Verbot geplant

27. Januar 2020 12:31; Akt: 28.01.2020 11:42 Print

Gibt es bald keine bunten Tattoos mehr?

Fans bunter Haut könnten bei dieser Meldung bleich werden: Die Europäische Chemikalienagentur will rund 4000 Stoffe verbieten lassen, darunter wichtige Tattoo-Pigmente.

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Was auf der Haut schädlich ist, kann auch in der Haut nicht unbedenklich sein. So argumentieren die Experten der Europäischen Chemikalienagentur, die rund 4000 Stoffe verbieten lassen wollen, darunter die wichtigen Tattoo-Pigmente Green 7 und Blue 15. Die Antragsteller argumentieren, dass einige der Stoffe für die Verwendung auf der Haut oder in den Haaren bereits beschränkt oder verboten seien. Um ein Verbot der zwei Pigmente Blue 15 und Green 7 zu verhindern, hat Tätowierer Jörn Elsenbruch eine Petition gestartet. Er befürchtet, dass Tätowierer auch bei einem Verbot nicht auf die Pigmente verzichten würden. Vielmehr würden sie sie kurzerhand aus dem Ausland importieren, was noch problematischer sein könnte, da Zusammensetzung und Herkunft der farbgebenden Substanzen dann oft nicht klar sei. Ob der Antrag der EU-Behörde angenommen wird, ist offen. Fest steht aber, dass Tattoo-Tinte nicht für immer dort bleibt, wo sie der Tätowierer in die Haut einbringt. Vielmehr lösen sich kleinste Partikel aus den Kunstwerken heraus und wandern durch den gesamten Organismus. Sie reichern sich schliesslich vornehmlich im Lymphsystem an – und zwar in anderer Form, als sie in die Haut gesetzt werden: als Nanopartikel. Das könnte aus Sicht von Forschern problematisch sein, denn mit der Grösse der Partikel verändern sich auch ihre chemisch-physikalischen Eigenschaften. In welcher Form, ist noch unklar. Doch auch ohne die Partikelwanderung hat der permanente Körperschmuck Schattenseiten. Das besagt zumindest eine US-Studie: Die Tattoo-Tinte reduziert die Schweissabsonderung und verändert die Zusammensetzung des Drüsensekrets. In der Untersuchung brachten die Forscher ... ... zehn Männer zum Schwitzen, nahmen Schweissproben und verglichen diese. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Probanden ein Tattoo am Oberkörper haben. Zudem musste die tätowierte Stelle ein nicht tätowiertes Pendant auf der anderen Körperseite haben – der besseren Vergleichbarkeit wegen. Die Forscher gehen davon aus, dass Tätowierungen die Beschaffenheit der Haut dauerhaft verändern und die Farbe die Schweissdrüsen blockiert. Dies sei möglich, weil die Tattoo-Tinte in dieselben Hautschichten injiziert wird, in denen auch die Schweissdrüsen sitzen. Ergebnis: Die tätowierten Stellen sonderten rund 50 Prozent weniger Schweiss ab als die nicht tätowierten. Zudem enthielt ihr Schweiss fast doppelt so viel Natrium. Das ist gesundheitlich nicht unproblematisch. Schliesslich dient das Schwitzen dazu, den Körper bei körperlicher Anstrengung oder hohen Temperaturen herunterzukühlen.

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Tattoos sollen die Haut verschönern, können aber auch gesundheitlichen Schaden anrichten. Denn viele Farben enthalten Schwermetalle oder andere schädliche Stoffe. Dem will die Europäische Chemikalienagentur (Echa) jetzt ein Ende setzen.

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Die EU-Behörde mit Sitz in Helsinki hat über 4000 Substanzen aufgelistet, die künftig nicht mehr in der Tattoo- und Permanent-Make-up-Tinte enthalten sein sollen. Alle stünden im Verdacht, krebserregend, erbgutverändernd, hautreizend oder augenschädigend zu sein, heisst es in einer Mitteilung.

