Meilenstein

05. März 2019 15:28; Akt: 05.03.2019 15:28 Print

Zweiter HIV-Patient dank neuer Therapie virenfrei

von F. Riebeling - Dank Stammzellentherapie sind aus dem Blut eines einst HIV-positiven Mannes alle HI-Viren verschwunden. Offiziell geheilt ist er aber nicht.

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Zum zweiten Mal ist ein Fall bekannt geworden, bei dem ein HIV-Patient nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei ist. Das berichten Mediziner im Fachjournal «Nature». (Im Bild: ein Modell des HI-Virus) Demnach wurden beim Patienten, der unter dem Synonym «The London Patient» bekannt ist, seit 19 Monaten keine HI-Viren mehr nachgewiesen. (Im Bild: HI-Virus, das sich aus einer Immunzelle herauslöst) Einen vergleichbaren Fall hat es erst einmal gegeben: Seit 12 Jahren gilt Timothy Ray Brown, ... (Im Bild: Brown im März 2019) ... der aufgrund seiner Behandlung an der Berliner Charité als «The Berlin Patient» in die Medizingeschichtsbücher einging, als vom HIV befreit. Der nun in London behandelte Patient litt nicht nur an HIV, sondern auch noch am Hodgkin-Lymphom – einer Form von Lymphdrüsenkrebs. Deshalb wurde überhaupt erst eine Stammzellentherapie durchgeführt, die ihn schliesslich von den HI-Viren befreite. Möglich wurde dies, weil der ausgewählte Stammzellspender mit dem Gen CCR5 eine genetische Veränderung in sich trug, die ihn resistent gegen HIV machte. Sein Schutz habe sich offenbar auf den Patienten übertragen, so die Forscher. Sie weisen weiter darauf hin, ... (Im Bild: CCR5-Modell) ... dass sie nicht davon ausgehen, dass Knochenmarkspenden in Zukunft regelmässig zur Behandlung von HIV eingesetzt werden. Diese Eingriffe seien nämlich riskant und könnten schwere Nebenwirkungen haben. Ausserdem sei noch offen, ob die Befreiung vom HI-Virus dauerhaft sein werde.

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Diese Nachricht lässt Millionen HIV-Infizierte weltweit hoffen. Zum zweiten Mal überhaupt ist es Ärzten gelungen, dass ein Patient keine Viren mehr im Körper hat. So heisst es im Fachjournal «Nature».

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Von einer dauerhaften Heilung wollen die Mediziner aus London noch nicht reden. Eine solche sei angesichts der dünnen Studienlage noch nicht sicher, so die Verantwortlichen gegenüber der «New York Times». Sicher sei aber, dass der Patient nun schon seit anderthalb Jahren virenfrei ist.

Bisher hat das erst einmal geklappt – vor mehr als zehn Jahren in Berlin: Seit 2008 gilt Timothy Ray Brown, der als «The Berlin Patient» in die Medizingeschichtsbücher einging, als vom HIV befreit.

Doppelt erkrankt

Der nun in London behandelte Patient litt nicht nur an HIV, sondern auch noch am Hodgkin-Lymphom – einer Form von Lymphdrüsenkrebs. Ursprünglich war ihm wegen diesem zur Transplantation der Stammzellen geraten worden, die ihn schliesslich von den HI-Viren befreite.

Möglich wurde dies, weil der ausgewählte Stammzellspender mit dem Gen CCR5 eine genetische Veränderung in sich trug, die ihn resistent gegen HIV machte. Sein Schutz habe sich offenbar auf den Patienten übertragen, so die Forscher.

Sie weisen weiter darauf hin, dass sie nicht davon ausgehen, dass Knochenmarkspenden in Zukunft regelmässig zur Behandlung von HIV eingesetzt werden, denn diese Eingriffe seien riskant und könnten schwere Nebenwirkungen haben.

Geteilte Reaktionen

Die Geschichte der Aids-Epidemie

Während sich die Verantwortlichen noch zurückhaltend geben, kommunizieren andere ihre Freude darüber. «Die Erkenntnisse sind wirklich sehr wichtig. Sie zeigen, dass es sich beim Berliner Patienten nicht um einen Einzelfall gehandelt hat, sondern dass dies unter bestimmten Umständen ein sinnvoller Ansatz sein könnte», sagte etwa Daniel Kuritzkes vom Brigham and Women's Hospital in Boston, der nicht an der Studie beteiligt war, zur «Washington Post».

