Mangelerscheinung

29. Juni 2011 13:22; Akt: 29.06.2011 13:58 Print

Eisen macht nicht alle Frauen munter

Bei Frauen, die unter Erschöpfung und Antriebslosigkeit leiden, vermuten Ärzte häufig einen Eisenmangel. Dennoch macht eine Eiseninfusion nicht immer Sinn, wie eine Schweizer Studie zeigt.

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Müdigkeit ist eines der häufigsten Leiden, über das sich Patienten beim Hausarzt oder im Spital beklagen, wie das Unispital Zürich am Mittwoch mitteilte. In einigen dieser Fälle finden die Ärzte beim Patienten einen Eisenmangel im Körper mit gleichzeitiger Blutarmut. Solche Anämien müssen unverzüglich mit Eisenpräparaten behandelt werden.

Vielfach wird bei müden Patienten aber auch ein Eisenmangel ohne gleichzeitige Blutarmut festgestellt. Vor allem junge Frauen sind betroffen. Nach Schätzungen leidet etwa ein Viertel der menstruierenden Frauen unter einem solchen Eisenmangel. Ob diesen Frauen Eiseninfusionen nützen, ist umstritten.

Starker Placeboeffekt

Ein Team um Pierre-Alexandre Krayenbühl von der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des Unispitals Zürich untersuchte nun erstmals, ob Eiseninfusionen solchen müden Frauen mit Eisenmangel, aber ohne Blutarmut, helfen. 90 Frauen mit knappen Eisenreserven nahmen an der im Fachmagazin «Blood» publizierten Studie teil.

Von knappen Eisenreserven sprechen Mediziner, wenn der Gehalt des Eisen bindenden Eiweisses Ferritin im Körper unter 50 Mikrogramm pro Liter liegt. Die Frauen wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt und entweder mit Eiseninfusionen oder mit einer Scheininfusion, einer Kochsalzlösung, behandelt.

Innert weniger Wochen verringerte sich die Müdigkeit bei vielen Frauen. 82 Prozent der mit Eisen behandelten Frauen berichteten, sie seien weniger müde. Allerdings taten dies auch 47 Prozent der Placebo-Behandelten. Dass der Placebo-Effekt der Kochsalzinfusion derart gross sei, habe ihn schon etwas überrascht, sagte Krayenbühl auf Anfrage.

Zu rasch behandelt?

Es zeigte sich, dass die Eiseninfusion nur bei Frauen mit leeren Eisenspeichern signifikant besser wirkte als die Scheinbehandlung. Als leer gelten Eisenspeicher bei einem Ferritin-Wert unter 15 Mikrogramm pro Liter. Bei Ferritin-Werten von 15 bis 50 Mikroliter gab es keinen Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen.

Gegenwärtig werde - gestützt auf eine britische Untersuchung mit Eisentabletten - meist unter einem Ferritin-Wert von 50 Mikroliter mit Eisen behandelt, sagte Krayenbühl. Die Resultate seiner Studie legten nun nahe, dass nur Frauen mit wirklich leeren Eisenspeichern eine Eisentherapie erhalten sollten.

Wirkung des Eisens

Wichtig ist für den Forscher aber vor allem auch der Nachweis, dass Eisen überhaupt bei Patienten ohne Blutarmut helfen kann. Das zeige, dass das Eisen neben seiner bekannten Funktion bei der Bildung von roten Blutkörperchen an weiteren Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt sei, welche die Müdigkeit beeinflussten.

Er gehe davon aus, dass diese neue Funktion darin liege, dass Eisen eine Rolle spiele bei der Produktion der Energieträgerstoffe im Körper, sagte der Forscher. Es sei nämlich bekannt, dass die Enzyme, die diese Trägerstoffe bildeten, Eisen benötigten, um ihre Arbeit zu erledigen.

(sda)