Anosmie

21. Februar 2011 19:39; Akt: 21.02.2011 19:39 Print

Das Leben in geruchsneutral

Wie ist es, die Welt nicht mehr riechen zu können? Anosmiker müssen auf die Wahrnehmung von Düften und die damit verbundene Sinnlichkeit verzichten.

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Der Duft einer Rose - wer möchte ihn missen?
(Bild: Colourbox)

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Der Duft von Fliederblüten, die frisch zubereitete Lieblingsspeise oder die alles andere als wohlriechenden Sportsocken: Der Geruchssinn begleitet uns durchs Leben. Ausschalten können wir ihn nicht bewusst, auch wenn wir uns das in manchen Situationen vielleicht wünschen. Spätestens während einer Erkältung, die uns Gerüche schlecht oder sogar überhaupt nicht wahrnehmen lässt, wissen wir, was wir an ihm haben. Dann belästigen wir andere mit zu üppig angewendetem Rasierwasser oder Parfüm, bemerken selbst nicht, dass unser Deodorant versagt, und können uns selbst am feinsten Essen nicht mehr erfreuen. Ist der Schnupfen überstanden, erwacht auch unser Geruchs- und Geschmacksinn wieder.

Anders ergeht es Menschen, die auf dieses Wiedererwachen vergeblich warten. Anosmie nennt sich der Verlust der Wahrnehmungsfähigkeit von Gerüchen und dem Geschmack. Die Anosmie lässt Betroffene nicht nur wegen der verloren gegangenen Sinnlichkeit im Leben leiden: Stark riechende, giftige Dämpfe, Gas oder den Geschmack verdorbener Nahrungsmittel nehmen sie schlicht nicht wahr. Im schlimmsten Fall droht Lebensgefahr.

Duftmoleküle gehen uns auf die Nerven

Damit wir etwas riechen können, müssen in unserem Körper bestimmte Prozesse ins Rollen gebracht werden. Dies geschieht beispielsweise durch in die Luft beförderte Duftmoleküle einer Rose. Die Duftmoleküle der Blüte treffen in der Nase auf spezielle Nervenzellen, die olfaktorischen Zellen. Danach wird die Duftbotschaft zum Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn wiederum erkennt diese Botschaft als Rosenduft.

Ist die Nasenschleimhaut, beispielsweise wegen eines Schnupfens, irritiert oder sind die olfaktorischen Zellen selbst angegriffen, kann das zu einem temporären oder langfristigen Verlust des Geruchssinns führen. Das Tragische: Der Geruchssinn ist mit unserem Geschmackssinn gekoppelt. Feinste Aromen schmecken wir nur noch ansatzweise oder überhaupt nicht mehr – eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Kokain macht unsinnlich

Zu den häufigsten Gründen für das Auftreten einer Anosmie gehören Erkältungen, Allergien oder schlechte Luftqualität, wie das US-amerikanische Medizin-Portal «WebMD» berichtet.
Aber auch Nasenpolypen, eine Verletzung der olfaktorischen Zellen, beispielsweise durch eine Operation oder ein Gehirntrauma, die Exposition gegenüber giftigen Chemikalien, Kokainmissbrauch oder das Einnehmen bestimmter Medikamente können den Geruchssinn verschwinden lassen. Auch das Alter spielt eine Rolle: Je älter wir werden, desto weniger gut können wir riechen.

Verschwindet der Geruchssinn plötzlich oder wird wird er langsam immer schlechter? Dann ist es ratsam, einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufzusuchen. Er kann abklären, ob ein Polyp den für uns so wichtigen Sinn trübt. Wer möchte das baldige Frühlingserwachen schon ohne den Duft von Kirsch- und Apfelblüten erleben?

(rre)