Psychische Besonderheiten

23. Oktober 2008 13:00; Akt: 03.11.2010 12:19 Print

Eine Sammelwut, die Leiden schafft

Sie sind furchtbar fruchtbar und mehren sich - doch der Tierhalter findet an der immer grösser werdenden Schar seiner Liebsten nichts Schlimmes: Ein typischer Fall von «Animal Hoarding».

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Über 100 verwahrloste Tiere in einer vermüllten, winzigen Wohnung - ein Bild, das Tierschützer immer häufiger zu sehen bekommen. Meist werden Hunde und Katzen Opfer der krankhaften Sammelleidenschaft. Aber auch Nager wie Ratten, Meerschweinchen oder Kaninchen können sich zu hunderten in einem Zuhause tummeln.

Die unhaltbaren Zustände der Tierverwahrlosung beginnen oft harmlos. Um der Einsamkeit zu entfliehen, schaffen sich meist ältere, allein lebende Menschen eine kleine Gruppe von Tieren an. Was mit teils aufopfernder Pflege der neuen Hausbewohner beginnt, endet später in kompletter Überforderung. Denn den vermeintlich Tierlieben wird es durch vernachlässigter Sterilisierung oder dem Anschaffen weiterer Tiere schlicht unmöglich, die wachsende Schar angemessen zu versorgen. Die Tiere verwahrlosen, bekommen nicht ausreichend oder überhaupt kein Futter mehr. Die Wohnung ist verdreckt - von Exkrementen, Tierhaaren und sonstigem Müll übersät. Typisch für den «Animal Hoarder» (bezieht sich auf das Horten von Tieren) ist, dass er von sich ein komplett anderes Bild hat: Er selbst sieht sich als Retter der Tiere.

Über einen besonders dramatischen Fall von «Animal Hoarding» wird auf der Website «hundshuus.de» berichtet: Im Februar 2003 wurde im niederösterreichischen Pommersdorf eine schwerkranke 63-jährige Frau in ihren eigenen Exkrementen liegend aufgefunden, nachdem die Nachbarn die Ambulanz gerufen hatten. Sie verstarb noch auf dem Weg ins Spital. Als die Helfer die Türe zum Wohnraum der Österreicherin öffneten, erstarrten sie: In dem nur 15 Quadratmeter kleinen Raum hausten rund 80 Hunde zusammen mit ihrem Frauchen. Einige der Tiere waren bereits tot, mehrere Kadaver lagen verwest auf dem Fussboden.

«Animal Hoarding»: Ein noch wenig untersuchtes Phänomen

«Animal Hoardings» wird erst seit wenigen Jahren wissenschaftlich untersucht. Forscher bringen es in direkten Zusammenhang mit dem Messie-Syndrom (krankhaftes Sammeln von Gegenständen, Verwahrlosung und Vermüllen des eigenen Wohnraums). Psychologen und Mediziner arbeiten derzeit in den USA an einem Therapiekonzept, das «Animal Hoarding»-Betroffenen im Umgang mit ihrer Krankheit helfen soll - nicht zuletzt der Tiere wegen.

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