18 Fälle in den USA

04. Oktober 2019 03:20; Akt: 04.10.2019 08:28 Print

Führen E-Zigaretten mit Wirkstoff THC zum Tod?

In den USA werden 18 Todesfälle mit dem Konsum von E-Zigaretten in Verbindung gebracht.

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Bei der Zahl der Lungenerkrankungen handelt es sich laut der Gesundheitsbehörde vielleicht nur um «die Spitze des Eisbergs»: E-Zigarette. (Archivbild) Das Verbot in Massachusetts verbietet alle E-Zigaretten, nicht nur die aromatisierten. (Archivbild) Der E-Zigaretten-Hersteller steht schon länger in der Kritik: Eine Frau raucht eine Juul. (Archivbild) Adam Hergenreders Mutter ist sich sicher: Juul ist dafür verantwortlich, dass ihr Sohn mit Sauerstoffschlauch und an ein EKG angeschlossen im Spital liegt und eventuell sogar eine neue Lunge braucht. Während der anderthalb Jahre, in denen Adam pro Tag einen Juul-Pod leer vapte und THC-haltige Lösungen mit der E-Zigi verdampfte, verschlechterte sich sein Zustand. Bei seiner Einlieferung ins Spital attestierten die Ärzte, dass seine Lunge der eines etwa 70 Jahre alten Mannes entspreche. Adams Schicksal ist kein Einzelfall. Im Sommer 2019 kamen erstmals Meldungen auf, wonach mehrere Menschen in den USA mit unerklärten Atemwegserkrankungen ins Spital eingeliefert wurden. Zurzeit sind in den USA rund 450 Fälle dokumentiert, in denen Menschen im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten lungenkrank geworden sind. Sie alle hatten zuvor E-Zigaretten konsumiert. Viele der Betroffenen hatten Liquids mit dem psychoaktiven Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert. Sechs Menschen verstarben in der Folge sogar. Trotzdem ist bislang unklar, was genau die Gesundheitsprobleme auslöst. Doch nun scheint es eine erste heisse Spur zu geben. Laut der «Washington Post» haben Untersuchungen der gerauchten Liquids einen Stoff in den Fokus gerückt ... (Im Bild: einige der untersuchten Liquids) ... der die Atemwegserkrankungen auslösen könnte: Vitamin-E-Öl. Die Ermittler hätten den Stoff in Proben von Cannabisprodukten gefunden, die die Erkrankten zuvor geraucht hatten. In einigen US-Bundesstaaten ist der Verkauf von entsprechenden THC-Produkten erlaubt. Vitamin E kommt natürlicherweise in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Ölen oder Nüssen vor. Doch der Stoff kann wegen seiner molekularen Struktur beim Einatmen gefährlich werden. Es ist nicht das erste Mal, dass über die Gefährlichkeit des E-Zigi-Konsums diskutiert wird. Studien zeigten, dass beim Verdampfen unter anderem freie Radikale und potenziell schädliche Chemikalien entstehen, die Entzündungen der Schleimhäute fördern und die DNA-Reparatur in den Zellen hemmen können. Derart erhöht sich auch das Krebsrisiko. Eine Arbeit von Stanford-Forschern zeigte ausserdem, dass auch die Auswahl des Aromas einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Konkret wird die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen erhöht und das Zellwachstum beeinträchtigt, was zum Zelltod führen kann. Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher. Laut den Wissenschaftlern zeigt die im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie deutlich, dass E-Zigis keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret habe sich gezeigt, dass die Liquids Veränderungen bewirken ... ... die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten. Das ist angesichts der steigenden Nutzerzahlen – vor allem bei jungen Personen – beunruhigend. Sucht Schweiz hat für die im März 2019 vorgestellten Zahlen über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt. Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weit verbreitet ist. Eine weitere aktuelle Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben.

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Die Zahl der Lungenerkrankungen und Todesfälle in den USA, die mit dem Rauchen von E-Zigaretten in Verbindung gebracht werden, ist weiter deutlich gestiegen. Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC am Donnerstag mitteilte, wurden inzwischen 18 Todesfälle nach solchen Lungenerkrankungen registriert, eine Woche zuvor waren es noch zwölf. Die Zahl der Kranken stieg um weitere 275 Fälle auf 1080.

Der Anstieg der Zahlen geht nach Angaben der Behörde teilweise auf neue Fälle zurück, teilweise wurden frühere Krankheitsfälle erst jetzt mit E-Zigaretten in Verbindung gebracht.

Rauchgerät mit THC

Leider handele es sich bei diesen Zahlen vielleicht nur um «die Spitze des Eisbergs», sagte CDC-Chef Robert Redfield. Die mutmasslich von elektrischen Zigaretten verursachten Lungenerkrankungen breiteten sich weiterhin in «raschem Rhythmus» aus, sagte die CDC-Expertin Anne Schuchat.

Die Behörde geht dem Verdacht nach, dass die Erkrankungen von dem Cannabis-Wirkstoff THC verursacht worden sein könnten. 78 Prozent von 578 befragten Patienten gaben an, dass in den von ihnen benutzten Rauchgeräten dieser Stoff enthalten gewesen sei.

