Mehr Sicherheit

12. Februar 2016 10:05; Akt: 12.02.2016 10:05 Print

Fehler anzusprechen, rettet Patienten-Leben

von Sandra Siegenthaler - Viele Fehler im Spital wären vermeidbar. Es braucht eine bessere Verständigung zwischen dem medizinischen Personal.

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Im Spital traut sich so mancher nicht, Fehler anzusprechen. (Bild: iStock)

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Im Spital können Fehler fatale Folgen haben. Schätzungen zufolge sterben in der Schweiz jedes Jahr bis zu 1700 Menschen, weil während einer Behandlung etwas schiefgelaufen ist – ein falsches Medikament verabreicht, ein gesunder Körperteil operiert oder Operationsbesteck in der Wunde vergessen wurde.

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Von solchen «Kunstfehlern» könnte rund ein Drittel durch bessere Kommunikation verhindert werden. Das belegt nun eine amerikanische Studie, welche die Fälle von 400 US-Spitälern untersucht hat. Um die Situation zu verbessern, haben manche Kliniken inzwischen das Standard-Programm I-Pass eingeführt. Dieses regelt die Kommunikation bei der Übergabe von Patienten bei Schichtwechseln.

Scheu spielt grosse Rolle

Auch in Schweizer Spitälern soll die Kommunikation mit einer neuen Methode verbessert werden: Der Leitfaden namens Speak Up der Stiftung Patientensicherheit enthält Formulierungsvorschläge und soll Ärzteschaft und Pflegepersonal motivieren, beobachtete Missstände oder Irrtümer frühzeitig anzusprechen. «Genau das fällt nämlich vielen schwer», sagt David Schwappach, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Patientensicherheit. «Die Leute scheuen sich, andere auf Fehler hinzuweisen.»

Dabei spielt nicht allein die Hierarchie eine Rolle: Nicht nur das Pflegepersonal, sondern auch ein Arzt hat gegenüber einem Kollegen Mühe, ein Problem anzusprechen. Dabei soll in Zukunft der Leitfaden helfen, der Spitälern ab sofort zur Verfügung steht. Damit, hofft David Schwappach, könnten Behandlungsfehler bald seltener werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susanne Schneiter am 12.02.2016 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Folgen mangelnder Kommunikation

    Im Spital traf mich eine schwere 'Spital-Infektion'. Ich meldete meinen Infekts-Verdacht der Oberärztin. Halb abwesend meinte sie nur: " Das wird schon wieder..". Am nächsten Tag waren die Symptome heftiger, das Fieber höher. Ich sagte das der Ärztin wiederum. Diesmal hörte sie gar nicht hin, reagierte nicht. Ein pflichtbewusster Pfleger rettete mir vermutlich mein noch junges Leben. Mein Zustand gefiel ihm gar nicht. Obwohl er längst Feierabend gehabt hätte, schaute er von sich aus noch einmal nach mir. 10 Minuten später lag ich auf der Intensivstation (Und überlebte knapp mit viel Glück)

  • Mike am 12.02.2016 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Götter in weiss

    Als Mitarbeiter in der Pflege hat man schlicht und ergreifend nichts zu melden. Auch einem Assistenzarzt wird von oben gern der Marsch geblasen, sollte er seinen Chef auf einen Fehler hinweisen. Die Hierarchie und der Machtmissbrauch sind im Spital sind ähnlich ausgeprägt wie in der besten Armee der Welt.

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  • Wanderschuh am 12.02.2016 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eingeschränkte Lebensqualität-PFUSCH!

    In einem Privatspital wurde mir (unfallbedingt) ein künstliches Sprunggelenk eingesetzt. Von Anfang an spürte ich starke Schmerzen (auch bei Bettruhe)und kommunizierte es dementsprechend mit dem Chirurg. Er sagte mir, dass ALLES BESTENS in Ordnung sei. In einem Unispital bekamen die Schmerzen einen Namen. Auf dem Röntgen sieht man deutlich ,dass das Gelenk locker eingebaut ist und muss ersetzt werden! Ich werde nie mehr grosse Wanderungen unternehmen können!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Emma am 16.02.2016 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur in der Medizin

    Ich arbeite in der IT. Hier ist die Kommunikatino inexistent! Jeder denkt und handelt wie er will, stecken wir in einer Krise (System-Ausfall usw.) spricht niemand miteinander.

  • hueber am 14.02.2016 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    ironie der umfragung..

    die ironie bei der befragung ist, und davon bin ich überzeugt, dass durch das schweigen der ärtzte bei den über 30prozent eine dunkelziffer entsteht von menschen die durchs blinde vertrauen die vehler nicht erkennen! denn ich persöndlich hatte glaub ich, noch nie ne behandlung die ohne fehler abläuft, wir sind alles nur menschen, niemand ist unfehlbar, die frage die sich stellt ist.. steht mann dazu oder nicht?? dr. titel verhindern die!?! ein missstand den es zu beheben gillt..

  • Dazu Gelernt am 13.02.2016 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fleck auf Ultraschall

    Fragte, was dieser Fleck bedeutet. Ärztin: Follikel (2x im Abstand von 1 Monat). Es kam schliesslich raus, dass dies ein Teratom von der Grösse einer Orange war (nicht ihre Diagnose). Tragisch finde ich, diese Gynäkologin praktiziert noch heute ...

    • Dazu Gelernt am 13.02.2016 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Dank an Spital

      Bei mir wurde die richtige Diagnose im Spital gestellt!

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  • upwup am 12.02.2016 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mühsam

    kommunikation scheint im spital ein seltener gast zu sein... im spital bülach bin ich jedes mal fast 1 stunde im behandlungszimmer, 80% der zeit ist WARTEN... zuerst: begrüssung durch mpa, dann lange nix... dann assistenzarzt - aber natürlich ein anderer als letzte woche. nochmals alles erzählen. dann: warten warten warten... irgendwann kommt oberärztin. wieder musst alles erzählen. die schlägt dann xy vor - was schon letztes mal gemacht wurde. steht in der akte etc...

  • erich heinz am 12.02.2016 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche Ärzte sind direkter

    Nach einer Computertomographie hatte ich starke Kopfschmerzen. Am nächsten Tag fragte ich einen Schweizer Arzt ob diese Schmerzen durch das Kontrastmittel ausgelöst werden können, der Arzt verneinte diese Frage. Da lief zufällig eine Deutsche Ärztin vorbei und hörte seine Antwort. Sie war empört! Wir machen soeben eine Studie darüber und erheben Zahlen für eine Statistik und sie geben eine solche Antwort. Deutsche Mentalität fehlt bei uns.