Fukushima

10. Juni 2011 14:13; Akt: 10.06.2011 15:49 Print

Der lange Kampf gegen die Strahlen

Seit Beginn der Atomkatastrophe in Japan sind drei Monate vergangenen. Dennoch macht sich das Ausmass der Verstrahlung erst jetzt richtig bemerkbar.

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Trotz grosser Aufräumanstrengungen sind in Japan auch drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami die Spuren der Katastrophe noch allgegenwärtig. (Bilder Stand Mitte Juni) So präsentierte sich der Parkplatz eines Shoppingcenters in Otsuchi in der Präfektur Iwate am 13. März. Inzwischen könnten allfällige Kunden zumindest wieder parkieren. Kesennuma in der Präfektur Miyagi wurde vom Tsunami mit voller Wucht getroffen. Das Bild zeigt die Verwüstung am 15. März. Bis zum 3. Juni wurde bereits viel aufgeräumt, doch von einer Rückkehr zur Normalität ist man noch weit entfernt. Wieder Kesennuma am 13. März. Die enormen Trümmerberge sind verschwunden. Doch Neues ist bisher nicht entstanden. Natori in der Provinz Miyagi als der Tsunami am 11. März kam. Natori am 3. Juni: Das Wasser hat sich wieder zurückgezogen. Geblieben ist die Zerstörung und eine Halde voll schrottreifer Autos. Ein einziges Haus hat die Welle überstanden. Am 20. März sah es in Kesennuma noch so aus. Am 3. Juni ist der gröbste Schutt weg. Von einem Wiederaufbau ist aber noch nichts zu sehen. Japan wird noch viel Zeit brauchen, um die Überreste der Katastrophe zu beseitigen. Nach wie vor gilt es, enorme Mengen von Trümmern zu bewältigen, wie dieses Bild aus Yamada in der Präfektur Iwate vom 6. Juni beweist. Immer noch aktiv sind auch die Spezialisten der Polizei, die wie auf diesem Bild aus Kesennuma vom 8. Juni die Schuttberge nach den Überresten von Vermissten durchkämmen.

Japan - drei Monate nach dem grossen Beben 2011.

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Fukushima ist medial fast in Vergessenheit geraten - doch die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Nachwirkungen werden die Japaner noch über Jahrzehnte spüren. Auch die Teebauern der Provinz Shizuoka sehen sich derzeit damit konfrontiert, dass ihr Anbauprodukt eine erhöhte radioaktive Strahlung aufweist.

Wie die Behörden in Shizuoka bekanntgaben, wurden in getrockneten Teeblättern aus dem Anbaugebiet Warashina in der Provinz Shizuoka 679 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm festgestellt. Das Gebiet liegt 370 Kilometer südwestlich von der Atomruine Fukushima. Der offiziell erlaubte Grenzwert liegt bei 500 Becquerel.

Proben geben Anlass zur Sorge

Die Regierung hatte kürzlich entschieden, Auslieferungen von grünem Tee aus einigen Anbaugebieten in den näher an Fukushima gelegenen Provinzen Ibaraki und Chiba sowie Kanagawa und Tochigi zu stoppen. Anlass waren Messwerte in Proben von über 500 Becquerel. Japan hat im vergangenen Jahr 83 000 Tonnen an getrockneten Teeblättern produziert, 40 Prozent davon in Shizuoka.

Seit dem schweren Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März im Nordosten Japans tritt aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima 1 Radioaktivität aus. Es wird noch Monate dauern, bis die Reaktoren unter Kontrolle sind.

Auch Bewohner in der 250 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio sorgen sich zunehmend vor Verstrahlung. Die Stadtverwaltung beschloss, ab Mitte dieses Monats an 100 Stellen der Stadt zu messen. Einzelne Stadtteile haben bereits mit eigenen Strahlenmessungen begonnen.

Atom-Arbeiter erkrankt

Am Freitag wurde einer der Arbeiter in der Atomruine in bewusstlosem Zustand mit einem Helikopter in ein Spital geflogen. Der zwischen 40 und 50 Jahre alte Mann hatte am Vortag chemische Bindemittel versprüht, die eine Ausbreitung der radioaktiven Partikel verhindern sollen.

Am Freitag sei er bewusstlos in einer Unterkunft gefunden worden, berichtete die Agentur Jiji Press unter Berufung auf die Betreibergesellschaft Tepco. Er habe auch Fieber gehabt.

Tepco begann am Freitag im AKW Fukushima damit, eine neue Anlage zur Dekontaminierung der gewaltigen Wassermassen zur Kühlung der Reaktoren eine Woche lang zu testen.

Sollte der Test erfolgreich sein, möchte Tepco damit bis März nächsten Jahres täglich 1200 Tonnen Wasser von radioaktiven Materialien zu befreien. Die Reparaturtrupps des AKW setzen seit Monaten Millionen Liter Wasser ein, um die beschädigten Reaktoren zu kühlen.

Konferenz in Wien

Wegen der Reaktorkatastrophe in Japan ist vom 20. bis zum 24. Juni in Wien eine Ministerkonferenz bei der Atomenergiebehörde der UNO (IAEA) anberaumt. An der Konferenz wird auch eine Schweizer Delegation teilnehmen, wie das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) am Freitag mitteilte.

Ziel der Konferenz sei, erste Lehren aus dem Reaktorunfall zu ziehen, schrieb das UVEK. Die Delegation steht unter der Leitung von Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie (BFE).

(sda)