Influenza

07. Februar 2011 16:33; Akt: 07.01.2015 10:55 Print

Ein Impfstoff gegen alle Grippe-Viren?

Wer sich gegen die saisonale Grippe impft, ist nur gegen drei Viren-Stämme geschützt. Jetzt testen britische Wissenschaftler einen Impfstoff, der gegen alle Grippeviren eingesetzt werden kann.

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Auf Reisen ist die Gefahr einer Ansteckung besonders gross. Droht etwa Gefahr durch Viren, die durch die Klimaanlage im Flugzeug durch die Luft geschleudert werden? Der Infektiologe Christian Ruef vom Unispital Zürich gibt Entwarnung: «Eher nicht: Die Luft wird gefiltert. Die Infektion kann nur direkt über Tröpfchen oder kontaminierte Oberflächen erfolgen.» Und wenn ein Träger des Virus' neben oder hinter mir niest, ist es vermutlich schon um mich geschehen? «Um in einem solchen Fall das Risiko einer Ansteckung zu reduzieren ist es sinnvoll, sich abzuwenden, gegebenenfalls die Atmung einen Moment lang anzuhalten, bis sich die in der Luft versprühten Tröpfchen gesenkt haben», erklärt Ruef. Angenommen, man kam mit einem mit Grippeviren kontaminierten Gebrauchsgegenstand in Berührung und isst direkt im Anschluss einen Apfel. Kann die so aufgenommene Virenkonzentration ausreichen, um einen Gesunden zu infizieren? Der Experte bejat diese Frage und führt aus: «Die so aufgenommene Erregermenge kann ausreichen. Natürlich hängt es auch ein bisschen davon ab, ob der Betreffende ein geschwächtes Immunsystem hat (zum Beispiel durch eine andere Krankheit oder Medikamente).» Im Anschluss an den WC-Besuch wäscht sich - zumindest die Mehrzahl - die Hände. Danach wird der zuvor mit schmutzigen Händen geöffnete Wasserhahn zugedreht und die vom Vorgänger kontaminierte Türklinke mit der frisch gewaschenen Hand geöffnet. Ist da die ganze Händewascherei nicht sinnlos? «Das ist tatsächlich ein Schwachpunkt im System», meint Ruef. Auch wenn es seltsam aussehen mag - bevor man Türklinken und und andere «öffentliche» Gegenstände anfasst, rät der Experte während einer Influenza-Pandemie zum Griff ins Taschentuch-Päckli: «Es ist durchaus nachvollziehbar und nicht übertrieben, Türfallen mit einem Wegwerf-Tüchlein anzufassen und nicht mit blossen Händen.» Wie lange kann ein Grippe-Erreger auf Gegenständen (zum Beispiel dem Pult oder der Tastatur) überleben? Der Mediziner rät zur Vorsicht: «Es gibt Influenza-Viren, die über Stunden oder sogar Tagen aktiv sind.» Ist es übertrieben, ein Desinfektions-Gel oder -Schaum in der Handtasche mit sich zu führen? Ruef findet: «Dies ist eine persönliche Entscheidung: Wenn man sich sicherer fühlt, kann man das machen. Doch bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass diese Desinfektionsmassnahmen sinnvoller sind als häufiges Händewaschen.» Angenommen, jemand niest in die Hand, unmittelbar danach greift er nach einer Türklinke: Genügt die durch das Berühren dieses Gegenstands aufgenommene Virenkonzentration, um eine Person zu infizieren? Der Mediziner rät zur Achtsamkeit: «Ja, denn wenn eine Person niest, gelangen Millionen von Viren auf die Hand. Von hier aus werden die Erreger an Gegenstände oder durch das Händeschütteln direkt an andere Personen weitergegeben.» Der beste Schutz vor einer Grippe ist und bleibt die Impfung. Wer sich in diesem Jahr gegen die saisonale Influenza immunisieren lässt, wird automatisch gegen die Schweinegrippe mit geimpft. Aber Vorsicht: der Impfschutz ist erst rund zwei Wochen nach der Immunisierung aktiv.

Grippe: Wo droht Ansteckungsgefahr?

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Dürfen wir in naher Zukunft auf einen Impfstoff hoffen, der uns vor allen Grippeviren schützt? Wissenschafter des Oxford University Jenner Institutes in Grossbritannien haben ein solches Vakzin bereits am Menschen getestet. Von den insgesamt 22 Testpersonen wurden elf mit dem Impfstoff behandelt. Danach wurden alle Teilnehmer dem Grippevirus ausgesetzt.
Wenige Tage nach der Infektion liess sich nachweisen, dass in der geimpften Gruppe deutlich weniger Probanden Grippe-Symptome zeigten.

Mit T-Zellen-Invasion gegen infizierte Körperzellen

Bei der Entwicklung des Universal-Impfstoffs standen die Forscher Anfangs vor einem grossen Problem. «Bei Grippeviren gibt es unterschiedliche Stämme und die verändern sich ständig», sagt Adrian Hill, Direktor des Oxford Jenner Institutes auf Anfrage des «Guardian». Statt auf die Viren selbst, richteten die Forscher ihren Fokus auf die T-Zellen, ein wichtiger Bestandteil unserer Immunabwehr: Sie entwickelten ein Impfserum, das die Produktion der Immunzellen im Körper ankurbelt. T-Zellen sind in der Lage, mit Viren infizierte Zellen zu erkennen und diese zu zerstören. Der positive Verlauf der Studie lässt hoffen: Nun wollen die Wissenschaftler das Serum an mehreren tausend Probanden testen.

(rre)