EHEC-Epidemie

04. Juni 2011 19:52; Akt: 08.06.2011 11:32 Print

Die Spur führt in den «Kartoffel-Keller»

Bei der Suche nach dem Auslöser der EHEC-Infektionswelle steht ein Restaurant in Lübeck im Zentrum. Entlastet ist das Hamburger Hafenfest, welches im Lauf des Tages in den Fokus gerückt war.

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Der Lübecker «Kartoffel-Keller» steht im Fokus der Behörden. (Bild: Screenshot ARD)

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Bei der Suche nach dem Auslöser der EHEC-Infektionswelle haben Gesundheitsbehörden in Deutschland jetzt ein Lübecker Restaurant überprüft. Insgesamt 17 Erkrankte hätten dort zwischen dem 12. und dem 14. Mai gegessen, berichteten die «Lübecker Nachrichten». Ein Sprecher des Kieler Gesundheitsministeriums bestätigte auf dapd-Anfrage, dass Teilnehmerinnen eines Seminars der Steuergewerkschaft nach einem Besuch in Lübeck erkrankt seien. Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts (RKI) seien inzwischen in der Hansestadt gewesen.

Die schleswig-holsteinischen Behörden erklärten, sie gingen dem Fall nach, wollten aber nicht von einer heissen Spur sprechen. Der Bericht der Zeitung sei «überzogen», sagte ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums in Kiel.

«Das Restaurant trifft keine Schuld, allerdings kann die Lieferantenkette möglicherweise den entscheidenden Hinweis geben, wie der Erreger in Umlauf gekommen ist», wird Werner Solbach, Mikrobiologe am Universitätsklinikum Lübeck, zitiert.

«Angestellte essen dasselbe - und da ist keiner krank»

Der Zeitung zufolge hatte in dem Restaurant unter anderem eine dänische Besuchergruppe zu Mittag gegessen, die für einen Tagesausflug in die Hansestadt gekommen war. Acht Teilnehmer hätten sich infiziert. Zur selben Zeit hätten auch 30 Frauen einer Gewerkschaft in dem Lokal gespeist. Die Teilnehmerinnen, die aus ganz Deutschland stammten, seien zu einem Seminar in Lübeck gewesen. «Bislang wissen wir von acht, teilweise sehr schweren Fällen. Eine Teilnehmerin aus Nordrhein-Westfalen ist verstorben», sagte Dieter Ondracek, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft in Berlin, der Zeitung.

Der Besitzer des Restaurants «Kartoffel-Keller», Joachim Berger, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in seinem Restaurant seien keine Erreger festgestellt worden. «Unsere Leute essen ja dasselbe. Und keiner von unseren Mitarbeitern ist krank.» Berger muss sich nun darauf einstellen, dass in seiner Gaststätte alles auf den Kopf gestellt werden wird. Gegenüber der Tagesschau der ARD wehrte sich der Restaurant-Besitzer: «Diese Gäste haben ja alle auch noch in anderen Lübecker Betrieben gegessen!»

Jede Gabel wird inspiziert

Ein weiterer schwerer Infektionsfall scheint im Zusammenhang mit dem Lokal zu stehen. Ein erkranktes Kind aus Süddeutschland sei bei einer Familienfeier ebenfalls im betreffenden Zeitraum in dem Restaurant gewesen, sagte Solbach den «Lübecker Nachrichten».

«Hier wird wirklich akribisch, detektivisch jede Schublade, jede Gabel, jedes Lebensmittel einmal umgedreht», sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller. Denn selbst Wochen nach einer EHEC-Infektion könne der Keim an einer Quelle noch nachgewiesen werden, solange die Umgebung das Wachstum eines Erregers begünstige.

Das Gesundheitsministerium in Berlin bestätigte, dass es Untersuchungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) in einem Lokal in Lübeck gegeben habe. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor, sagte ein Sprecher.

Hamburger Hafengeburtstag unverdächtig

Vermutungen, nach denen der Hamburger Hafengeburtstag für den EHEC-Ausbruch verantwortlich ist, wiesen die Behörden zurück. RKI-Experten hätten bereits vor zehn Tagen das Hafenfest als Auslöser der EHEC-Welle ausgeschlossen, erklärte die Hamburger Gesundheitsbehörde.

Das RKI betonte, solche Pressemeldungen «decken sich nicht mit den Erkenntnissen des RKI und stehen im Widerspruch zum epidemiologischen Profil des Ausbruchs».

Am Samstag hatte das Nachrichtenmagazin «Focus» vorab berichtet, der Ausbruch falle womöglich mit dem Hamburger Hafengeburtstag Anfang Mai zusammen. Diese These werde intern beim RKI favorisiert.

