Der Kompott-Komplott

06. Mai 2012 12:59; Akt: 06.05.2012 13:00 Print

Eines geht noch, eines geht noch rein

Nach einem üppigen Mahl sind wir mehr als satt - und doch: Ein Dessert hat noch Platz. Warum wir dieser unnötigen Völlerei nicht widerstehen können? Italienische Forscher fanden es jetzt heraus.

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Schlank werden und vor allem bleiben kann nur, wer bei der Nahrung auf ein vernünftiges Verhältnis zwischen pflanzlichen, stärkehaltigen und eiweisshaltigen Lebensmitteln achtet. In den Speiseplan gehören Gemüse, Salate, mageres Eiweiss, Vollkornprodukte und Früchte. Ananas enthält das Enzym Bromelain. Ihm wird nachgesagt, die Verstoffwechslung von Fett im Körper anzuregen. Toll, wäre da nicht die Magensäure, die den grössten Teil der aufgenommenen Enzyme zerstört. Das gleiche Schicksal droht dem in Papaya enthaltenen Papain. Es verfügt über ähnlich positive Eigenschaften wie das Enzym Bromelain. Nahrungsergänzungspräparate in Form von Tabletten oder Pülverchen können eine gesunde und ausgewogene Ernährung normalerweise nicht ersetzen. Die eben genannten Enzyme bilden hier eine Ausnahme. In Form von magensaft-resistenten Tabletten eingenommen, überstehen Bromelain und Papain die Säureattacke und gelangen so bis in den Darm. Bromelain hat noch etwas für sich: es wirkt entzündungshemmend und abschwellend. Auch das in Kaffee enthaltene Koffein soll den Fettstoffwechsel anregen. Das Problem: man müsste Unmengen an Kaffee trinken um vom positiven Effekt des Koffeins profitieren zu können. Drei Tässchen am Tag reichen da bei weitem nicht aus. Ohnehin ist zu viel Kaffee sehr ungesund - je nach gesundheitlicher Verfassung sogar gefährlich (Bluthochdruck). Selbst bei gesunden Menschen kann eine Überdosierung zu Herzrasen, Schweissausbrüchen oder Zittern führen. Grüner Tee enthält ebenfalls Koffein. Das Getränk ist - in vernünftigen Mengen genossen - aber durchaus gesund. Er soll sogar helfen, Krankheiten wie Krebs vorzubeugen. Vorsicht bei angeblich schlankmachenden Pülverchen oder Tabletten. Mittelchen, die künstliche Wachstumshormone enthalten, helfen zwar, das Fett zum Schmelzen zu bringen. Die vor allem bei Kraftsportlern beliebten Präparate sind gesundheitlich bedenklich und bergen zahlreiche Nebenwirkungen. Aus diesem Grund sind diese Produkte in Europa nicht zugelassen. Unbedingt viel trinken. Nein, damit ist natürlich nicht Alkohol gemeint: Täglich zweieinhalb bis drei Liter Wasser oder ungesüsster Tee sollten es schon sein, damit der Stoffwechsel in Gang kommt. Anschauen erlaubt, essen? Nee, lieber nicht - jedenfalls nicht, wenn Sie lästige Fettpölsterchen verlieren wollen. Zu den «Fettbringern» gehören neben Torten auch andere Speisen mit viel Rahm, fette Käsesorten wie Mascarpone oder Emmentaler, Mayonnaise, Schweineschmalz, Speck, Salami, Leberwurst, Cervelat, Fleischkäse, zuviel Backwaren, Süssigkeiten, Chips, Nüssli, Alkohol und Softgetränke - um hier nur einige zu nennen.

Diese Nahrungsmittel kurbeln - wenn auch nur geringfügig - den Fettstoffwechsel an.

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Die Hauptspeise war fein, sehr fein sogar und der Magen ist längst am Limit seiner Kapazitäten. «Da geht jetzt nichts mehr rein», denken wir noch - und doch: Das Dessert, süss und fettig, muss es trotzdem noch sein. Aber warum eigentlich?

Dieser Frage nahmen sich jetzt Forscher um Palmiero Monteleone von der Universität Neapel an.

Fein, das muss noch rein!

Um herauszufinden, warum wir noch essen, obwohl wir längst satt sind, führten die Wissenschaftler eine Mini-Studie mit acht gesunden Probanden im Alter zwischen 21 und 33 Jahren durch. Obwohl die Studienteilnehmer zum Zeitpunkt, als der Versuch durchgeführt wurde, bereits pappsatt waren, mussten sie weiteressen: Sie bekamen ihre Lieblingsspeise und zum Vergleich etwas, was sie nicht ganz so gerne assen. Beide Speisen hatten den gleichen Kalorien-, beziehungsweise Nährstoffgehalt.

Nun galt es in Erfahrung zu bringen, welchen Einfluss körpereigene Stoffe auf das Essverhalten haben. Deshalb massen die Forscher in regelmässigen Abständen den Spiegel zweier Substanzen im Blut der Probanden. Das Cannabinoid-Rezeptoren aktivierende 2-Arachidonoylglycerol (2-AG) und das appetitanregende Hormon Ghrelin. Beide stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Belohnungszentrum des Gehirns.

Die Biochemie schlägt uns ein Schnippchen

Die Forscher bemerkten, dass der Spiegel dieser Stoffe anstieg, sobald die Teilnehmer ihr Lieblingsessen zu sich nahmen. Assen sie Speisen, die sie nicht so sehr mochten, blieb das Level hingegen unverändert.

Für die Wissenschaftler ein Hinweis darauf, dass das körpereigene Belohnungssystem das Sättigungsgefühl beim Verzehr favorisierter Nahrungsmittel einfach ausschaltet.

Die Studie ist im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism erschienen.

(rre)