Es nimmt kein Ende

23. Juli 2016 12:51; Akt: 23.07.2016 12:52 Print

Fracking setzt womöglich auch Asthmatikern zu

von Lindsey Tanner, AP - Fracking ist nicht unumstritten. Nun zeigt sich, dass die Fördermethode wohl gesundheitliche Folgen für Asthmatiker hat.

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Fracking bedeutet für die Gesundheit nichts Gutes: Laut einer Langzeitstudie verschlimmert die Fördermethode möglicherweise Asthma bei Kindern und Erwachsenen, die in der Nähe von Förderanlagen leben. Doch auch für Menschen, die keine Atemprobleme haben, kann das Verfahren gesundheitliche Folgen haben. Laut US-Forschern sorgen die beim Fracking verwendeten Chemikalien bei Männern für Übergewicht, Herzprobleme und eine reduzierte Spermienproduktion. Doch nicht nur für Männer ist die umstrittene Gasförderungstechnik problematisch. Auch Schwangere, die in der Nähe von Fracking-Anlagen leben, müssen mit Folgen rechnen. haben werdende Mütter, die am dichtesten dran wohnten, ein um 40 Prozent höheres Risiko für eine Frühgeburt. Zudem stieg bei ihnen auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Schwangerschaft als Hochrisikoschwangerschaft eingestuft wurde. Zum Beispiel wegen Bluthochdruck oder starkem Übergewicht. Schon seit längerem verweisen Studien auf negative Folgen des Frackings: ... So haben Forscher der Duke University herausgefunden, . Etwas, das auch Sherry Vargson (Bild) aus Pennsylvania bestätigen kann: Aus ihrem Wasserhahn strömt Methan aus. Doch nicht nur das Grundwasser ist gefährdet. Wissenschaftler von der Forschungsorganisation «Resources for the Future» sind zu dem Schluss gekommen, , was das Wasserökosystem schädigt. , wie das Beispiel Oklahoma zeigt: Bebte es in dem US-Bundesstaat früher etwa zweimal pro Jahr, registrieren Seismologen nach der Einrichtung von Fracking-Anlagen täglich Erdbeben, 585 waren es allein im Jahr 2014. Weiter . Denn um ihre Bohrgeräte und Pipelines installieren zu können, legen die die Verantwortlichen künstliche Lichtungen an und zerstückeln so Waldgebiete, wodurch Singvögel ihren Lebensraum verlieren, wie Forscher der University of West Virginia herausgefunden haben. Auch auf die Pflanzen selbst hat die Gasförderung Auswirkungen. Diese können beim Menschen Leberschäden und chronische Nervenschäden verursachen. Benzol ist darüber hinaus krebserregend. Rinder leiden an Benzoldämpfen, die beim Fracking entstehen. Die Kühe weisen oft Wunden und Geschwüre in den Lungen und im Mundbereich auf und leiden unter Atemwegserkrankungen. Über Rindfleisch kann das Gift auch in die menschliche Nahrungskette gelangen.

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Fracking verschlimmert möglicherweise Asthma bei Kindern und Erwachsenen, die in der Nähe von Förderanlagen leben. Das hat eine achtjährige Studie im US-Bundesstaat Pennsylvania ergeben. Patienten in der Nähe von grossen aktiven Bohrlöchern mussten demnach viermal so häufig behandelt werden wie Leidensgenossen, die weiter entfernt lebten. Die Studienautoren bewerten die Ergebnisse vorsichtig und plädieren für weitere Forschung.

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Die Studie ist nach Darstellung der Autoren kein Beweis, dass Fracking direkt Asthma verursacht oder verschlimmert. Sie gibt auch keinen Aufschluss darüber, ob es Asthma-Patienten mit Fracking in der Nähe schlechter geht als denjenigen, die traditionellen Fördermethoden oder anderen industriellen Aktivitäten ausgesetzt sind. Doch erkennt Studienautorin Sarah Rasmussen von der Johns Hopkins University Hinweise, dass die Ergebnisse mit Luftverschmutzung und Stress in Verbindung stehen könnten.

Daten von 36'000 Patienten

In den USA leiden 25 Millionen Erwachsene und Kinder an Asthma, einer chronischen Verengung der Atemwege. Zu den Symptomen zählen Atemnot, Keuchen und Enge in der Brust. Sie werden bisweilen schlimmer, wenn der Erkrankte Staub, Schadstoffen in der Luft und Stress ausgesetzt ist. Frühere Untersuchungen haben ergeben, dass die Luft in Gebieten mit intensiver Öl-und Gasbohrung stark verschmutzt ist.

