Mia de Vries

08. Februar 2020 21:25; Akt: 08.02.2020 21:25 Print

Darum sollen Breasties ihr Schicksal auf Insta teilen

Den Kampf gegen ihre Krebserkrankung teilte Bloggerin Mia de Vries von Anfang an mit ihren Followern. Von dieser Offenheit profitieren beide Seiten.

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«Mit gebrochenem Herzen wird dieses bissl Schwarz auf Weiss mein letzter ‹richtiger› Post mit tatsächlichem Inhalt an euch Lieblingsfremde in meinem Handy sein»: Bloggerin Mia de Vries verabschiedet sich von ihren Fans. Vor rund drei Jahren und kurz nach der Geburt ihres Sohnes erhielt Mia de Vries die Diagnose Brustkrebs. Die junge Mutter hat ihr Leben mit dem Krebs auf Instagram dokumentiert. 150'000 Follower begleiteten sie dabei. Damit hat sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Followern Gutes getan. Darauf lässt eine US-australische Studie schliessen. Auf diese Weise gäben sie auch Wissen weiter, das andere Betroffene sonst möglicherweise erreicht hätte. «Das visuelle Storytelling via Instagram schliesst eine Lücke, die derzeit im Gesundheitssystem besteht», so die Forscher. (Im Bild: de Vries bei einer Chemotherapie-Sitzung) Zudem bildeten die Frauen ein Gesamtbild der Krankheitserfahrung ab. Etwa indem sie Einblick in ihre Emotionen gaben oder von den Nebenwirkungen der Therapie berichteten. (Im Bild: de Vries kämpft mit Medikamenten gegen die Begleiterscheinungen der Chemo an) Das Teilen aller Facetten einer Brustkrebserkrankung fördert laut den Forschern zudem ein tiefes Gemeinschaftsgefühl. Auch weil man seine eigenen Erfahrungen in denen der anderen wiedererkenne und erfahre, dass man nicht allein sei. (Im Bild: de Vries im Krankenhaus) Mia de Vries zeigte ihren Followern auch, für wen sie den Kampf gegen den Brustkrebs in erster Linie führte: für ihren Sohn Levi. Eine Botschaft legt de Vries ihren Fans immer wieder ans Herz: «Das Wichtigste im Leben ist die Liebe.»

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Tage, Wochen, Monate? Niemand kann sagen, wie lange Mia de Vries noch hat. Die 29-jährige Deutsche hat Krebs im Endstadium. Nach zwei Jahren und neun Monaten Kampf und über 100 Chemotherapien gilt sie als austherapiert. Statt kleiner zu werden, sind der Tumor in der Brust und die Geschwüre in Lunge, Lymphen und Gehirn gewachsen. In Leber und Wirbelsäule sind neue Krebsherde dazugekommen.

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«Das bedeutet jetzt für mich, dass es das war», erklärt die Bloggerin in ihrer Insta-Story, die unter «Evermore» in ihren Highlights gespeichert ist. Ab sofort würde sie zu Hause von einem Palliativteam betreut. «Ich merke seit einigen Wochen, wie das Leben von mir fliesst», verabschiedet sie sich von ihren «Lieblingsfremden», wie sie ihre über 140'000 Follower nennt. Und sie dankt ihnen für all die Nachrichten und Unterstützung in den letzten Jahren.

Geben und Nehmen

Dass nicht nur die Betroffenen durch das Teilen ihrer Geschichte Support erhalten, sondern diesen auch bieten, berichten Forscher zurzeit im «Journal of Services Marketing».

Lauren Gurrieri von der australischen RMIT University und Jenna Drenten von der Loyola University Chicago hatten für die Studie die Profile von 18 sogenannten #Breasties ausgewertet: Von Frauen, die ihre Brustkrebsbehandlung vollumfänglich auf Social Media teilen.

Alle Facetten der Erkrankung

Dabei zeigte sich, dass «Frauen Instagram nutzen, um Bilder und Videos ihrer Erfahrungen in Echtzeit zu teilen», so die Wissenschaftlerinnen. So posteten sie etwa Bilder, die sie während der Chemotherapie-Sitzung oder bei der Bestrahlung zeigten. Auch Mia de Vries teilte entsprechende Bilder.

Auf diese Weise gäben sie auch Wissen weiter, das andere Betroffene sonst möglicherweise nicht erreicht hätte. «Das visuelle Storytelling via Instagram schliesst eine Lücke, die derzeit im Gesundheitssystem besteht», erklärt Gurrieri in einer Mitteilung der Hochschule.

Zudem bildeten die Frauen ein Gesamtbild der Krankheitserfahrung ab, so die Forscherin. Etwa indem sie Einblick in ihre Emotionen geben oder ihre Brüste nach einem Eingriff zeigen wie etwa US-Schauspielerin Angela Trimbur.

«Eine Frau dokumentierte die zeitaufwendige Betreuung, die nötig wurde, nachdem man sie bereits als krebsfrei eingestuft hatte – einschliesslich der monatlichen Kontrolluntersuchungen und Behandlungen wie Eiseninfusionen, was in der allgemeinen Diskussion nicht oft erwähnt wird», führt Gurrieri weiter aus.

Stärker dank Social Media

Das Teilen aller Facetten einer Brustkrebserkrankung
fördert laut den Wissenschaftlerinnen ein tiefes Gemeinschaftsgefühl. Auch weil man seine eigenen Erfahrungen in denen der anderen wiedererkenne und erfahre, dass man nicht allein sei.

Ihre Untersuchung zeige, dass soziale Medien durchaus eine positive Rolle im Leben von Menschen spielen können – indem sie soziale Unterstützung fördern und das Wohlbefinden der Erkrankten verbessern.


Mit Brustkrebs hat auch The Doc Erfahrung. (Video: 20M)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Francesca_001 am 09.02.2020 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute und nützliche Sache

    Ich bin nicht der Typ der sein Leben auf Facebook oder Insta ausbreitet. Machen das aber Andere ist es mir egal, es geht mich auch nichts an. Wie man grade in diesem Artikel sieht, kann das Teilen auch von grossem Nutzen vor allem für Betroffene sein. Hut ab vor dem Mut dieser jungen Frauen und viel Glück und alles Gute!

  • Eliora am 08.02.2020 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Ich kann einfach nicht verstehen warum in der heutigen Zeit Krebs nicht heilbar ist.

  • Waterpolo1s am 09.02.2020 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo, denn....

    Bravo! Finde ich gut, dass auch dieses traurige Thema publik gemacht wird....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Francesca_001 am 09.02.2020 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute und nützliche Sache

    Ich bin nicht der Typ der sein Leben auf Facebook oder Insta ausbreitet. Machen das aber Andere ist es mir egal, es geht mich auch nichts an. Wie man grade in diesem Artikel sieht, kann das Teilen auch von grossem Nutzen vor allem für Betroffene sein. Hut ab vor dem Mut dieser jungen Frauen und viel Glück und alles Gute!

  • Waterpolo1s am 09.02.2020 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo, denn....

    Bravo! Finde ich gut, dass auch dieses traurige Thema publik gemacht wird....

  • Jswphotography am 09.02.2020 04:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahre Helden

    Etwas wo wir alle nicht wegschauen sollten. Bewundernswert wie diese Leute ihr Privatleben für uns aufgeben, nachdem Ihnen schon so viel davon genommen wurde.

  • Eliora am 08.02.2020 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Ich kann einfach nicht verstehen warum in der heutigen Zeit Krebs nicht heilbar ist.

  • Jörg Frei am 08.02.2020 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .... 

    durch solche instagramm Aktionen nehme ich dass ganze erst recht nicht ernst.