Doch es gibt auch andere Stimmen – unter anderem die von Gero Hütter, der 2008 Timothy Ray Brown behandelte. Laut «Tagesspiegel» verwies Hütter darauf, dass es seit der Heilung Browns mehrere Fehlversuche gegeben habe: «Leider sind einige der Patienten, die die gleiche Behandlung erhalten hatten, früh an Komplikationen oder Rückfällen ihrer Krebserkrankung verstorben.»

Auch die sogenannten Boston-Patienten, zwei ebenfalls an HIV erkrankte Amerikaner, die nach einer Stammzelltherapie 2013 nur vorübergehend als virusfrei galten, zeigen, dass Zurückhaltung angebracht ist.

Eine Ansteckung mit HIV erfolgt meist beim Geschlechtsverkehr. Forscher haben gefilmt, welchen Weg das Virus dabei nimmt. (Video: 20M/Wibbitz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Interessanticus am 05.03.2019 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant.

    Auch wenn zurück zurückhaltung angesagt ist, ich finde das ein sehr wichtigen Schritt für die Forschung. Vielleicht ebnet das irgendwann den Weg zur Heilung der Krankheit.

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  • 538 am 05.03.2019 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltreisende

    Grosse Lob für den Fortschritt der Medizin. Ebenso grosses Lob an die mit Leukämie erkrankten Kinder denen geholfen werden konnte mittels der CAR-T Therapy. Medizin der Zukunft.

  • Appeeri am 05.03.2019 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Immer mit Vorsicht geniessen!

    Wie oft habe ich schon solche und ähnliche Artikel gelesen. Aber immer wenn man jemanden kennt der eine schwere Krankheit wie Krebs hat, dann wird derjenige von den Ärzten immer so behandelt wie es "üblich" ist und irgendwann heisst es wir können leider nichts mehr machen. Von neuartigen Behandlungsmöglichkeiten wollen die dann meist nichts wissen oder sagen das ist noch nicht so weit, dass man das Anwenden könnte. Trotzdem ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont. Ich wünsche allen Erkrankten baldige Hilfe und viel Kraft!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 06.03.2019 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe Freunde sterben sehen

    Warum nicht bei den Wurzeln suchen? Es waren Rhesusaffen, die aus einem Labor in Kenia entkommen (freigelassen?) waren, die den Virus unter die Menschen gebracht haben. Weshalb wurde ein solcher Virus gebastelt, und wer macht so etwas ohne zugleich ein Antidot zu haben? Wer konnte ein Interesse haben, dass zuerst vorwiegend Homosexuelle, Polygame und Drogenabhängige angesteckt wurden? Wer dort fündig wird, braucht keine teuren Therapien mehr zu erforschen. Dennoch, erfreulich für die Patienten.

  • Donna M. am 06.03.2019 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Pragmatiker

    Er war unheilbar krank und verstarb trotz den teuren Medis binnen ein paar Monate. Hat also nichts mit sterben lassen zutun. Aber ein Leben war es eben auch nicht mehr.

  • Rolando am 06.03.2019 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja....

    Und wann kommt etwas gegen Malaria? Ahhh..... ist bei uns wohl kein Problem!

    • Afrika Reisender am 06.03.2019 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Rolando

      Malaria-Forschung lohnt sich nicht, da hauptsächlich 3. Welt-Länder betroffen sind, wo sich die Leute keine teuren Therapien leisten können. Traurig, aber wahr.

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  • andy am 06.03.2019 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bonzenprivileg

    Garantiert nicht massentauglich! Wer soll das bezahlen? Die KK sicher nicht...

    • Realistischer Darwin am 06.03.2019 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      Frage der Prioritäten

      Wenn ich betroffen wäre, würde ich die notwendige Kohle freiwillig selber irgendwie zusammenkratzen, wenn ich so geheilt werden könnte.

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  • Donna M. am 06.03.2019 03:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gaby s.

    Natürlich will der Arzt den Patienten so lange wie möglich am Leben erhalten. Vor allem wenn man bedenkt wie überrissen teuer die Medikamente sind. Das sah ich bei meinem Vater. Gewinnorientiertes Handeln halt.

    • Pragmatiker am 06.03.2019 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Donna M.

      Sie also nicht? Hätten Ihren Vater sterben lassen, weil er zu teuer wurde? Da mache ich dem Arzt ganz sicher keine Vorwürfe...

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