Forschung

11. Dezember 2008 15:34; Akt: 11.12.2008 15:45 Print

Erhöhtes Alzheimer-Risiko für Fieberbläschen-Patienten

Herpes-Simples-Viren lösen bei einigen Menschen lästige Fieberbläschen aus. Nun glauben Wissenschaftler, dass auf viele Betroffene im Alter noch viel grössere gesundheitliche Probleme zukommen könnten.

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Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Alzheimer und dem Herpes-Simples-Virus? Bisher zeichnete sich der HSV1-Typ dafür verantwortlich, sogenannte Fieberbläschen an den Lippen hervorzurufen.

Auf diese Besorgnis erregende Erkenntnis stiessen die Professorin Ruth Itzhaki und ihre Kollegen von der Universität in Manchester, England. Dem Team gelang es, HSV1 in den geschädigten Hirnregionen von rund 90 Prozent aller untersuchten Alzheimer-Patienten nachzuweisen. «Bei älteren Menschen ist das Immunsystem geschwächt. Wir vermuten, dass der Virus durch diesen Umstand ins Gehirn gelangt und eine schlafende Infektion verursacht, die durch Stress oder andere Infektionen aktiviert wird», erklärt Itzhaki in einem Interview mit «BBC News».

Das wiederum führt zum Angriff der Gehirnzellen, die daraufhin absterben. Zurück bleiben die für Alzheimer typischen Proteine, die als sogenannte Plaques im Gehirn erkennbar sind.

Neue Hoffnung durch Fieberbläschen-Medikament?

Itzhakis Forschungsergebnisse könnten umgekehrt dazu beitragen, Alzheimer-Patienten zukünftig gezielt behandeln zu können. Dies könnte bedeuten, dass antivirale Medikamente zur Behandlung von Fieberbläschen bei degenerativen Erkrankungen eingesetzt werden könnten.

Fast jeder Mensch trägt HSV1 in sich, doch nur bei 20 bis 40 Prozent aller Infizierten löst der Virus Fieberbläschen aus.

(rre)