2500 Fälle

Hamburg und Schleswig-Holstein, wo Lübeck liegt, sind am stärksten von den EHEC-Infektionen betroffen. Bis Freitag wurden in ganz Deutschland über 1700 EHEC-Infektionen registriert. Bei weiteren 800 Patienten wird eine Infektion vermutet.

Bei vielen Patienten entwickelt sich das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das lebensgefährlich ist. Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation gibt es neben Deutschland auch EHEC- Infektionen in der Schweiz (3 Fälle), in Italien, Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Schweden, Grossbritannien und den USA. Von den meisten Patienten ist bekannt, dass sie zuvor in Deutschland waren.

Die USA erklärten am Samstag, sie wollten Tomaten, Gurken und Salat aus Deutschland und Spanien streng kontrollieren. Russland hatte den Import von Gemüse aus der EU komplett gestoppt.

(jam/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Kälin am 05.06.2011 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Doch eine gezielte Aktion?

    Und wenn ich das lese, es wirklich denn so ist das die Leute sich in diesem Lokal in Deutschland angesteckt haben, verhärtet sich meine Vermutung das da jemand gewaltig nachgeholfen hat. Möglicherweise eine Person aus dem Umfeld der Besucherinnen und Besucher. Wie einfach es doch ist, ein mutiertes gefährliches Bakterium, mit einem Hand-Sprayer über Gerichte zu sprayen... Eventuell einer der über seine Steuern verärgert ist oder seinen Vorgesetzten los haben wollte. Dann ist es aus dem Ruder gelaufen und hat sich weiter verbreitet Eine gezielte Aktion...

  • Leneya am 05.06.2011 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank, Medien!

    Mit jedem "Skandal" der durch die Medien geht, wird das betreffende Produkt immer günstiger verkauft, weil weniger Leute das Produkt kaufen wollen - unverständlich, da der Skandal vorbei ist, und daraufhin ja strenger kontrolliert wird. Ob nun BSE, Dioxin-Eier, nun Gurken, gegessen hat man es ja auch ohne Skandal mit Genuss. Darum sage ich "Danke Medien" und geniesse meinen Gurkensalat ;)

  • Golum Mendes am 04.06.2011 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Medien

    Die Medien sollten sich zurückhalten! Oder die Behörden mit Desinformation. Es werden hier Bereichte zu Annahmen gemacht und damit Schaden angerichtet. Statt nur klare Fakten zu kommunizieren wird einfach jeder Mist geschrieben, den irgendwer erzählt. Ein Armutszeugnis!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Brechtbühl am 05.06.2011 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständnis Pur

    Erst die Spanischen Bauern, jetzt ein Wirt aus Deutschland. Immer mehr Existenzen werden durch diese wirren Anschuldigungen zerstörrt. Es muss endlich klarheit herrschen, woher der Erreger kommt! Doch frage ich mich, warum der Bundesrat keinen Importstopp für Deutsches Gemüse verhängt? Deutschland würde bei uns das selbe tun...

  • Marco Kälin am 05.06.2011 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Doch eine gezielte Aktion?

    Und wenn ich das lese, es wirklich denn so ist das die Leute sich in diesem Lokal in Deutschland angesteckt haben, verhärtet sich meine Vermutung das da jemand gewaltig nachgeholfen hat. Möglicherweise eine Person aus dem Umfeld der Besucherinnen und Besucher. Wie einfach es doch ist, ein mutiertes gefährliches Bakterium, mit einem Hand-Sprayer über Gerichte zu sprayen... Eventuell einer der über seine Steuern verärgert ist oder seinen Vorgesetzten los haben wollte. Dann ist es aus dem Ruder gelaufen und hat sich weiter verbreitet Eine gezielte Aktion...

  • Daniel am 05.06.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    EHEC

    Hört doch endlich mit dem Theater + den Geschäftsschädigungen auf, publiziert einen Artikel, wenn es 100% sicher ist

  • Leneya am 05.06.2011 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank, Medien!

    Mit jedem "Skandal" der durch die Medien geht, wird das betreffende Produkt immer günstiger verkauft, weil weniger Leute das Produkt kaufen wollen - unverständlich, da der Skandal vorbei ist, und daraufhin ja strenger kontrolliert wird. Ob nun BSE, Dioxin-Eier, nun Gurken, gegessen hat man es ja auch ohne Skandal mit Genuss. Darum sage ich "Danke Medien" und geniesse meinen Gurkensalat ;)

  • Calahari am 05.06.2011 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schöpfung rächt sich

    Wurde eigentlich untersucht, ob genmanipulierte Produkte konsumiert wurden?