie die Therapie aussehen muss. Verlässlich Linderung verschaffen in der Regel Antibiotika. Welches davon im Einzelfall das richtige ist, offenbart ein Urintest. So bleiben beispielsweise die gängigen Mittel gegen den häufigsten Zystitis-Erreger (E.coli) bei der Therapie oft wirkungslos. Konkret: Ampicillin versagt in 60 Prozent, Trimethoprim/Sulfamethoxazol in 30 Prozent der Fälle. Und selbst die alternativ eingesetzten Chinolone sind schon bei jeder zehnten Behandlung nutzlos. Steigt sie in die Nieren auf und weitet sich die Entzündung auf andere Organe aus, droht eine Nierenbeckenentzündung und im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung. Denn wenn sich über längere Zeit Urin in der Blase sammelt, können sich die Bakterien schneller vermehren. Auch den Harndrang sollte man nicht unterdrücken, weil dadurch die Blasenmuskulatur überdehnt und die Blase nicht mehr vollständig entleert wird. : Besser als stark gewürzte Speisen, viel Salz, Kaffee, Alkohol oder schwarzer Tee, die alle die Blase reizen und damit die Grundlage für eine Entzündung schaffen, sorgen Hülsenfrüchte, Fisch, Vollkorn und Gemüse für sauren Urin, in dem es Erreger schwerhaben. Lassen Sie die Strings und Synthetik-Unterhosen im Schrank und tragen Sie stattdessen bequeme Höschen aus Baumwolle. , um der Entzündung die Gelegenheit zu geben, vollständig abzuklingen. Einziger Trost: In der Regel sind Harnwegsinfekte so schmerzhaft, dass die Lust auf Geschlechtsverkehr sowieso vergeht. Denn wer übertriebene Intimhygiene betreibt, beschädigt den Säureschutzmantel von Haut und Genitalbereich. Dadurch haben Bakterien leichtes Spiel und können schneller in den Körper gelangen

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Von Blasenentzündungen können die meisten Frauen ein Lied singen. Jede zweite ist davon im Laufe ihres Lebens mindestens einmal davon betroffen, häufig aber auch öfter.

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Tatsächlich bekommt rund die Hälfte aller Frauen nach einer durchgestandenen Zystitis in den nächsten zwölf Monaten eine weitere. Denn die Erreger – in der Regel das Kolibakterium Escherichia coli, kurz E.coli – können sich in der Harnblasenwand einnisten, tarnen und eine erneute Infektion hervorrufen. Das ist bekannt.

Ein Bakterium hilft dem anderen

Neu ist dagegen, dass die versteckten Keime bei der Entwicklung einer neuen Harnwegsinfektion bakterielle Hilfe bekommen. Das berichten Forscher der Washington University School of Medicine im Fachjournal «PLOS Pathogens».

In Experimenten mit weiblichen Mäusen fand das Team um Amanda L. Lewis heraus, dass das Bakterium Gardnerella vaginalis das Gewebe der Blasenwand schädigt. Der Erreger kommt in der Vaginalwand vor, kann aber auch in die Blase gelangen – beispielsweise beim Sex.

Hoffen auf neue Therapieformen

Eigentlich unproblematisch, bereitet Gardnerella vaginalis durch die Schädigungen, die es verursacht, den E.coli-Bakterien den Weg zu einer erneuten Infektion, wie es in einer Mitteilung der Hochschule heisst.

Ob sich die Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Sollte dem so sein, könnten die Erkenntnisse helfen, neue Therapien zu entwickeln.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sabrina W. am 04.04.2017 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heutige Medizin...

    Es sollte heutzutage doch möglich sein ein anderes Medikament zu entwickeln das hilft statt immer dasselbige Antibiotika.

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  • Betroffene am 04.04.2017 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unbedingt ausprobieren

    Femannose oder allgemein Mannose Pulver hilft hier besser als Antibiotika und langfristig!

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  • Fiona Dammann am 04.04.2017 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Unerträgliches Leiden

    Hat mich auf die schlimmste Art erwischt, und zwar im Spital, in Form einer Spital-Infektion; vorher und nachher hatte ich nie so etwas. War kaum unter Kontrolle zu bringen. Aber das war noch lange nicht alles. Hinzu kam eine Infektion der Operations-Wunde und schliesslich ein Lungen-Infekt, der mich für längere Zeit auf die Intensiv-Station brachte und fast das Leben kostete. Und ich bin knapp 30, wäre noch etwas früh gewesen... Wo das war ? Nein, nicht in einer Wellblech-Hütte als Spital im Urwald. Sondern als Allgemein-Patientin einem mittelgrossen Spital in der 'vorbildlichen' Schweiz

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Petra am 06.04.2017 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Kürbiskernöl BIO

    Kürbiskernöl BIO wirkt wunder. Seither hatte ich keine mehr. Und ich hatte bis zu 10 pro jahr. Jetzt kann ich auch mal wenig trinken und es ist immer top. Einfach jeden Tag 4 TL voll nehmen und gut ist.:). Wichtig es muss bio sein. Da die herstellung da anders ist. D Manose ist auch nicht schlecht. Wirkt aber manchmal nicht.

  • Silvia am 05.04.2017 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trinken

    Genug trinken. Das Wasser, Tee etc spült die Bakterien in der Blase raus.

  • eine Frau am 05.04.2017 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Noch ein Tipp

    Nach dem Sex Wasser lösen! Seit ich das immer mache hatte ich nie mehr eine Blasenentzündung.

  • Nele am 05.04.2017 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Impfung

    Bis vor 5 Jahren hatte ich mindestens einmal pro Monat eine Blasenentzündung. Sie kam jeweils innerhalb von 2 - 3 Stunden richtig deftig, so dass ich einmal sogar vor Schmerz ohnmächtig wurde. Teilweise ging das Ganze auch an die Niere usw. weiter. Mein Gynäkologe empfahl mir daraufhin eine Impfung (diese war damals neu auf dem Markt und kam von Deutschland), diese habe ich auch gemacht. Seitdem hatte ich nie mehr eine Blasenentzündung. Lasst euch mal beraten...

    • am 05.04.2017 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nele

      Was hast du dir Spritzen lassen? Fände ich noch interessant, denn ich kenne keine Inpfung gegen E. coli. Wäre ja lustig, wenn deine Colis im Darm alle sterben würden wegen der Impfung.

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  • Fran Cesca am 05.04.2017 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Kürbiskerne

    Kürbiskerne kaufen hilft auch sehr! Wir trocknen die Kürbiskerne, bei Bedarf röste ich sie kurz in der Bratpfanne, es bitzeli Salz und dann als Snack essen.