«Schwarzmarkt macht Sorgen»

In der vergangenen Woche hatte die CDC bereits die auf dem Schwarzmarkt vertriebene Marke Dank Vapes als denkbaren Verursacher der Krankheit benannt. Die Marke enthält THC. «Der Schwarzmarkt macht uns grosse Sorgen», sagte Schuchat nun.

Elektrische Zigaretten, bei denen nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft wird, haben in den USA und in vielen anderen Ländern in den vergangenen Jahren enorm an Beliebtheit gewonnen. Mittlerweile schreiten die Behörden jedoch zunehmend ein.

In der vergangenen Woche verhängte Massachusetts als erster US-Bundesstaat ein vorläufiges Verbot aller E-Zigaretten. Die kalifornische Metropole San Francisco hatte bereits im Juli ein entsprechendes Verbot erlassen.

Bisher kein Anstieg in Europa

In Europa ist bisher kein ähnlicher Anstieg von Lungenschädigungen bekannt. Die Beschwerden scheinen sich weiterhin auf Benutzer in den USA zu beschränken. In Deutschland sind die Zusammensetzungen der Wirkstoffe von E-Zigaretten strenger reguliert als in den USA.

(chk/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sedi am 04.10.2019 04:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gepanschtes Liquid

    Das hat überhaupt nichts mit THC zu tun. Wo liegt der Unterschied zum Rauchen eines Joints? Es gibt keine Todesfälle weltweit durch den Konsum von Cannabis. Vermutlich wird beim Liquid gespart.

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  • BobOfOz;) am 04.10.2019 04:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich THC

    Und wieder einmal muss THC herhalten. Zuerst mal dort suchen, na klar! Dass man es bei verschiedenen Krankheiten heilend einsetzen kann, wäre für mich ein Grund, zuletzt dort zu suchen.

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  • Aldo am 04.10.2019 04:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten Kosten Kosten

    Raucher kosten die Gesellschaft unter dem strich weniger, Sie sind Nettozahler! Denn Sie zahlen mit jeder Packung Zigaretten 4.80 zusätzlich in die AHV! Sie leben aber weniger lang als Nichraucher haben aber von Lohn gleich viel in die AHV bezahlt, zwar verursachen Sie etwas höhere Gesundheitskosten, dafür viel viel weniger Rentenkosten unter dem Strich würde es alle anderen mehr kosten wenn alle aufhören würden zu rauchen. 25% der Lebenmsgesundheitskosten enstehen in den letzten 5 Jahren...Wer 90 wird kostet die Gesellschaft am meisten

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 06.10.2019 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte kein THC vs. DAMPFER

    Liebe THC Freunde die Dampfer community weiss bescheid das es sich nicht um das THC in den E-Joints geht sondern um die Streckmittel. Wir hoffen schon seit Wochene das dies klar komuniziert wird. Leider geht jetzt der umweg bei den Medien über das ach so böse THC. Ich bitte euchdarum nich in den Glauben zu verfallen das wenn es nicht das THC ist muss es das Dampfen sein. Da werden zwei Minderheiten gegeneinander ausgespielt.

  • Markus Macher am 06.10.2019 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Auch ein blindes Huhn...

    Es ist nicht das THC sondern die Öle die zum strecken, auf dem Schwarzmarkt verwendet werden. So was sollte man nicht Verdampfen und das weiss man auch. Wenn die Medien sich endlich mal herablassen nicht nur Behördenmeldungen abzuschreiben und zu kürzen wüssten sie es auch. Eigentlich weiss man schon seit der 1. Woche, der Ausbrüche wo der Hund begraben liegt. Ich hoffe dass dauert nicht mehr all zu lange bis es offen kommuniziert wird.

  • Steve G' am 06.10.2019 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    E-Shisha Malheur

    Ich habe mir eine E Shisha gekauft. Habe nach 2 Wochen rauchen auf einmal einen starken Husten bekommen, ab und zu musste ich Erbrechen. Ich konnte kein Sport mehr machen ohne immer zu husten.. ich denke irgend etwas ist richtig ungesund, muss unbedingt überprüft werden. Nach 2 Wochen habe ich das E-Shisha rauchen aufgegeben und muss sagen mir ging es 1 Monat später erst wieder 100% gut! Finger weg von dem Zeug, lieber Cannabis puur rauchen.

    • Gamblerini am 06.10.2019 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Steve G'

      Guten Tag Herr G Sie sprechen mir aus der Seele. Mir ging es drunter und drüber. Da ist Aids gesünder.

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  • Kunigunde am 06.10.2019 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Nun, wer sich mit der Materie...

    objektiv und breitgefächert befasst der weiss, dass Lungenkrebs mit Rauchen so wenig zu tun hat, wie ein schwarzer Schimmel.

  • Rüdiger am 06.10.2019 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Da wird wieder versucht...

    Verwirrung zu stiften. Die dummen und gläubigen Menschen glauben alles wie Obrigkeits-Hörige. Die anderen - immer mehr - hinterfragen die Dinge und befassen sich selbst mit dem (den) Thema (Themen).