In China

26. November 2018 13:01; Akt: 28.11.2018 15:22 Print

Erstmals gentechnisch veränderte Babys geboren

Es klingt nach Science-Fiction, ist aber wohl Wirklichkeit: In China sollen die ersten Genom-editierten Kinder auf die Welt gekommen sein.

Unter Beschuss: Jiankui He soll für einen wissenschaftlichen Durchbruch gesorgt haben.(Video: Tamedia/Youtube/ The He Lab)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Einem chinesischen Wissenschaftler zufolge sind weltweit erstmals Babys nach einer Genmanipulation zur Welt gekommen. Er und sein Team hätten das Genom der Embryos verändert, um sie resistent gegen Aids zu machen.

Umfrage
Was halten Sie von Gentests am Menschen?

«Zwei wunderschöne kleine chinesische Mädchen namens Lulu und Nana kamen vor einigen Wochen weinend und so gesund wie jedes andere Baby zur Welt», sagte He Jiankui von der Universität Schenzen in einem auf Youtube verbreiteten Video (siehe Video unten).

Nach dem Sperma kam die Genschere

Der an den Embryonen vorgenommene Eingriff mit dem noch sehr jungen Verfahren Crispr/Cas9 (siehe Box 1) hatte das Ziel, die Kinder resistent gegen HIV zu machen.

Wie Jiankui berichtet, wurden die beiden Babys per klassischer In-vitro-Fertilisation (IVF, siehe Box 2) gezeugt. Doch direkt nachdem das Sperma des Vaters die Eier erreicht hatte, ging ein Embryologe ans Werk und entfernte mithilfe der Genschere «die molekulare Eintrittspforte, durch die HI-Viren Menschen infizieren können.»

Eine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung zu den Eingriffen gibt es noch nicht, sondern lediglich einen Eintrag in einem chinesischen Register für klinische Tests.

«Unverantwortlich» und «für die Wissenschaft ein Super-GAU»

Wenn sich die Behauptungen des chinesischen Forschers bewahrheiten sollten, wäre das absolut unverantwortlich, sagt Nikola Biller-Andorno, Leiterin des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Es hätte Alternativen gegeben, um die Kinder vor HIV zu schützen. Das ist ein Experiment mit hohem Risiko und auf Kosten des Wohles dieser Kinder, bei gleichzeitig fragwürdigem Nutzen.»

Ähnlich kritisch betrachtet auch der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Meldung: «Sollte es sich bewahrheiten, dass ein mithilfe von Crispr genmanipuliertes Baby erzeugt worden ist, wäre dies für die Wissenschaft ein Super-GAU.» Wie er Faz.net sagte, handelt es sich bei den Experimenten «um unverantwortliche Menschenversuche». Die Neben- und Spätfolgen seien noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren. Diese Sorgen bestätigt auch eine Studie vom Mai 2017. Diese kam zum Schluss dass die Genschere Hunderte Nebenwirkungen hat.

Erstmals gentechnisch veränderte Babys geboren


Forscher He Jiankui verkündet die Nachricht. (Video: Youtube/The He Lab)

(fee/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rita Bohne am 26.11.2018 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völliger Unsinn

    Hört endlich damit auf, in die Natur einzugreifen.

    einklappen einklappen
  • Dr. No am 26.11.2018 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ethik pur

    Solche Mutanten braucht die Menschheit nicht. Diese Eingriffe werden über Generationen weitergegeben.

    einklappen einklappen
  • Zare am 26.11.2018 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Perfekt, da ist der nächste Schritt das die Feministische Bewegung sagt: Warum muss ic schwanged werden? Der Mann muss es auch nicht. Dann kann man Online bei den Chinesen ein Baby bestellen und nach 9 Monaten kommt es geliefert. Je mehr sich der Mensch von der Natur entfernt, desto wahnsinniger wird er.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wanda am 27.11.2018 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht konsequent...

