Krebs früher entdecken

28. Juli 2014 13:42; Akt: 28.07.2014 14:03 Print

Google sammelt Daten gesunder Menschen

Wie sieht ein gesunder Mensch aus? Dieser Frage will Google nachgehen. Dafür sammelt der Konzern genetische Informationen von 175 Menschen. Tausende weitere sollen folgen.

Das Projekt Baseline Study soll neue Möglichkeiten der Behandlung von Krankheiten schaffen. (Video: Youtube/MyFoxyNY)
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Google hat wieder einmal Grosses vor. Das Forschungsteam des Konzerns – Google X – plant eine Reise ins Innere des menschlichen Körpers. Ziel des Trips: das kompletteste Abbild eines gesunden Menschen schaffen. Dieses soll dereinst helfen, potenzielle Krankheiten wie Herzprobleme und Krebs deutlich früher zu entdecken. Damit könnten Mediziner mehr präventiv wirken, statt bereits ausgebrochene Krankheiten zu behandeln.

Für das Projekt Baseline Study sammelt das Team um den Molekularbiologen Andrew Conrad zunächst die genetischen und molekularen Informationen von 175 Menschen. Damit die persönlichen Daten nicht direkt an Google gelangen, kümmern sich Forscher der Universitäten Stanford und Duke um die Blutproben der Teilnehmer und untersuchen deren Spucke, Urin sowie Tränenflüssigkeit. Dies geschieht mithilfe aktueller Google-Entwicklungen wie der Blutzucker messenden Kontaktlinse.

Anschliessend gehen die Daten anonymisiert an den Internetkonzern. Zusammen mit den Krankengeschichten der Eltern soll dann ein genaues Bild der Probanden entstehen. Nach diesem Pilotversuch sollen sich tausende weitere Probanden auf die gleiche Weise durchleuchten lassen.

Auf der Suche nach Biomarkern

Anschliessend sollen Googles Rechnerkapazitäten eingesetzt werden, um in dem Datensatz bestimmte Muster – sogenannte Biomarker – aufzudecken. Mit deren Hilfe soll es Medizinern möglich sein, Krankheiten weitaus früher als bisher zu erkennen. So könnte die Studie beispielsweise Marker finden, die dafür sorgen, dass manche Menschen trotz fettigem Essen keine Probleme mit einem zu hohen Cholesterinspiegel haben. Sobald die dafür verantwortlichen Muster identifiziert sind, können Forscher prüfen, ob anderen Menschen diese Eigenschaft fehlt. Diese könnten dann ihr Verhalten entsprechend ändern.

Schon heute arbeiten Mediziner weltweit mit Biomarkern. Aber diese verweisen lediglich auf Krankheiten im Endstadium, denn die existierenden Studien konzentrieren sich meist auf kranke Patienten. Zugleich waren die Resultate mit diesen Markern hierbei allenfalls durchwachsen, so Forscher Sam Gambhir von der Stanford-Universität dem «Wall Street Journal».

Auch das neue Projekt sei kein Erfolgsgarant, da der menschliche Körper so komplex sei. Ziemlich wenig ist bekannt über das Zusammenspiel von DNA, Enzymen und Proteinen und darüber, wie Umweltfaktoren – zum Beispiel Diäten – hierauf Einfluss nehmen.

Angst vor der Datenkrake

Im Gegensatz zu anderen Google-X-Projekten zielt die Baseline Study nicht darauf ab, Gewinn einzufahren. Finanzielle Gründe sind dagegen dafür verantwortlich, dass die Studie erst jetzt möglich wird, denn bis vor Kurzem war solche Art der Forschung schlichtweg zu teuer. So kostete die Sequenzierung des menschlichen Genoms Anfang der 2000er-Jahre noch rund 100 Millionen Dollar. Heute sind es noch 1000 Dollar.

Trotz der von Google kommunizierten guten Absichten erschreckt viele der Gedanke, dass der Internetgigant so viel über die Struktur Tausender Menschen erfährt. Schliesslich könnten die Daten dereinst auch gegen sie verwendet werden – etwa von Versicherungen oder potenziellen Arbeitgebern. Doch die Verantwortlichen betonen: Die Informationen sollen anonym bleiben. Getreu Googles Motto: Don't be evil.

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Das Brot am 28.07.2014 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Auch eine Möglichkeit...

    ... einen Vorwand zu finden um die Biodaten aller Menschen abzugreifen... Google ist Skynet ;)

  • Harald am 28.07.2014 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    seelische Gesundheit

    Vielleicht sollte dann Google zuerst einmal die Daten hochmanipulativer Journalisten sammeln. Denn um deren seelische Gesundheit scheint es nicht zum Besten zu stehen.

  • Matthias David am 28.07.2014 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Grosskonzerne

    Google auf dem Weg zur Weltherrschaft? Gänsehaut!

Die neusten Leser-Kommentare

  • User79 am 28.07.2014 23:35 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährlich.

    Google hat Milliarden mit Daten verdient, wer garantiert uns, dass die DNA Profile nicht verkauf werden? Ok, die NSA bekommt sie ja eh unmsonst, aber was wäre mit Krankenkassen, die hätten auch grosses intresse an solchen Profilen. Es wäre durchaus möglich, dass Menschen mit potentielen Krankheiten plötzlich ein vielfaches an Prämien bezahlen müssten.

  • Monty am 28.07.2014 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheit

    Vorab: was heisst für Google anonym? Gehören dazu auch seine ungezählten Server, die endlos Daten sammeln und speichern. Sollte die Google Spitze nicht zuerst mal die eigenen Ideen auf Gesundheit oder Krankheit untersuchen und die eigenen Strategien überdenken.

  • Assistentsarzt am 28.07.2014 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Unsere Referenzwerte für Labors sind schon veraltet. Finde es super, dass man das Ganze sammelt, um das anzupassen.

  • Miranda am 28.07.2014 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Google überall

    Sehr unheimlich das Ganze. Und schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche werde ich an Umbralla von Resident Evil erinnert. Irgendwann wird uns Google von A bis Z kontrollieren (wollen). Gab es da mal nicht Gesetze, welche verhindern sollen, dass Firmen zu gross werden? Und warum muss sich ein Internetkonzern in die Gesundheitsbrache einmischen?

  • Franz Künzli am 28.07.2014 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kritik an empirischen Methoden - echt?

    Wer sich kategorisch dagegenstellt, dass Organisationen Daten sammeln und auswerten ist wohl auch ein Gegener wissenschaftlicher Ansätze. Darwin, Newton etc. würden mit ihren Methoden heute von den Verschwörungstheoretikern wohl genauso verteufelt werden. Zum Glück gibt es noch Firmen wie Google, die mit wissenschaftlichen Ansätzen arbeiten und sich von Kreatonisten und dergleichen nicht abschrecken lassen.