Neue Studie

04. September 2012 11:53; Akt: 04.09.2012 12:19 Print

Der Bio-Bonus ist ein Märchen

von Doreen Fiedler, dpa - Bio-Lebensmittel sind kaum gesünder als konventionell angebaute Nahrung. Wer auf Waren auf Bio setzt, tut dennoch ein gutes Werk: Die Natur profitiert vom sanften Ackerbau.

Bericht über den Bio-Anbau in den USA. Quelle: YouTube/ZeigZunge333
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Eine grosse Studie kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Bio-Lebensmittel sind demnach nur wenig gesünder als konventionelles Essen. Doch die Umwelt profitiert allemal, betonen Umweltverbände und Agrarforscher wie der Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL im aargauischen Frick.

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Die Forscher von der Universität Stanford fanden keinen deutlichen Nachweis, dass biologische Lebensmittel nährstoffreicher sind oder ein geringeres Gesundheitsrisiko bergen. Ihre umfangreiche Meta-Analyse dazu ist im Fachblatt «Annals of Internal Medicine» erschienen. Bio-Essen verringert nach Erkenntnissen der US-Forscher aber das Risiko, Pflanzenschutzmittel zu sich zu nehmen.

Für die Stanford-Studie sichteten Wissenschaftler um Dena Bravata tausende Untersuchungen und wählten davon 223 aus, die entweder den Nährstoffgehalt oder die Belastung mit Bakterien, Pilzen oder Pestiziden verglichen. 17 Studien - darunter sechs klinische Versuche - betrachteten ausserdem Personen-Gruppen, die sich biologisch oder herkömmlich ernährten.

Kein Gesundheitsvorteil

Eine Langzeitstudie, die sich explizit mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Ernährungsweisen beschäftigt, war indes nicht darunter. Die Untersuchungszeiträume betrugen zwei Tage bis zwei Jahre. Die Ergebnisse zeigten keinen wirklichen Gesundheitsvorteil für die Bio-Lebensmittel: Der Vitamingehalt unterschied sich den Forschern zufolge kaum, Fette und Proteine waren ähnlich verteilt. Krankheitserreger kamen in keiner der beiden Gruppen häufiger vor.

Auch besonders gesunde Bio-Früchte oder Bio-Gemüse konnten die Wissenschaftler nicht ausmachen. «Wir waren ein bisschen erstaunt, dass wir nichts gefunden haben», meinte Co-Autorin Crystal Smith- Spangler laut einer Mitteilung der Universität Stanford.

Allerdings waren die Bio-Lebensmittel seltener mit Pestiziden kontaminiert - auch wenn auch nicht zu 100 Prozent frei davon. Zwei Studien etwa wiesen im Urin von Kindern, die sich biologisch ernährten, geringere Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln nach. Auch scheint es, als würden Bio-Hühner und -Schweine weniger Antibiotika-resistente Bakterien aufweisen, doch ist die klinische Bedeutung dieser Befunde laut den Forschern unklar.

Bio besser für die Umwelt

Der Umweltschutzorganisation Greenpeace liegen ähnliche Ergebnisse vor. «Wir sagen nie, dass Bio gesünder ist», sagte Christiane Huxdorff, die bei Greenpeace für nachhaltige Landwirtschaft zuständig ist, der Nachrichtenagentur DPA. Sie betonte allerdings, dass der Verzicht auf Pestizide beim biologischen Anbau sich positiv auf Mensch und Umwelt auswirken könnte.

Die Studie sei «nicht überraschend», kommentierte Agrarforscher Urs Niggli, Direktor des FiBL. Wären konventionelle Lebensmittel lebensverkürzend, müssten sie schliesslich vom Markt genommen werden. Allerdings gebe es noch keine Studie über die kombinierten Effekte von Rückständen, die am zulässigen Limit liegen. «Im Apfelanbau etwa werden mehrere Fungizide, Insektizide und Herbizide verwendet, ausserdem Phytohormone, um die Früchte auszudünnen. Die Auswirkungen dieser Chemikalien werden nie summiert.»