    Verstehe die Aufregung nicht.... laut Abtreibungsgesetz, ist eine befruchtete Eizelle ja noch kein Mensch, somit kommt dann wohl die Ethikfrage ja zum falschen Zeitpunkt. Die Frage der Ethik spielt wohl nur eine Rolle, wo sie einen selber betrifft. 10000+ Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr in der CH bestätigen wohl meinen Eindruck... Für mich eine Doppelmoral.

    • Pete am 27.11.2018 18:30 Report Diesen Beitrag melden

      Noch viel weniger konsequent

      Ich möchte den Abtreibungsgegner sehen, der in eine brennende Fruchtbarkeitsklinik rennt und das Reagenzglas mit 100 befruchteten Eizellen rettet statt des lebenden Babies. Wäre gemäss deiner Logik ja der weitaus ethischere Entscheid.

    einklappen einklappen
  • Thana am 27.11.2018 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Welt

    Wir haben längst eine enorme Überbevölkerung und China 'bastelt' nun an Genmanipulierten Babys? Die Forschungen werden weiter betrieben und bald gibt es dann nur noch Superhirne? Wo soll dies hinführen? Ich bin der Meinung, dass Babys ganz normal gezeugt und geboren werden sollten! Kinder auf Bestellung und nach Wunsch? Eine unerträgliche und m. E. kriminelle Vorstellung!

  • Sereina am 27.11.2018 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Dafür

    Du wirst auch anderes denken,wenn du morgen Krebs hast. Ich will gesund werden und Leben. Für meine Kinder,meine Familie. Und wenn die gen Schere das möglich machen,dann ja,ich bin dafür.

    • Oli P. am 27.11.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      Krankheit

      Dann kümmere dich besser jetzt um dich selber, damit das gar nicht erst kommt...

    einklappen einklappen
  • Queerdenker am 27.11.2018 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Meinung

    Wieso sollten wir unser Potential nicht nutzen um uns physikalisch weiterzuentwickeln? Wieso ist da immer dieses riesen Geschrei der Ethiker? Ich prophezeie mal, das genau das der Untergang der Menschheit sein wird weil uns diese Technologie fehlt wen wir sie brauchen. Gentechnik hätte ein riesengroßes Potential aber nein, wir halten unsere eigene Evolution zurück mit unseren eigenen Idealvorstellungen von einer perfekten Welt die niemals existieren wird. Ich halte das für einen Fehler.

    • Reni am 27.11.2018 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Queerdenker

      Meine Gedanken. vollkommen, einverstanden. Wenn es machbar ist, dann sollten wir es nutzen! Man kann damit wahrscheinlich viele Krankheiten, von denen man weiss wie die Gene sich verhalten, dämpfen oder sogar verhindern. Wer ist da dagegen???

    • Rodney McKay am 27.11.2018 11:51 Report Diesen Beitrag melden

      Nur so

      Und am Schluss können Queers wie Du dasselbe haben, wie Mann und Frau nicht? Was Du Potenzial nennst ist für mich Zweckentfremdung. Gut man kann auch mit den Füssen das Steuerrad im Auto bedienen. Funktioniert. Nur ist es nicht die beste Idee...

    • Giordano am 27.11.2018 12:43 Report Diesen Beitrag melden

      Das Leben ist zu kostbar!

      Das Thema ist hochinteressant und es wäre spannend zu sehen wo das hin führen kann. ABER!!! Das Leben ist kein Videospiel. Man kann geschehenes nicht rückgängig machen. Experimente an Menschen, auf deren Kosten, damit andere profitieren können, sind doch ein absolutes NO-GO und unethisch! Auf lange Zeit wissen wir nicht was das für Konsequenzen über Generationen nach sich ziehen kann!!

    • Pete am 27.11.2018 18:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Rodney McKay

      Damit man es als Zweckentfremdung bezeichnen könnte müsste es erst eimal einen objektiv erfassbaren Zweck geben.

    einklappen einklappen
  • optimierung am 27.11.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zukunft

    man muss sich doch keine illusionen machen und diese ethikkommissionen haben letztendlich auch nichts zu melden, die genmanipulation wird ihren weg machen, auch beim menschen.