Wichtige Farbpigmente betroffen

Die Antragsteller argumentieren, dass einige der Stoffe für die Verwendung auf der Haut und in den Haaren bereits beschränkt oder verboten seien. Dementsprechend seien sie auch nicht sicher genug, um in die Haut gestochen zu werden. Für Tattoo-Fans besonders ärgerlich: Unter den aufgeführten Stoffen befinden sich auch die Pigmente Green 7 und Blue 15, die als Grundstoff vieler Tattoo-Farben dienen.

Tätowierer Jörn Elsenbruch hat daher eine Petition gestartet, mit der er das Verbot ausbremsen möchte. Er befürchtet, dass Tätowierer auch bei einem Verbot nicht auf die Pigmente verzichten würden. Vielmehr würden sie sie kurzerhand aus dem Ausland importieren, was noch problematischer sein könnte, da Zusammensetzung und Herkunft der farbgebenden Substanzen dann oft nicht klar sei.

Tatsächlich wurde Green 7 auch schon hierzulande nachgewiesen, obwohl es verboten ist. Das Kantonslabor Basel-Stadt entdeckte es in zwölf Prozent der 451 analysierten Tattoo- und Permanent-Make-up-Farben.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lustikusdödel am 28.01.2020 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Sowas verbietet man aber Alk und Zigaretten gibts an jeder Strassenecke.

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  • Hr. Rolf am 28.01.2020 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahr

    vieleicht sollten unsere experten das Leben verbieten, denn es endet immer tödlich

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  • Bäh! am 28.01.2020 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Essen...

    ...hat es Mikroplastik, viele Zusatzstoffe die fast nicht umgehbar sind sind auch nicht das wahre...Sterben müssen wir früher oder später alle, lasst denen die wollen doch die Freude an Tattoos

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 1A Sozial am 07.02.2020 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nix mehr mit Solidaritätsprinzip

    Von mir aus müssen wir es nicht abschaffen, dafür sollen alle die ein Tattoo mit entsprechenden Inhaltsstoffen haben, ausnahmslos alle Gesundheitskosten selber bezahlen. Warum soll die Allgemeinheit für die Auswüchse einiger Weniger zahlen? Selbes gilt auch für Unfälle von Spitzensportlern, Rauchern, etc.

  • Antti am 03.02.2020 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Angst

    Wer Tatoos hat wird es bereuen, die wissen es einfach noch nicht. Das ist nur eine Frage der Zeit! Das wird kommen und dann ab zum Tatoo-Removal!

  • Lea Lea am 29.01.2020 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ekelgefühl wie vor Spinnen

    Tätowierungen, Piercings und Ohrringe verunstalten den Menschen. Oft ekelt es mich richtig, wenn ich solchen Leuten begegne.

    • Cecile am 29.01.2020 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lea Lea

      Sorry aber was füren dumme komentar ... ich wot nöd wüsse wie du usgsehsch

    • Peer am 03.02.2020 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      Egal sollen machen was sie wollen

      Ist doch egal sollen einfach die Folgen selber berappen. Das Geschmiere auf der Haut bei Leuten die um jeden Preis auffallen möchen. Mich kratzt das nicht, für mich ist das nichts lieb Komplexis

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  • Mauro am 29.01.2020 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es bald keine bunten Tattoss

    1-2Tatto ok nicht den fast ganz Körper

  • c.c. am 29.01.2020 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moderne Zeit

    Tja, wenn die Chemie mitspielt... Jedoch gibt es auch natürliche Farb-Stoffe, die keinen Krebs verursachen.

    • Locker am 29.01.2020 17:31 Report Diesen Beitrag melden

      alles ist schädlich

      Was verursacht heutzutag denn kein Krebs? Nur schon das atmen ist Krebsfördernd mit diesen vielen Abgasen. :-)

    • Reno_Raines am 31.01.2020 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @c.c.

      Die Anforderungen wie Lichtechtheit, Absorbtion der Haut der Farbe, sprich Beständigkeit. Mischbarkeit mit anderen Farben, Verlaufverhalten was man nicht will und so einiges mehr....

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