Niggli betonte zudem die «unglaublich positive Wirkung» von ökologischer Landwirtschaft auf die Biodiversität. «Auf dem Land von Biobetrieben herrscht eine viel grössere Artenvielfalt - von den kleinsten Mikroorganismen bis hin zu den Vögeln», sagte er. Auch werde das Grundwasser viel weniger belastet - nicht umsonst wollten Wasserwerke, dass in ihrem Einzugsgebiet die Flächen biologisch bewirtschaftet werden. «Mit Bio kauft man sich immer ein Paket an positiven Eigenschaften.»


Eine «arte»-Reportage zum Thema Bio-Anbau. Quelle: YouTube/ikprojektpeacemaker

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wenn man sich Gedanken zu Bioprodukten machen will, muss man ganz klar zwischen Schweizer Bioprodukten und ausländischen Unterscheiden. Im Ausland z.B. Deutschland, kann ein Betrieb das eine Jahr jene Parzelle als Bio anbauen und nächstes Jahr eine andere. In der Schweiz kann aber nur der ganze Betrieb bio sein. Vielfach ist es eben so, dass auländische Bioprodukte nicht mal die Qualität von konventionellen schweizer Produkten haben. – Hans Müller

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Mayer am 04.09.2012 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bio kauft man wegen weniger Chemie!

    Die Studie ist völlig überflüssig, niemand hat je behauptet, Bio Gemüse hätte mehr Vitamine. Es geht darum, dass Bio weniger mit Chemie belastet ist. Div. Pestizide gehen nämlich in Teile der Pflanze über, da nützt abwaschen leider nichts.

  • BeatCH am 04.09.2012 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Widerspruch im Quadrat

    Einerseits: "Die Forscher fanden keinen bedeutenden Nachweis, dass biologische Lebensmittel ein geringeres Gesundheitsrisiko bergen". Andererseits: "Bio-Essen seltener/weniger Pflanzenschutzmittel (Gift!!!)kontamiert, was man sogar im Urin (!) der kinder nachweisen kann." Einerseits: "Wären konventionelle Lebensmittel lebensverkürzend, müssten sie vom Markt genommen werden." Andereseits: "gibt keine Langzeitsstudie" (nur 2 Tage bis 2 Jahre) und "gebe es noch keine Studie über die kombinierten Effekte von Rückständen" (dieser Gifte). Aussage: "Bio-Lebensmittel sind kaum gesünder" ist ein Hohn.

  • Animal am 04.09.2012 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei bio gehts um natur und tiere!

    Versteh au nicht weshalb man jetzt so darüber berichtet... Bei Bio geht es ausnahmsweise mal nicht um uns sondern um natur&tiere - und das ist gut&unterstützenswert!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schreberhans am 04.09.2012 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wer die Möglichkeit hat....

    soll sein Gemüse selber anbauen. Nicht zu vergleichen mit Supermarktgemüse, seies normal oder Bio....

  • Timothée Mollet am 04.09.2012 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ethik

    Bio verbraucht mehr Platz um die gleiche Menge an Nahrung herzustellen. Wenn man weltweit die ganze Nahrungsmittelproduktion auf Bio umstellen würde, könnte man gerade 4 Milliarden menschen ernähren. Mir fehlt bei der Umfrage der Punkt: "Nein, ich entscheide mich bewusst gegen Bio"

  • Peter Mayer am 04.09.2012 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bio kauft man wegen weniger Chemie!

    Die Studie ist völlig überflüssig, niemand hat je behauptet, Bio Gemüse hätte mehr Vitamine. Es geht darum, dass Bio weniger mit Chemie belastet ist. Div. Pestizide gehen nämlich in Teile der Pflanze über, da nützt abwaschen leider nichts.

  • Der Tom am 04.09.2012 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schade, dass der Titel so negativ ist

    Es gibt wohl kaum jemanden der Bio kauft weil es gesünder sein sollte! Ich kaufe es weil es zu etwas besserem Umweltschutz zwingt.

  • Noshow am 04.09.2012 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nie wieder bio

    Kommt für mich nicht mehr in Frage Bio-Produkte zu kaufen. Sehen schon mitgenommen aus und die Haltbarkeit ist eine Zumutung. Habe nur negatives erlebt. Heute mache ich einen grossen Bogen um solcher Art Produkte. Zudem, der Preis ist reine Abzokke und nicht gerechtfertigt.