Gratifikationskrise

26. März 2012 08:43; Akt: 26.03.2012 10:18 Print

Ein mieser Job geht ans Herz

Eine leistungsgerechte Entlöhnung sowie Anerkennung für die getane Arbeit wünscht sich jeder. Doch wehe, wenn diese Wertschätzung ausbleibt: das Herzinfarktrisiko steigt dramatisch an.

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Frust im Job? Das kann über die Jahre lebensgefährliche Folgen haben.
(Bild: Colourbox)

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Der psychische Druck am Arbeitsplatz hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen: Jeder Zehnte (9,6 Prozent) – das geht aus einem Gesundheitsreport der deutschen Krankenkasse DAK hervor – leidet unter einer sogenannten Gratifikationskrise. Sie steht häufig im Zusammenhang mit einem ungleichen Verhältnis zwischen Belohnung und geleisteter Arbeit, wie die «Ärzte Zeitung» berichtet: Auch Arbeitsplatzunsicherheit, nicht vorhandene innerbetriebliche Entwicklungsmöglichkeiten sowie fehlende Anerkennung der Leistung seitens des Vorgesetzten können Gegenstand einer Gratifikationskrise sein.

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Besonders besorgniserregend: Solche Missstände schaden nicht nur der Psyche, sondern auch dem Herzen: Demnach soll das Herzinfarktrisiko von Gratifikationskrisen-Geplagten im Vergleich zu nicht betroffenen Arbeitnehmern um das Doppelte erhöht sein. «Je grösser Selbstbestimmung und Gestaltungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz sind, umso weniger tritt dieses Problem auf», kommentiert Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK, das Ergebnis einer von der Krankenkasse durchgeführten repräsentativen Umfrage. Im Rahmen der Erhebung wurden 3000 Berufstätige in Deutschland befragt.

Gratifikationskrise: Bei Selbstständigen eher selten

Besonders oft trifft es laut Umfrageergebnis Facharbeiter (11,2 Prozent). Ebenso über dem Durchschnitt liegen mit 10,8 Prozent die Arbeiter. Seltener von einer Gratifikationskrise betroffen sind hingegen Selbstständige und Freiberufler (3,9 Prozent). Überraschend in diesem Zusammenhang ist, dass betriebliche Zielvereinbarungen, bei denen Verantwortung für messbare Arbeitsergebnisse auf Beschäftigte übertragen wird, laut DAK nicht zu mehr Gratifikationskrisen führen.

Die Studienleiter beunruhigt schliesslich, dass Betroffene kaum etwas gegen ihren Zustand unternehmen. «Obwohl diese Arbeitnehmer um ihr erhöhtes Gefährdungspotential wissen, belegt der Report, dass sie sich nicht stärker um ihre Gesundheit kümmern als andere Beschäftigte», sagt Rebscher. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Unternehmen stärker für das innerbetriebliche Gesundheitsmanagement einsetzen.

(rre)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Drufay am 26.03.2012 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Die neue Unterdrückung

    Die Arbeitnehmer würde wohl gerne etwas unternehmen und die Stelle wechseln, diese ist aber kaum möglich ab 50+. Wenn man dann mal so gefangen ist, beginnt der Stress erst richtig! In der Schweiz gilt das besonders, da unser Land mit qualifizierten und vorallem jungen Fachleuten "geflutet" wurde und die Arbeitnehmer haben somit genügend "Manövriermasse/Ressourcen" und es drängen sich keine Verbesserungen im Verhalten auf.

  • egolina am 26.03.2012 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    tststs

    Hätte man diese Studie nicht vor der Abstimmung zu 6 Wochen Ferien machen und publizieren können?? So hätten sicher einige mehr mit JA gestimmt...

  • Nonno99 am 26.03.2012 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann echt jetzt?!

    Irgendwann ist dann auch mal Schluss!! Ja und jetzt an irgendetwas muss man schließlich sterben!! Atmen is auch nicht gesund .. Luft könnte ja Giftstoffe enthalten...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Philippe Trachsel am 27.03.2012 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe das so.

    Wer einen guten Arbeiter ist, wird auch dafür belohnt. Aber Heut zu Tage wird einfach mal drauflos gemotzt. Soblad jemand eine Überstunde machen muss, ist es gleich ein doofer Job. Annerkennung muss sich jeder selbst verdienen.

  • Nonno99 am 26.03.2012 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann echt jetzt?!

    Irgendwann ist dann auch mal Schluss!! Ja und jetzt an irgendetwas muss man schließlich sterben!! Atmen is auch nicht gesund .. Luft könnte ja Giftstoffe enthalten...

  • John Henry am 26.03.2012 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbewusstsein

    Also ich mach's jeweils ganz einfach: Ich mach meine Arbeit wirklich gut und dann (wenn Wertschätzung ausbleibt) wenn ich die Gelegenheit habe mit dem Boss zu reden habe sage ich "gell, das hab'ich gut gemacht?" Der Boss muss dies dann zugestehen und somit ziehe ich ihm ein Kompliment aus dem Mund. Dann, wenn er dies gesagt hat sag'ich ihm dass ich es wertschätze, dass er meine gute Arbeit schätzt und dass er ruhig mit mehr Komplimente um sich werfen soll. Manchen Bossen ist dies gar nicht bewusst dass sie mit Wertschätzung zufriedene Mitarbeiter kreieren, da sie selber unsicher sind.

  • Adam am 26.03.2012 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    GELD GELD GELD

    Die Schweizer haben wirklich ein Problem... Und das ist Egoismus. Ich bin in der Schweiz geboren und habe dort gelebt, nun lebe ich in meinem wirklichen Heimatsland. Die Schweiz ist sauber, geregelt und bietet vieles. Aber beim Thema Menschlichkeit ist da ein GROSSES MINUS. Man wird bei der Arbeit eher als eine Nummer angesehen als ein Mensch. Es geht bloss ums Geld, ich habe selten erlebt dass Schweizer mal einfach so spendieren oder locker sind. Bei der Wahl für 6 Wochen ferien waren auch alle dagegen, warum? Weil sonst Geld verloren geht.. alles ausser Geld ist nicht wichtig für euch

  • Steve am 26.03.2012 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    wenn das stimmt,

    müssten ja einige Bänker weniger auf der Welt leben. Nur noch 5 Millionen anstatt 10 Kisten, oder gar nur noch eine Million? Das geht sicherlich ans Herz.