Die Forscher weisen in ihrer im Fachjournal «JAMA Internal Medicine» veröffentlichten Studie darauf hin, dass zwischen 2005 und 2012 in Pennsylvania mehr als 6000 Fracking-Löcher gebohrt worden seien. Anhand elektronisch gespeicherter Unterlagen machten sie fast 36'000 Asthma-Patienten aus, die in diesem Zeitraum im Rahmen des Geisinger-Gesundheitssystems, das über 40 Bezirke in Pennsylvania abdeckt, behandelt wurden.

Ursache und Wirkung ungeklärt

Unter anderem wiesen neue ärztliche Verschreibungen von Steroiden, Behandlungen in der Notaufnahme von Krankenhäusern und Klinikaufenthalte wegen Asthma auf akute Attacken hin. Im Zeitraum der Studie wurden mehr als 20'000 neue Rezepte für Steroide ausgestellt, es gab fast 5000 Einweisungen in Spitäler und fast 2000 Besuche in Notaufnahmen wegen Asthma.

Das alles kam bei Patienten in der Nähe von grösseren aktiven Fracking-Anlagen bis zu viermal häufiger vor als in Fällen, bei denen die Erkrankten weit entfernt davon lebten. Das höchste Risiko von Asthma-Attacken wiesen der Studie zufolge Patienten auf, die durchschnittlich etwa 19 Kilometer von gebohrten Löchern entfernt lebten, das geringste Menschen in einer durchschnittlichen Entfernung von 64 Kilometern.

Norman H. Edelman, ein führender wissenschaftlicher Berater der American Lung Association, nannte die Studie «interessant und provokativ». Aber er betonte, sie zeige nur eine Verbindung zwischen Fracking und Asthma auf, nicht «Ursache und Wirkung». Mehr intensive Forschung sei nötig. «Asthma ist ein grosses Problem», sagte der Experte. «Alles, was wir tun können, die Ursachen zu erhellen, wird sehr hilfreich sein.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • chrigel am 23.07.2016 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grüne energie

    Windräder, solar wasserkraft usw.... das wäre langfristig intelligent... anstatt die umwelt mensch und natur zu verseuchen... !!

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  • romeosail am 23.07.2016 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Besserung

    leider wird der Mensch nie einsichtig werden weil er aus Prinzip profitsüchtig ist. Schon fast genmässig vorprogrammiert.

  • sepp am 23.07.2016 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    habe null achtung vor dieser Nation

    Wir werden eines Tages alle Amerikaner flüchten sehen, weil diese Nation das ganze, einst so tolle Land total verseucht haben. Aber so wie ich dies voraussehe, würde diese Nation in ein Land eindringen, die dortigen Bürger vertreiben und das eroberte Land, als ein 2. USA ausrufen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • hul am 25.07.2016 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitsrisiko

    Die Zahl der fachärztlich behandelten Patienten steigt bekanntlich mit der Fachärztedichte in einer Region.

  • Torbjörn am 24.07.2016 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    funfact....

    Ist euch schon mal aufgefallen, dass die öltürme praktisch immer im Gegenlicht bei Sonnenuntergang fotografiert werden. Gewisse Firmen wollen nicht das man sieht, wie schmutzig das business ist.

  • Cavi33 am 24.07.2016 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur womöglich

    Verstehe nicht wieso es Politiker gibt die dem Fracking etwas gutes abgewinnen können. Da geht es doch nur um den eigenen Profit und nicht um die Menschen und Umwelt. Das Schadenausmass sehen wir ja in den USA und auch dort ist es erst der Anfang.

  • Chris AM am 24.07.2016 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Autsch, ist heiss....

    Müssen wir immer erst Probleme bekommen, bevor wir sie lösen? Viele Theorien sind auch in der Praxis haltbar. So wird auch bald jemand darauf kommen, dass weisse Fassaden wie Schneefelder wirken und so die Kinder schon im Vorschulalter halb erblinden beim Spielen draussen im Garten.... Hat zwar nichts mit der Sache zu tun, doch auch hier kann Vorsorge einiges Bewirken.

  • Liam am 24.07.2016 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Man pumpt Chemie in den Boden

    Das alleine reicht schon als Argument aus, Fracking nicht zuzulassen.